Und darum hat er nach den Worten: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat“, sofort, damit man nicht meine, er habe den Vater gleichsam als den Vater vieler durch die Gnade wiedergeborener Söhne verstanden wissen wollen, nicht des einzigen ihm gleichen Wortes, beigefügt: „Und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat“. Sagt er etwa: Wer mich sieht, sieht nicht mich, sondern den, der mich gesandt hat, wie er gesagt hatte: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat“? Jenes nämlich sagte er, damit er nicht nach seiner äußeren Erscheinung bloß als Menschensohn geglaubt würde; dieses aber sagte er, damit er als dem Vater gleich geglaubt würde. Wer an mich glaubt, sagt er, glaubt nicht an das, als was er mich sieht, sondern an den, der mich gesandt hat. Oder: wenn er an den Vater glaubt, der mich als einen ihm Gleichen gezeugt hat, der glaube nicht an mich so, wie er mich sieht, sondern so, wie er an denjenigen glaubt, der mich gesandt hat; denn so wenig besteht ein Unterschied zwischen ihm und mir, daß, wer mich sieht, auch den sieht, der mich gesandt hat. Seine Apostel hat gewiß Christus der Herr selbst gesandt, was auch ihr Name andeutet; denn wie die Engel im Griechischen auf lateinisch nuntii (Boten) heißen, so werden die Apostel im Griechischen auf lateinisch missi (Gesandte) genannt. Niemals aber würde ein Apostel zu sagen sich 782 getrauen: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat“; er würde ja überhaupt nicht sagen: „Wer an mich glaubt“. Wir glauben nämlich dem Apostel, aber wir glauben nicht an den Apostel; denn nicht der Apostel rechtfertigt den Gottlosen. Demjenigen aber, der an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube angerechnet zur Gerechtigkeit. Der Apostel könnte sagen: Wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat, oder: Wer mich hört, hört den, der mich gesandt hat; denn dies hat der Herr selbst zu ihnen gesagt: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat“; denn der Herr wird im Diener geehrt und der Vater im Sohne, aber der Vater gleichsam im Sohne, der Herr gleichsam im Diener. Der eingeborene Sohn Gottes aber konnte mit Recht sagen: „Glaubet an Gott, glaubet auch an mich“, und was er jetzt sagt: „Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat“. Er hat nicht den Glauben des Gläubigen von sich ausgeschlossen, aber er wollte nicht, daß der Glaubende an die Gestalt des Knechtes sich hänge; denn wenn einer an den Vater glaubt, der ihn gesandt hat, dann glaubt er fürwahr an den Sohn, ohne welchen der Vater, wie er wohl erkennt, nicht ist; und er glaubt so, daß er ihn für gleich hält, da ja folgt: „Und wer mich sieht, sieht auch den, der mich gesandt hat“.