Ephräm der Syrer · Proben katholischer Polemik aus des hl. Ephräm Reden gegen die Ketzer. · Buch 7 · Kapitel 4
4. Böses Beispiel eines heuchlerischen Irrlehrers.
Unter den Griechen stand ein Dämon auf, welcher, nachdem er Alles einzeln zu überdenken angefangen hatte, das ihm schön und passend Scheinende nachäffte. Auch heut zu Tage noch verführte er auf verschiedene Weise einfältige Personen weiblichen Geschlechts. Die eine fing er durch Fasten, eine andere durch Bußsäcke und Hülsenfrüchte. Manche nahm er durch Reden ein. Gepriesen sei, der seine Ränke zu nichte machte! Der häßliche Betrug kann nämlich ohne die Wahrheit sich nicht herausputzen, noch kann die Lüge wandeln, außer den Fußtapfen der Wahrheit nach. Durch 258 ihre (der Wahrheit stückweise entlehnte) Schönheit verlobten sie die Verlobte (Braut), und Dieß beweist, daß sie (an sich, ohne die der Wahrheit entlehnten Lappen) selbst häßlich sind. Nachdem sie dieselbe sich verlobt hatten, nahmen sie sie, und Dieß beweist, daß sie arglistig sind. Wer soll daher vor ihnen nicht fliehen? Preis sei Demjenigen, zu dem Alles seine Zuflucht nimmt!
108Ein böser Geist. Eine Randglosse der römischen Ausgabe nennt einen gewissen Eutactus, verdammt im Concil von Gangra. Es muß gelesen werden Eustathius, Bischof von Sebaste, dessen übertriebene strenge Lehre in jener Synode verworfen ward. Er starb im Jahre 376.
109Eine unklare Stelle. Die lateinische Übersetzung lautet: „Obtenta igitur veritatis specie seduxere nurus quamquam ipse non ignorant, eos utique esse turpissimos; seductas autem sibi habuerunt, quamquam ista non latent, eos specioso integumento occultare flagitia.“ Mit Rücksicht auf den früher erwähnten Eustathius und seine Lehre, daß die Ehe verunreinige, scheint der Sinn zu sein, daß seine Anhänger junge Frauenzimmer durch scheinbar ascetische Strenge gewannen und aftermystischer Schwärmerei in Ausschweifungen verfallend mißbrauchten. Weil sie dem Anschein nach von der Wahrheit das Schöne, die Liebe zur Jungfräulichkeit, entlehnten, gestanden sie ihre eigne Häßlichkeit zu, und weil sie die gewonnenen Verlobten für sich nahmen, bewiesen sie ihre heuchlerische Arglist.