Wie der Leib durch die Lebenskraft der Seele besteht, so ist die Seele, obgleich lebend, ohne die Werke doch nicht wahrhaft lebend (hat das höhere Leben, das Leben der Gnade nicht); denn nur durch die Werke des Glaubens kann sie leben, wie die Schrift bezeugt. Der gläubige Lazarus vernahm (den Ruf Jesu) und kam hervor (aus dem Grabe). Sein Geruch ward durch die Stimme, die ihn gerufen, lieblich. So erhielten die Helden nach dem Vorbilde des Lazarus das innere Leben (der Gnade); nach dem Vorbilde des (jüdischen Volkes) aber starb (ward unselig) der Dieb, welcher sich selbst erhängte (Judas der Verräther) und seinen Strick den Schriftgelehrten, die ihn gedungen hatten, als Erbtheil hinterließ.
204Oder „durch den Glauben, welcher durch Liebe wirksam ist.“ Gal 5,6. „Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist todt an sich selber.“ Jak 2, 17.
205Schlußbemerkung. Mit dieser sehr belehrenden metrischen Rede über die Nothwendigkeit des wahren durch die Liebe thätigen Glaubens beschließt Ephräm seine achtzig Gesänge gegen die Grübler über die Geheimnisse des Glaubens. Da ich aus dieser großen Zahl nur 23 wählte, glaube ich die Geduld geneigter Leser nicht zu sehr in Anspruch genommen zu haben. Zu abstrakte, trockene, speculativ dogmatische ausschließend war ich darauf bedacht, nur solche mitzutheilen, die mir für die Mehrzahl der Leser ansprechend und leicht verständlich schienen. So werde ich es auch mit der Auswahl aus Ephräms ernsten metrischen Reden gegen die Ketzer halten, deren mehrere der Bekanntmachung sehr würdig sind, und deren ganze Sammlung ich schon im Jahre 1850 durch die nämliche Verlagshandlung in deutscher Uebersetzung herausgegeben habe. Bei der herrschenden Glaubenslosigkeit unserer Zeit ist es gewiß wünschenswerth, solche Weckstimmen über die Nothwendigkeit des Festhaltens an dem wahren Glauben aus dem christlichen Alterthume aufs Neue ertönen zu lassen.