Über die Seele
De anima
Inhalt
- 1. Cap. Die Philosophen haben vielfach Untersuchungen über das Wesen der Seele angestellt. Doch sind auch auf diesem Gebiete ohne die Offenbarung keine rechten Resultate zu erzielen.
- 2. Cap. Die Philosophen haben zwar in manchen Stücken auch Richtiges gefunden, was mit den Lehren der Offenbarung übereinstimmt, doch sind die angewandten Beweise manchmal nicht stichhaltig, oder wenn die Voraussetzungen richtig, die Folgerungen falsch. So mischt sich bei ihnen Wahres mit Falschem. — Auch die Medizin bereichert unsere Kenntnisse über die Seele.
- 3. Cap. Die Philosophie ist die Mutter der Häresien auch im Punkte der Seelenlehre. Über den Ursprung der Seele wird hier nicht gehandelt werden, da derselbe bereits erörtert ist.
- 4. Cap. Diese Schrift beschäftigt sich mit Untersuchungen über das Wesen der Seele, zunächst ob sie geworden oder ungeworden sei, gemacht oder nicht.
- 5. Cap. Ob die Seele eine gewisse Körperlichkeit habe, darüber sind die Ansichten der Philosophen geteilt.
- 6. Cap. Dass sie eine solche besitze, dafür sprechen die Beobachtungen des Arztes Soranus und andere Gründe.
- 7. Cap. Die hl. Schrift ist der Ansicht von der Körperlichkeit der Seele nicht entgegen.
- 8. Cap. Die Körperlichkeit der Seele involviert jedoch nicht die Materialität derselben, sondern ist von ganz besonderer Art.
- 9. Cap. Nähere Beschreibung des Seelenkörpers. Derselbe aus einer Montanistischen Vision erwiesen.
- 10. Cap. Nach den Lehren der Offenbarung ist die Seele eine einheitliche Substanz und das Prinzip des physischen Lebens. Seele und Lebensodem sind nicht zwei verschiedene Substanzen.
- 11. Cap. Die Bezeichnung Hauch würde besser für die Seele passen als Odem. Die hl. Schrift lehrt die Einheit der Geistesseele mit dem physischen Lebensprinzip.
- 12. Cap. Fortsetzung. Widerlegung der entgegengesetzten Ansichten des Valentinus, Anaxagoras und teilweise auch des Aristoteles.
- 13. Cap. An der Einheit der Seele ist festzuhalten, trotz der verschiedenen Ausdrücke (animus und anima), die dafür in der lateinischen Sprache existieren.
- 14. Cap. Was die Philosophen Bestandteile der Seele genannt haben, sind nur ihre verschiedenen Kräfte und Thätigkeiten.
- 15. Cap. Das sogenannte Hegemonikon, die höchste und vitale Region der Seele, wo sich alle Thätigkeiten konzentrieren, hat nach der Lehre vieler Philosophen und Ärzte, wie auch der hl. Schrift seinen Sitz im Herzen.
- 16. Cap. In der Seele findet sich eine der Vernunft entsprechende und eine ihr widerstrebende Seite. Nur die erstere ist im vollen Sinne natürlich, die letztere aber später durch Einfluss des Teufels hinzugetreten. Plato irrt, wenn er die irrasciblen und konkupisciblen Strebungen unterschiedslos dem irrationalen Prinzip zuweist.
- 17. Cap. Ob die Sinneswahrnehmungen zuverlässig seien?
- 18. Cap. Die Ideenlehre Platos und verwandte Vorstellungen der Häretiker. Die Verschiedenheit zwischen sinnlicher Wahrnehmung und Intellekt bedingt keine Doppelseele im Menschen. Der Intellekt, der allerdings höher steht als die sinnliche Wahrnehmung, ist nur eine höhere Fähigkeit desselben Prinzips und steht nur deshalb höher, weil die Objekte seiner Thätigkeit höher stehen.
- 19. Cap. Der Intellekt ist bereits in den Unmündigen vorhanden.
- 20. Cap. Auch ihre ganze übrige Naturausrüstung besitzt die Seele von Anfang an. Die Verschiedenheit in den Geistesfähigkeiten ist durch die äusseren Umstände der Entwicklung bedingt.
- 21. Cap. Die Seele ist einfach und eingestaltig, hat aber Selbstbestimmung und ist veränderlich, weil geworden. Mit der Dreiteilung der Seelen, die Valentinian behauptet, ist es nichts.
- 22. Cap. Kurze Zusammenfassung der Eigenschaften der Seele auf Grund der bisherigen Erörterungen.
- 23. Cap. Abfertigung der gnostischen und Platonischen Theorie über die Entstehungsweise der Seele.
- 24. Cap. Wenn die Seele ohne Anfang und ihr Lernen nur ein Wiedererinnern wäre, wie Plato will, so müsste sie eine Art göttliches Wesen sein.