Als nun Ephraem nach Edessa kam, fand er hier Secten aller Art und die bedeutendste unter allen war die des Zauberers Bardeson. Zufällig fiel ihm das verderbliche Buch des Bardeson in die Hände, wie dies Ephraem selbst mittheilt mit folgenden Worten:
“Ich fand ein Buch von Bardeson,”Das mich auf eine Stunde trauern liess, “Das meine Ohren befleckte und mich selbst ganz”Mit dem Makel seiner Schande. “Ich höre in seinen Worten die Schande”Und in seinen Reden die Schmach. “Wenn der Leib nicht aufersteht,”So ist’s des Leibes Fluch; “Schuf aber Gott ihn zum Verderben”Und, dass er nimmer wieder aufersteh’, “Siehe, so kommt Schmach über die Gerechtigkeit des Herrn”Und verläumdet Gottes Wege; “Sie setzt den Hass zur Liebe”Und raubt des Lebens Hoffnung. “Drum wend’ ich ab mich und lese, meine Brüder,”In dem Buch des heil’gen Geistes “Und betäube so das Ohr”Gegen jenen schwarzen Frevel."
Als nun der heilige Ephraem sahe, wie die Stadt durch viele Secten verunreinigt war, da entbrannte er von einem göttlichen Feuer, wie jener von göttlichem Eifer glühende, weise Phinees, der Sohn des Eleazar, und er ward ein Krieger und vernichtete alle Secten und rottete sie aus. Deshalb befiel Alle eine grosse Furcht, und wie Wachs vor dem Feuer, so schmolzen alle Secten vor dem Heiligen 26 dahin; sie konnten ihm gegenüber nicht bestehen, und er leitete sie wieder auf den Weg der Wahrheit. — So sah er denn auch, wie die Secte des Bardeson in Edessa Macht erlangte durch ihre leichtsinnigen und verführerischen Gesänge; denn dieser verruchte Bardeson hatte Gedichte jeglicher Gattung verfertigt, aber auch das Gift des Todes hineingemischt für Alle die sie lernen. Die brachte er denn unter die Schaaren der Knaben und lehrete sie die Gedichte zur Cither singen. Er hatte aber die Psalmen David’s nachgeahmt und 150 solcher verführerischer Gesänge gedichtet, mit denen er die Gemüther Vieler an sich zog. Wie Satanas in Wahrheit die Kinder Kain’s unterwiesen, so hat er auch diesen Frevler gelehret, so dass er ein Instrument ist, auf dem Satanas spielt. — Wer, meine Brüder, vermag die Beredtsamkeit des heiligen Ephraem zu schildern, seine Anstrengung, seine Thätigkeit, die unsäglichen Mühen und die Wachsamkeit, die er angewendet, bis er alle die Irrthümer zerstört, die gegen die Wahrheit sich erhoben, und alle Secten zerstöret und ausgerottet hatte; wie Spreu, die der Wind verweht, so waren alle Secten vor ihm. Aber es war ihm auch von Gott Weisheit gegeben, die über alle Weisheit ging. Die Rede ist zu schwach, ihn zu preisen und alle Worte genügen nicht zu seinem Ruhme; denn er ist gerüstet, der Athlete des Gesalbten und führt den Kampf gegen die linke Seite, vorzüglich aber gegen die Gottlosigkeit des Bardeson und seiner Schüler.