„Um den beiden genannten Ungereimtheiten in der Untersuchung des Seienden zu entgehen, wollen wir nach dem Beispiele des Apostels die Frage über das Wie des Entstehens der geschaffenen Dinge nicht näher erörtern und nur im Vorübergehen bemerken, daß der göttliche Willensakt, sobald er es will, die Wirklichkeit herbeiführt und daß das Gewollte sofort Natur und Wesen gewinnt, da die Allmacht nichts von dem, was sie in ihrer Weisheit und Gestaltungsfähigkeit will, unverwirklicht läßt; die Existenz des Gewollten ist Wesen (d. h. wohl: 312 das von Gott Gewollte gewinnt dadurch Existenz, daß es eine Wesenheit bekommt).“
„Nun scheidet sich die Welt in zwei Hälften, in eine geistige und in eine körperliche. Die Schöpfung der geistigen Welt scheint allerdings der unkörperlichen göttlichen Natur nicht unähnlich zu sein, sondern vollkommen zu entsprechen, indem sie Unsichtbarkeit, Unbetastbarkeit und Ausdehnungslosigkeit aufweist, also Eigenschaften, welche man ohne die Gefahr eines Irrtums auch der allerhabenen Natur zuschreiben muß. Die Welt des Körperlichen aber zeigt Eigenschaften, welche Gott sicher nicht hat und infolgedessen erheben sich große Schwierigkeiten für unsere Vernunft, die nicht einzusehen vermag, wie aus dem Unsichtbaren das Sichtbare hervorgehen konnte, aus dem Unbetastbaren das Feste und Starre, aus dem Unbegrenzten das Begrenzte, aus dem jede Quantität und Größe Entbehrenden das, was in eine seiner Quantität entsprechenden Größe eingeschlossen ist, und was wir sonst noch alles an der körperlichen Natur wahrnehmen. Angesichts dieser Schwierigkeit wollen wir bemerken: keine von den Eigenschaften des Körpers ist selbst etwas Körperliches, weder Gestalt noch Farbe noch Schwere noch Ausdehnung noch sonst eine zu den Eigenschaften gehörige Bestimmung, sondern jede dieser Eigenschaften ist ein Begriff und ihre Vereinigung und Verbindung macht den Körper aus. Da also alle Eigenschaften, welche den Körper ausmachen, mit dem Geiste und nicht mit den Sinnen erfaßt werden, Gott aber Geist ist, welche Schwierigkeit könnte demnach für den Geist bestehen, geistige Bestimmungen zu bewirken, deren Verbindung die Natur des Körpers ausmacht. Doch dies sei nur nebenher untersucht.“