Auch in der heiligen Schrift kommen solche Reden vor. Der Prophet Ezechiel z. B. bedient sich, ohne sich zu schämen, vieler solcher Ausdrücke, wenn er Jerusalem Vorwürfe macht; und mit Recht, denn nicht zu seinem Vergnügen thut er das, sondern aus Sorge um das Heil der Juden. Denn nehmen sich die Worte auch unehrbar aus, so ist doch 625 die Absicht nicht unehrbar, und wohl darauf gerichtet, die Unreinigkeit aus dem Herzen zu vertreiben. Hört eine schamlose Seele nicht solche Worte, so wird sie nicht bekehrt. Wenn der Arzt ein faules Geschwür beseitigen will, so bringt er seine Hand mit demselben in Berührung. Würde er seine Hand ferne halten, um Verunreinigung zu verhüten, so würde eben keine Heilung eintreten. Und so kann auch ich die Sünder nicht bekehren, wenn ich nicht unreine Worte in meinen Mund nehme, der für euch das Werkzeug der Bekehrung sein soll. Eine eigentliche Verunreinigung aber erfährt die Hand des Arztes so wenig als mein Mund. Inwiefern? Insoferne es keine von uns erzeugte Unreinigkeit ist, keine aus unserm Munde ausgehende, sowie auch die Verunreinigung des Arztes nicht von ihm herrührt. Und wenn nun der Arzt sich nicht sträubt, seine Hand an einem fremden Körper zu beschmutzen, so darf doch ich wohl kein Bedenken tragen, mich zur Heilung meines Körpers zu verunreinigen; mein Körper aber, das seid ihr, schwach und unvollkommen allerdings, aber doch mein Körper.