Hilarius von Poitiers · Epistula ad Abram filiam · Kapitel 1
215 Hilarius entbietet seiner geliebtesten Tochter Abra seinen Gruß in dem Herrn.
Ich habe deinen Brief erhalten, aus welchem ich ersehe, daß du dich nach mir sehnest; und ich bin davon überzeugt. Denn ich fühle, wie erwünscht die Gegenwart derer ist, die man liebt. Und weil ich wußte, daß dir meine Abwesenheit schwer fällt, wollte ich, damit du mich nicht etwa für lieblos gegen dich halten möchtest, weil ich so lange von dir entfernt bin, bei dir sowohl meine Abreise, als auch mein Zögern entschuldigen, damit du einsehen möchtest, daß ich nicht aus Abneigung gegen dich, sondern zu deinem Nutzen abwesend bin. Denn da ich wünsche, daß du, o Tochter, so wie du meine einzige Tochter bist, so auch, so viel bei mir steht, Eines Sinnes mit mir seyn möchtest, so wünsche ich auch, daß du am schönsten und heiligsten unter Allen leben möchtest. 216