Jene Versammlungen, Reden und Gespräche der gelehrten Männer auf dem Forum, und was alles früher unsere Stadt berühmt gemacht hat, sind aus unserer Mitte verschwunden. So zeigt sich jetzt noch weniger ein gebildeter und beredter Mann auf dem Forum als einst zu Athen ein notorisch Ehrloser oder einer mit unsauberen Händen. Dafür aber hat sich hier eine Unkultur eingestellt wie bei gewissen Skythen beziehungsweise den Massageten. Man hört nur die eine Stimme der Steuereintreiber, der Angeforderten und der Ausgepeitschten. Die Hallen auf beiden Seiten hallen wider von Trauer. Es ist, als ob sie eigentümliche Laute ausstießen, Klagelaute über die Geschehnisse. Geschlossene Gymnasien, nichterleuchtete Nächte — der Kampf um das Leben läßt uns an nichts anderes mehr denken. Es droht die sichere Gefahr, daß mit der Beseitigung der Vornehmen, wie beim Fallen von Stützen, alles zusammenbricht. Welche Rede könnte hinreichend unsere Leiden schildern? Die einen haben sich auf und davon gemacht; ein Teil unseres Rates — nicht der schlechteste — hat die lebenslängliche Verbannung dem Podandus vorgezogen. Rede ich aber von Podandus, so 128 wisse, daß ich darunter den lakedämonischen Keadas verstehe, oder sonst einen natürlichen Abgrund, den Du irgendwo auf der Erde gesehen, Stätten, für die auch Charoneia als Benennung einigen wie von selbst eingefallen ist, weil sie ungesunde Luft ausatmen. Einer solchen Stätte gleich halte auch das unselige Podandus! Von den drei Dritteln flieht das eine mit Weib und Hausrat; das andere wird gefangen weggeführt. Der größte Teil der städtischen Aristokratie ist ein klägliches Schauspiel für die Freunde, eine Augenweide für die Feinde, wenn überhaupt jemand uns so Furchtbares gönnt. Der dritte Teil etwa ist noch dageblieben. Da sie aber die Trennung von ihren Landsleuten unerträglich finden und zugleich für die nötigen Bedürfnisse nicht aufkommen können, so sind sie des Lebens selbst überdrüssig.
Dies tue allen kund, wir bitten darum, mit dem Gewicht Deiner Stimme und mit Deinem gerechten Freimut, den Dir Deine Lebensstellung gibt! Sag’ ihnen das frei heraus, daß, wenn sie ihre Gesinnung nicht bald ändern, sie niemand mehr haben werden, dem sie ihr Wohlwollen bezeugen könnten. Denn Du wirst entweder der Allgemeinheit nützen oder doch wenigstens tun, was Solon getan hat: Als er nach Einnahme der Burg seine verlassenen Mitbürger nicht verteidigen konnte, da setzte er sich in Waffenrüstung vor die Türe und gab durch seine Haltung zu erkennen, daß er mit dem, was geschehen war, nicht einverstanden sei. Das aber weiß ich 129 genau: Wenn man auch jetzt Deine Ansicht nicht billigen sollte, ein wenig später wird man Dir wegen Deines Wohlwollens wie wegen Deiner Einsicht das größte Lob spenden, wenn man sieht, daß die Dinge sich gestalten, wie ich es vorausgesagt habe.