Zu jener Zeit stand an der Spitze der Kirche von Alexandria der heiligste Athanasius. Er wünschte, die826Kirchen Gottes der oberen Thebais und von Syene zu besuchen, um sie durch seine geistliche Unterweisung zu stärken. Auch an Tabennesis fuhr er vorüber.
Als dies Pachomius hörte, da zog er hinaus mit den Brüdern in Freude und Jubel der Seele unter Psalmen und Hymnen, um den Erzbischof zu empfangen. Und es entstand ein großes Gedränge von Brüdern um ihn, die Gott priesen für seine Anwesenheit. Pachomius aber zeigte sich nicht öffentlich, sondern er zog sich zurück und verbarg sich unter der Menge der Brüder. Der Bischof der Kirche von Tentyra aber machte den heiligen Athanasius aufmerksam auf ihn, indem er sagte: „Ich habe einen Vater der Mönche an den Orten, die mir unterstehen, einen wunderbaren und großen Mann, in Wahrheit einen Mann Gottes. Deshalb bitte ich deine Heiligkeit, ihn zum Vater aller Mönche einzusetzen, so daß er es als ein Geschenk der erzbischöflichen Gewalt empfängt.“ Gerade deshalb aber hatte sich der Greis zurückgezogen und sich unter den Brüdern verborgen, bis Athanasius sich entfernt hätte. Wie dieser nun von seinem Eifer nach dem Willen Gottes hörte, von seinem tugendhaften Lebenswandel, von den Verfolgungen, die er um des Heilandes willen in dem treuen Bekenntnis des wahren Glaubens erduldet hatte, von seiner Liebe zu allen, besonders aber zu den Brüdern, - da freute er sich sehr; er begrüßte ihn und pries Gott. Den Origenes aber haßte er grimmig als einen Lästerer und Abtrünnigen und verabscheute ihn,827der vor Arius und Meletius von Heraklas, dem Erzbischof von Alexandria, aus der Kirche ausgeschlossen worden war. Denn dieser hatte in seinen eigenen Aufstellungen das, was wahrscheinlich schien, den wahren Lehren der Heiligen Schrift gleichsam wie verderbliches Gift beigemischt; er hatte zum Verderben einfacher Gemüter viele Bücher zusammengeschrieben; und wie die Ärzte ihre bittersten Arzneien mit Honig mischen und sie so den Widerwilligen geben, ebenso hatte auch er seinen Irrtum eingehüllt und den etwas Schwachen im Geiste mitgeteilt. Den Brüdern nun legte Pachomius dringend ans Herz, nicht bloß das törichte Geschwätz des Origenes nicht zu lesen, sondern sich auch nicht zu erkühnen, dem Lesen anderer zuzuhören. Man erzählt sich auch, daß er einmal ein Buch von ihm gefunden und sogleich in das Wasser geworfen habe mit den Worten: „Wenn ich nicht wüßte, daß der Name Gottes in ihm geschrieben steht, so hätte ich seine Lästerungen und unsinnigen Schwätzereien verbrannt.“ So war er ein Freund und Nachahmer der Guten, dagegen ein Feind der Widersacher der Wahrheit. Er freute sich immer und war beglückt über den Glauben und den Fortschritt der Rechtgläubigen; denn es schien ihm, als ob er durch sie den Heiland auf dem Thron der Kirche sehe.
Wenn er aber je einmal jemanden in irgendeinem Gespräch oder in einer Angelegenheit sie, die Rechtgläubigen, verleumden hörte, dann ertrug er das nicht, ja er entwich von ihnen wie von Schlangen, indem er828gegen sie immer das Wort des Psalmisten anwandte und sprach: „Den, der heimlich seinen Nächsten verleumdete, habe ich ausgetrieben“. Denn kein guter Mensch, so meinte er, bringt etwas Schlechtes aus seinem Munde hervor, am wenigsten gegen die heiligen Väter. Er erinnerte diese Leute immer an den Zorn Gottes über einen solchen Menschen, wie er sich aus vielen anderen Stellen der Heiligen Schrift zeigt, wie er sich aber vornehmlich offenbare bei der Verleumdung gegen Moses, die von Mariam ausging. Und er war offen und von gutem Einfluß auf alle, die mit ihm umgingen.