„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer nicht durch die Türe in den Schafstall eingeht, sondern anderswoher hineinsteigt, der ist ein Dieb und Räuber.“ Sie sagten nämlich, daß sie nicht blind seien; sehen aber könnten sie dann, wenn sie Schafe Christi wären. Woher nahmen sie für sich das Licht, die gegen den Tag wüteten? Wegen ihrer eitlen, stolzen und unheilbaren Anmaßung also reihte der Herr dieses an, wodurch er uns, wenn wir es verstehen, auf heilsame Weise eine Mahnung gegeben hat. Es gibt ja viele, die im Sinne einer gewissen Führung des gegenwärtigen Lebens gute Menschen, gute Männer, gute Frauen, unsträflich 659 genannt werden und das, was im Gesetze vorgeschrieben ist, so gut wie beobachten: sie erweisen ihren Eltern Ehre, lassen sich keinen Ehebruch zu Schulden kommen, begehen keinen Totschlag, stehlen nicht, geben kein falsches Zeugnis gegen jemand und erfüllen die übrigen Vorschriften des Gesetzes in ihrer Weise, aber sie sind keine Christen und brüsten sich gemeiniglich wie jene: „Sind etwa auch wir blind?“ Weil sie aber dies alles, was sie tun, ohne zu wissen, auf welches Ziel sie es beziehen sollen, vergebens tun, so hat der Herr in der heutigen Lesung von seiner Herde und von der Türe, durch die man in den Schafstall eingeht, ein Gleichnis vorgelegt. Mögen also die Heiden immerhin sagen: Wir leben gut. Wenn sie nicht durch die Türe eingehen, was nützt ihnen das, dessen sie sich rühmen? Denn dazu soll einem ein gutes Leben nützen, daß ihm das ewige Leben gegeben wird; denn wenn nicht das ewige Leben verliehen wird, was nützt dem ein gutes Leben? Kann man ja nicht einmal von einem guten Leben bei denjenigen reden, die das Ziel eines guten Lebens entweder aus Blindheit nicht kennen oder aus Dünkel verachten. Es gibt aber für niemand eine wahre und sichere Hoffnung auf das ewige Leben, wenn er nicht das Leben, welches Christus ist, erkennt und durch die Türe in den Schafstall eingeht.