75 3. In deinem Brode lebt der Geist verborgen, der nicht gegessen werden kann; in deinem Weine wohnt das Feuer, das nicht getrunken werden kann. Der Geist in deinem Brode, das Feuer in deinem Weine sind ganz besondere Wunder, die unsere Lippen empfangen. Weil der Herr sich auf die Erde zu den Sterblichen herabgelassen, schuf er dieselben zu einer neuen Schöpfung. Wie den Wächtern (Engeln), so theilte er auch ihnen (den Menschen) Feuer und Geist mit, auf daß sie im Innern (wie) von Feuer und Geist sein möchten. Der Seraph nahm die glühende Kohle nicht mit seinen Fingern. Er berührte damit nur den Mund des Propheten. Dieser ergriff sie nicht selbst und aß sie nicht. Uns aber, seht, verlieh unser Herr Beides.
4. Den Wächtern, diesen Geisterwesen, stellte Abraham einst die Speise der Erdbewohner auf, und sie aßen davon. (War Dieß wunderbar,) so ist ein neues Wunder unsers erhabenen Herrn da: denn er gibt den Körperwesen Feuer und Geist zu essen und zu trinken. 76 Feuer fiel einst zur Strafe verzehrend über Sünder herab. Nun aber läßt sich das Feuer des Allbarmherzigen auf Brod hernieder und wohnt darin. Anstatt jenes Feuers, das Menschen auffraß, esset ihr nun im Brode Feuer und erhaltet das Leben. Weil auf die Opfer des Elias Feuer herniederfuhr und sie verzehrte, ward das Feuer der Barmherzigkeit uns zum Opfer des Lebens. Feuer hat einst die Opfer verzehrt; dein Feuer aber, o unser Herr, essen wir bei deinem Opfer.
5. „Wer faßt mit seinen Händen den Geist auf?“ Komm und schau, o Salomon, was deines Vaters Herr gethan! Ganz gegen die Natur hat er Feuer und Geist vereinigt und in die Hände seiner Jünger ergossen. „Wer band die Wasser wie in einen Schleier?“ fragte er ferner. Doch sieh den Quell im Schleier, dem Schooße Mariens! Vom Becher des Lebens empfangen einen Tropfen Lebens in einem Schleier deine Mägde. Es ist 77 die verborgene Macht im Schleier des Heiligthums verhüllt. Die Macht, welche nicht einmal von einem Geiste je erfaßt wird, neigte ihre Liebe herab, ließ sich hernieder und liegt auf dem Schleier (Tuche) des Altars des Versöhnungsopfers.
6. Siehe: Feuer und Geist waren in dem Schooße, der dich geboren; Feuer und Geist waren im Flusse, worin du getauft wurdest; Feuer und Geist sind bei unsrer Taufe, so wie im Brod und im Kelche Feuer und der h. Geist sind. Dein Brod tödtet den gierigen Fresser, der uns zu seinem Brode machte; dein Kelch vernichtet auch den Tod, der uns verschlingt. Wir essen dich, o unser Herr, und trinken dich nicht um dich zu verzehren, sondern um durch dich zu leben. Schon dein Schuhriemen ist ein Gegenstand des Schauders für die Einsichtsvollen; der Saum deines Mantels flößt den Kundigen Furcht ein: allein unser thörichtes Geschlecht (Zeitalter) ward durch seine Sucht, zu grübeln, eine Tafel von Zechern, die von Most (oder süßem Weine) berauscht sind.