Auf tausenderlei Weise versuchte der Teufel dem Heiligen zu schaden und ihn zu hintergehen. 46Deshalb ließ er sich unter den verschiedensten Gestalten sehen. Denn bisweilen trat er als Jupiter auf, meist als Merkur, oft auch als Venus und Minerva. Martinus schützte sich gegen ihn unerschrocken jedesmal mit dem Zeichen des Kreuzes und der Waffe des Gebets. Öfter hörte man gemeine Schmähworte, welche die Dämonenschar gegen ihn ausstieß. Allein Martinus durchschaute den eitlen Betrug und ließ sich durch derartige Vorwürfe nicht beunruhigen. Einige der Brüder bezeugten auch, sie hätten gehört, wie der Teufel den Heiligen mit rohen Worten anfuhr, weil er manchen Brüdern, die infolge vielfacher Verirrungen die Taufgnade verloren hatten, später nach ihrer Bekehrung Aufnahme gewährt habe. Dabei habe der Teufel die Fehltritte der einzelnen aufgezählt. Martinus habe ihm widersprochen und mit aller Entschiedenheit geantwortet, die alten Sünden würden durch frömmeren Wandel getilgt; um der Barmherzigkeit Gottes willen müßten alle jene losgesprochen werden, die von ihren Sünden abgelassen hätten. Der Teufel habe den Einwand gemacht, Verbrecher könnten keine Vergebung erlangen; wer einmal gefallen sei, dem könne der Herr kein Erbarmen mehr angedeihen lassen. Da soll Martinus ungefähr also ausgerufen haben: „Wenn du Elender selbst davon abließest, die Menschen anzufeinden und wenigstens jetzt, da der Tag des Gerichts ganz nahe ist, über dein Treiben Reue empfändest, dann würde ich fest auf den Herrn Jesus Christus bauen und dir Begnadigung in 47Aussicht stellen“. Welch heilige Kühnheit im Vertrauen auf die Güte Gottes! Konnte Martinus durch sie auch keine sichere Gewißheit gewähren, so offenbarte er darin doch seinen Edelmut.
Weil ich nun einmal daran bin, vom Teufel und seinen Ränken zu sprechen, so deucht es mir gut, noch eine Begebenheit zu erzählen, wenn sie auch nicht streng hierher gehört. Denn es spielt dabei auch die Wunderkraft des Martinus mit, und zudem verdient ein Ereignis, das eines Wunders wert war, der Nachwelt überliefert zu werden, zum warnenden Beispiel, falls sich später wieder Ähnliches zutragen sollte.