„Wie nun,“ sprach ich, „wenn deine Gegner sich auf den Apostel berufen, der da sagt, alle vernünftige Kreatur werde bei der Wiederherstellung des Alls den Herrn desselben erblicken; bei dieser Gelegenheit erwähnt er aber auch die Unterirdischen, indem er im Briefe an die Philipper schreibt: ‚Ihm wird jegliches Knie sich beugen, derer im Himmel, auf Erden und unter der Erde‘.“ (Phil. 2, 10.) Die Lehrerin erwiderte: „Selbst wenn wir diesen Einwand hören, können wir bei unserer 279 Auffassung bleiben; denn hinsichtlich der Weiter-Existenz der Seele haben wir auch den Gegner, der einen solchen Einwand macht, bereits auf unserer Seite, hinsichtlich des Ortes setzen wir ihm, wie schon bemerkt, keinen Widerstand entgegen“. Ich frug nun weiter: „Was könnte man wohl denen, welche nach dem Sinne jener apostolischen Worte forschen, antworten, wenn man nun einmal die Worte nicht im Sinne einer Ortsbezeichnung nehmen soll?“
Sie aber sprach: „Nicht nach ihrem verschiedenen Aufenthaltsorte wollte der göttliche Apostel die Geister einteilen, wenn er von Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen redet. Vielmehr da es drei Klassen von geistigen Wesen gibt: jene, welche von Anfang an das körperlose Leben empfangen haben und Engel heißen, dann jene, welche in Verbindung mit dem Fleische leben und Menschen genannt werden, endlich diejenigen, welche durch den Tod von ihren Körpern geschieden wurden, so wollte nach meinem Dafürhalten der göttliche Apostel im Hinblick auf die erwähnte Auffassung über die geistbegabten Geschöpfe in der Tiefe seiner Weisheit den in der Zukunft bevorstehenden Einklang der gesamten vernünftigen Natur im Guten andeuten, indem er die körperlosen Engel als Himmlische, die mit einem Körper ausgestatteten Seelen als Irdische, die vom Körper Abgeschiedenen als Unterirdische bezeichnet, oder wenn sonst noch eine andere, von den genannten verschiedene Natur in der Zahl der vernünftigen Wesen sich findet, mögen wir nun ihre Träger Dämonen oder Geister oder sonstwie nennen, da wir über den Namen nicht streiten wollen. Auf Grund allgemeiner Annahme und der Schriftlehre wird nämlich geglaubt, es würden Wesen ohne irdische Körper existieren, die da dem Guten abhold und dem Menschengeschlecht feindselig seien, nachdem sie sich einmal von einem besseren Geschick freiwillig lossagten und durch Abfall vom Guten dessen Gegenteil in sich darstellen. Und diese, sagt man, rechne der Apostel zu den Unterirdischen, indem er durch seine Wendung andeuten wolle, es würde dereinst, wenn nach langen Perioden von Jahrhunderten alles Böse vertilgt werde, kein Geschöpf mehr vom Reiche des Guten 280 ausgeschlossen sein, sondern die Herrschaft Christi fände auch von den zuletzt genannten Geistern Anerkennung. Unter diesen Umständen wird uns wohl niemand mehr nötigen, bei dem Ausdruck „Unterirdische“ an einen Raum unterhalb der Erde zu denken, da doch die Luft in gleicher Weise allseitig um die Erde herumgegossen ist, so daß kein Teil derselben als von jener Luftumkleidung frei angesehen werden kann.“§ 10. Eine Art Verbindung zwischen Seele und Körper bleibt auch nach dem Tode.