Auch ich erwarte, von einem der Genannten verfolgt und in den Block gespannt zu werden, vielleicht von Kreszens, dem Spektakelmacher und Prahlhans. 148 Denn den Namen Philosoph darf man einem Manne nicht geben, der öffentlich von uns Dinge aussagt, von denen er nichts versteht, nämlich, daß wir Gottesleugner und Majestätsverbrecher sind; das tut er nur, um der irregeführten Menge einen Gefallen zu erweisen und Freude zu machen. Denn wenn er, ohne in die Lehren Christi Einsicht genommen zu haben, gegen uns loszieht, so ist er ein nichtswürdiger Mensch und steht viel tiefer als das gemeine Volk, das doch gewöhnlich sich davon fernhält, über Dinge, die es nicht versteht, zu sprechen und Zeugnis abzulegen; hat er aber Kenntnis von ihnen genommen, ohne das Erhabene in ihnen zu verstehen, oder versteht er es zwar, tut aber so, um nicht in den Verdacht zu kommen, ein Christ zu sein, dann ist er noch viel niederträchtiger und schlimmer, da er dann als Sklave eines unvernünftigen Wahnes und der Furcht dasteht. Denn ihr sollt wissen, daß ich ihm einige diesbezügliche Fragen vorgelegt und dabei die Einsicht gewonnen und ihm auch nachgewiesen habe, daß er in Wahrheit nichts davon versteht. Zum Beweise, daß ich die Wahrheit rede, bin ich bereit, falls euch jene Unterredungen nicht hinterbracht worden sein sollten, ihm die Fragen in eurer Gegenwart noch einmal vorzulegen; das wäre ein Werk, das sich wohl auch für Kaiser geziemte. Wenn euch aber meine Fragen und seine Antworten bekannt geworden sind, dann wißt ihr, daß er von unseren Dingen nichts versteht oder, wenn er sie versteht, der Zuhörer wegen nicht zu sprechen wagt wie Sokrates, daß er sich, wie ich schon sagte, nicht als einen Freund der Weisheit, sondern des Scheines erweist, der nicht einmal den herrlichen Spruch des Sokrates achtet: „Keinenfalls darf man den Menschen höher schätzen als die Wahrheit“. Aber ein Kyniker, der sich die Gleichgültigkeit zum Ziele 149 gesetzt hat, kann das Gute nirgends finden als in der Gleichgültigkeit.