Denn nur dies heißt Gott singen; das andere heißt der Luft singen; ist es doch nur ein leerer Schall, den die Luft verweht. Nicht zur Schaustellung, meint der Apostel. Selbst auf offener Straße kannst du dich zu Gott wenden und ihm singen, ohne daß es jemand zu hören braucht. Auch Moses betete so und fand Erhörung. Es heißt nämlich: „Was schreist du zu mir?“ Und doch hatte er den Mund nicht geöffnet, sondern nur in Gedanken zu Gott gerufen. Darum konnte es auch nur Gott allein hören. Denn nichts hindert, auch während des Gehens im Herzen zu beten und dort oben zu verweilen. —
„Und alles“, fährt Paulus fort, „was ihr immer tut in Wort oder Tat, alles (tuet) im Namen unseres Herrn Jesus Christus, und danket Gott und dem Vater durch ihn!“ Denn befolgen wir diesen Rat, so kann nichts Sündhaftes, nichts Unreines da vorkommen, wo Christus angerufen wird. Essen, Trinken, Heiraten, Reisen — alles tue im Namen Gottes, d. h. indem du dabei ihn um seinen Beistand anrufst. Bei allem bete vorher zu ihm, dann erst mache dich an das Geschäft! Willst du etwas sagen? Schicke das Gebet voraus! Deshalb setzen auch wir unseren Sendschreiben den Namen des Herrn voran. Wo der Name des Herrn ist, da geht alles glücklich vonstatten. Denn wenn schon die Namen der Konsuln einem Schriftstück volle Sicherheit verleihen, so tut 367 dies noch weit mehr der Name Christi. — Oder der Apostel will Folgendes sagen: Redet und tuet alles mit Gott! Ziehet nicht die Engel ins Spiel! Du ißt? Danke Gott, sowohl vor- als nachher! Du schläfst? Danke Gott, sowohl vor- als nachher! Du gehst aus? Mache es ebenso! Nichts rein Weltliches, nichts rein Irdisches! Tue alles im Namen des Herrn, und alles wird für dich gut ablaufen. Alles, wobei dieser Name angerufen wird, geht glücklich vonstatten. Wenn der Name Gottes Teufel austreibt, wenn er Krankheiten verscheucht, so wird er noch weit eher bewirken können, daß die Geschäfte gut gelingen. — Und was heißt „tun in Wort oder Tat“? Du magst bitten oder was immer tun. Höre, wie Abraham im Namen Gottes seinen Knecht entsendet, David im Namen Gottes den Goliat erlegt hat! Wunderbar und groß ist sein Name. Und Jakob wiederum spricht, da er seine Söhne fortschickt: „Mein Gott verleihe euch Gnade vor dem Angesichte dieses Mannes!“ Denn wer also tut, hat Gott zum Bundesgenossen, während er ohne ihn sich an nichts wagen darf. Da nun Gott dadurch, daß man ihn anruft, geehrt wird, so vergilt er dies dadurch, daß er alle Dinge zu einem guten Ende führt. — Rufe den Sohn an, danke dem Vater! Denn wenn man den Sohn anruft, so ruft man auch den Vater an; und wenn man diesem dankt, so dankt man auch dem Sohne. Lernen wir dies nicht bloß mit Worten, sondern auch durch die Werke erfüllen! Es gibt nichts, was diesem Namen gleichkäme; derselbe ist überall wunderbar. „Dein Name“, sagt die Schrift, „ist ein ausgegossenes Öl.“ Wer ihn ausspricht, wird alsbald mit Wohlgeruch erfüllt. „Niemand“, heißt es, „kann sagen: Herr Jesus! außer im Heiligen Geiste.“ So groß ist die Wirksamkeit dieses Namens. Wenn du gläubigen Sinnes sprichst: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, so hast du alles vollbracht. Sieh, wie Großes du geschaffen hast! Du hast einen (neuen) Menschen gebildet und alles 368 andere, was mit der Taufe zusammenhängt, zustandegebracht. — So gebieten wir den Krankheiten in diesem furchtbaren Namen. — Deswegen hat der Teufel den falschen Engelkult eingeschmuggelt, weil er uns um diese Ehre beneidete. Derartige Zauberformeln stammen von den bösen Geistern her. Ob Engel, ob Erzengel, ob Cherubim — gleichviel; gib dich nicht dazu her! Werden doch gewiß diese himmlischen Mächte (solche Anrufungen) nicht billigen, sondern vielmehr unwillig von sich weisen, wenn sie sehen, daß der Herr entehrt wird. Gott spricht gleichsam zu dir: Ich habe dich geehrt und von dir verlangt: Mich sollst du anrufen! — und du willst ihm die Ehre versagen? — Wenn du diese Zauberformel glaubensvoll anwendest, so wirst du damit Krankheiten und böse Geister austreiben. Und kannst du die Krankheit nicht vertreiben, so nicht deshalb, weil der Name Gottes ohnmächtig wäre, sondern weil es für dich so heilsamer ist. „Deiner Größe“, sagt die Schrift, „entspricht auch dein Lob.“ Durch diesen Namen wurde die Welt umgewandelt, die Tyrannei (der Hölle) gebrochen, der Teufel niedergetreten, der Himmel eröffnet. Durch diesen Namen wurden wir wiedergeboren. Wenn wir ihn haben, so erglänzen wir im himmlischen Lichte. Er macht die Märtyrer, die Bekenner. Ihn wollen wir bewahren als ein großes Geschenk, damit wir zur Ehre Gottes leben, Gott wohlgefällig seien und der Güter gewürdigt werden, welche denen verheißen sind, die ihn lieben; durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater gleichwie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.