Zu beherzigen haben wir, geliebteste Brüder, und immer wieder zu bedenken, daß wir der Welt entsagt haben und nur als Gäste und Fremdlinge hier leben. Mit Freuden wollen wir den Tag begrüßen, der einen jeden seiner Heimat zuweist, der uns von hinnen nimmt, der uns von den Fallstricken der Welt befreit und dafür dem Paradiese und dem Himmelreich zurückgibt. Wer würde, wenn er in der Fremde weilt, sich nicht beeilen, in die Heimat zurückzukehren? Wer würde, wenn er in schneller Fahrt zu den Seinen gelangen will, nicht besonders sehnsüchtig günstigen Wind sich wünschen, um nur ja recht bald seine Lieben umarmen zu können? Als unsere Heimat betrachten wir das Paradies, unsere Eltern haben wir in den Patriarchen zu sehen begonnen: warum eilen und laufen wir dann nicht, um unsere Heimat sehen, um unsere Eltern begrüßen zu können? Eine große Anzahl von Lieben erwartet uns dort, eine stattliche, mächtige Schar von Eltern, Geschwistern und Kindern sehnt sich nach uns, um die eigene Rettung bereits unbesorgt und nur um unser Heil noch 254 bekümmert. Unter ihre Augen, in ihre Arme zu eilen, welch große Freude für sie und uns zugleich! Welche Wonne dort im himmlischen Reiche, wenn kein Tod mehr schreckt, welch hohes, dauerndes Glück, wenn das Leben nie endet! Dort finden wir den ruhmreichen Chor der Apostel, dort die Schar der jubelnden Propheten, dort die zahllose Menge der Märtyrer, die wegen ihres glorreichen Sieges in Kampf und Leiden die Krone empfing, dort die triumphierenden Jungfrauen, die die Begehrlichkeiten des Fleisches und des Leibes durch die Macht der Entsagung bezwangen, dort die Barmherzigen, die durch die Speisung und die reiche Beschenkung der Armen Werke der Gerechtigkeit vollbrachten und nun dafür ihren Lohn erhielten, die getreu den Geboten des Herrn ihre irdischen Güter in himmlische Schätze verwandelten. Zu ihnen, geliebteste Brüder, laßt uns mit gierigem Verlangen hineilen und mit dem Wunsche, daß es uns vergönnt sein möge, recht bald bei ihnen zu sein, recht bald zu Christus zu gelangen! Diesen Gedanken laßt Gott bei uns sehen, diesen Vorsatz des Geistes und des Glaubens laßt Christus bei uns erblicken! Je größer unsere Sehnsucht nach ihm ist, desto reicher wird der Lohn der Liebe ausfallen, den er uns zuteil werden läßt.