11. Wir hören nämlich, daß Einige unter euch ein unordentliches Leben führen, Nichts arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben.
So drückt sich der Apostel in diesem Briefe aus, im ersten Briefe sagt er: „Damit ihr wohlanständig wandelt vor Denen, die draußen sind.“ Warum diese Verschiedenheit? Vielleicht waren damals solche Fälle noch nicht vorgekommen, denn auch an einer andern Stelle sagt der Apostel nur ermunternd: „Seliger ist Geben als Nehmen.“ Die Worte: „Damit ihr wohlanständig wandelt,“ beziehen sich hier nicht auf ein unordentliches und zuchtloses Leben, weßhalb der Apostel auch gleich hinzufügt: „Damit ihr keines Menschen Unterstützung bedürfet!“ Hier weist er noch auf eine andere Pflicht hin, nämlich Alles, was gut und edel ist, gegen Jedermann zu üben. Im Ver- 800 lauf der Rede nämlich (V. 13) spricht der Apostel: „Werdet nicht müde, Gutes zu thun!“ Jeder Müssiggänger, der arbeiten könnte, muß ja naturgemäß auf unnütze Dinge kommen. Almosen aber wurden nur Denjenigen gereicht, welche außer Stande waren, sich durch ihrer Hände Arbeit den nöthigen Unterhalt zu erwerben, oder Denen, welche, im Lehramte beschäftigt, ihre ganze Zeit darauf verwendeten, im Hinblick auf die Worte der Schrift: „Du sollst dem dreschenden Ochsen das Maul nicht verkörben,“ und ferner: „Der Arbeiter ist seines Lohnes werth.“ Letztere sind eben nicht müßig, sondern empfangen nur Lohn für Arbeit, und zwar große Arbeit. Beten und Fasten aber ohne weitere Beschäftigung ist keine Händearbeit, und gerade von dieser spricht hier der Apostel immer, und um allen Mißdeutungen vorzubeugen, setzt er noch ausdrücklich hinzu: „Die Nichts arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben.“ 12. Solchen aber entbieten wir und beschwören sie bei unserm Herrn Jesu Christo.
Mit den bisherigen Worten hat der Apostel die Gläubigen etwas hart angelassen. Darum mildert er jetzt den Ton seiner Rede und fährt fort: „Bei unserm Herrn Jesu Christo.“ Durch diese Worte verleiht er seinem Gebote nicht nur entsprechenden Nachdruck, sondern weist auch auf den Ernst desselben hin.