Für mich sind die obigen Schriftworte nicht unglaublich, sondern, was durch sie bezeugt wird, findet bei mir so viel Glauben, als wenn ich es mit Augen sehen würde. Aber solche Dinge, wie die angeführten, sind eben sehr geeignet, Ungläubige zum Glauben zu führen. Glaubt Einer nicht an die Hölle, so denke er an Sodoma und Gomorrha, und das an diesen vollzogene Strafgericht bürge ihm dafür, daß auch in Zukunft wieder eines hereinbrechen kann, und zugleich mag es ihm ein Beweis sein für die Dauer der Strafe.
Das sind harte Reden, sagst du. Ist aber nicht hart deine Rede, wenn du behauptest, es gebe keine Hölle, Gott habe nur damit gedroht? Wenn du damit die Gewissen der Christen in Gleichgültigkeit und Schläfrigkeit einwiegst? Ja, ich halte es für meine heilige Pflicht, laut meine Stimme zu erheben gegen derartiges glaubensloses Gerede, das unsägliches Verderben stiften kann. Fänden die Worte Christi Glauben, so würde ich mich nicht in die Nothwendigkeit versetzt fühlen, derartige aus Thatsachen abgeleitete Beweise zu führen. Wollt ihr aber den Worten Christi nicht glauben, so muß ich, gern oder ungern, die Macht der Thatsachen auf euch wirken lassen. Denn was kannst du noch einwenden, nachdem du das Schicksal Sodoma’s kennst? Willst du auch die Ursache seines traurigen Geschickes wissen? Sie lag nur in einer einzigen, zwar schweren 670 und fluchwürdigen, aber doch nur einzigen Sünde. Die Einwohner waren Knabenschänder, und darum ist dieses Strafgericht über sie gekommen. Jetzt aber werden unzählige gleiche, ja noch viel ärgere Frevelthaten begangen. Hat nun Gott über diese wegen eines einzigen Lasters die Schale seines Zornes ausgegossen, und hat er weder die Fürsprache Abrahams, noch diejenige des Loth, welcher in der Stadt wohnte, beachtet, weil dieser, um die in Menschengestalt bei ihm wohnenden Engel vor der tobenden Volksmenge sicher zu stellen, seine eigenen Töchter preisgeben wollte, wie können wir bei unsern zahlreichen Vergehungen hoffen, Gnade zu finden! Solches zu hoffen wäre doch unsinnig, thöricht und verkehrt, ein Gedanke, der nur vom bösen Geiste eingegeben sein könnte.