Dies beachte der Arianer und sei durch die Beachtung vernünftig, damit er nicht durch Streitsucht unvernünftig oder, was schlimmer ist, verrückt werde. Denn das ist die Knechtsgestalt, in welcher der Sohn Gottes geringer ist, nicht bloß als der Vater, sondern auch als der Heilige Geist, und nicht nur das, sondern auch als er selbst, weil er in der Gestalt Gottes größer ist als er selbst. Denn auch der Mensch Christus wird Sohn Gottes genannt, wie so auch sein Fleisch für sich allein im Grabe genannt zu werden verdiente. Denn was sonst bekennen wir, wenn wir sagen, daß wir an den eingeborenen Sohn Gottes glauben, der unter Pontius Pilatus gekreuzigt und begraben worden ist? Und was von ihm ist begraben worden als das entseelte Fleisch? Wenn wir also glauben an den Sohn Gottes, der begraben wurde, nennen wir ohne Zweifel Sohn Gottes auch das Fleisch, welches allein begraben wurde. Derselbe Christus also, der Sohn Gottes, dem Vater gleich in der Gottesgestalt, ist, weil er sich selbst 899 erniedrigte nicht durch Aufgabe der Gottesgestalt, sondern durch Annahme der Knechtsgestalt, größer als er selbst; denn größer ist die nicht aufgegebene Gottesgestalt als die angenommene Knechtsgestalt. Wie kann es also auffallend oder unwürdig sein, wenn der Sohn Gottes mit Rücksicht auf diese Knechtsgestalt sagt: „Der Vater ist größer als ich“? und mit Rücksicht auf die Gottesgestalt ebenderselbe Sohn Gottes sagt: „Ich und der Vater sind eins“? Denn eins sind sie, sofern „das Wort Gott war“; größer ist der Vater, sofern „das Wort Fleisch geworden ist“. Ich möchte noch sagen, was die Arianer und Eunomianer nicht leugnen können: nach dieser Knechtsgestalt war der Knabe Christus sogar geringer als seine Eltern, da er, wie geschrieben steht, als Knabe den Eltern untertan war. Wie also, o Häretiker? Christus ist Gott und Mensch, er redet als Mensch, und du verunglimpfst Gott? Er spricht von seiner menschlichen Natur, du wagst an ihm die göttliche zu entwerten? Ungläubiger, Undankbarer, setzest du deshalb den herab, der dich gemacht hat, weil er sagt, was er deinetwegen geworden ist? Denn der dem Vater gleich ist, der Sohn, durch den der Mensch gemacht worden ist, ist, um geringer zu sein als der Vater, Mensch geworden; und wenn er das nicht geworden wäre, was wäre der Mensch?