Aber während die Kirche in denjenigen, die auf solche Weise süß und demütig ruhen, sich angenehm ergötzt, siehe, da klopft jener, der da spricht: „Was ich euch in der Finsternis sage, saget im Lichte; und was ihr ins Ohr vernommen habt, das prediget auf den Dächern“. Seine Stimme also klopft an die Türe und sagt: „Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin, meine Taube, meine Makellose; denn mein Haupt ist voll von Tau und meine Haare von Tropfen der Nacht“; als würde er sagen: Du pflegst der Ruhe, und mir ist die Türe verschlossen; du bist auf die Muße von wenigen bedacht, und bei dem Überhandnehmen der Ungerechtigkeit erkaltet die Liebe vieler. Die Nacht nämlich ist die Ungerechtigkeit, ihr Tau aber und ihre Tropfen sind diejenigen, welche erkalten und fallen und bewirken, daß das Haupt Christi erkaltet, d. h. daß Gott nicht geliebt wird. Das Haupt Christi ist nämlich Gott. Sie werden aber in den Haaren getragen, d. h. in den sichtbaren Sakramenten geduldet, in das Innere des Sinnes dringen sie keineswegs ein. Er klopft also, 803 um den heiligen Müßiggängern die Ruhe auszutreiben, und ruft: „Öffne mir“, „meine Schwester“ durch mein Blut, „meine Freundin“ durch meine Herankunft, „meine Taube“ durch meinen Geist, „meine Makellose“ durch mein Wort, das du in der Muße vollkommener kennen gelernt hast; öffne mir, predige mich! Denn wie soll ich zu denen, die mir die Türe verschlossen haben, eintreten ohne einen, der öffnet? Wie nämlich sollen sie hören ohne einen Prediger?