Die Worte des heiligen Evangeliums, Brüder, werden dann recht verstanden, wenn sie mit den früheren im Einklang stehen; denn es muß das Vorausgehende mit dem Nachfolgenden übereinstimmen, wenn die Wahrheit redet. Vorher hatte der Herr gesagt: „Und wenn ich hingegangen sein und euch eine Wohnung bereitet haben werde, komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seid“; sodann hatte er noch beigefügt: „Und wohin ich gehe, wißt ihr, und den Weg wißt ihr“; er zeigte damit, seine Worte hätten keinen anderen Sinn, als daß sie* ihn* kannten. Was es nun heiße, zu sich durch sich gehen, was er übrigens auch den Jüngern verleiht, so daß sie zu ihm durch ihn gehen, dies haben wir nach besten Kräften bereits in der vorhergehenden Rede erklärt. Wenn er nun sagt: „Damit, wo ich bin, auch ihr seid“, wo sollten sie dereinst sein, als in ihm? Und darum ist auch er in sich und deshalb jene da, wo auch er ist, d. h. in ihm. Er also ist das ewige Leben, worin wir einst sein sollen, wenn er uns zu sich nehmen wird; und das ewige Leben, was er selbst ist, ist in ihm, damit, wo er ist, auch wir seien, nämlich in ihm. „Denn wie der Vater das Leben in sich selbst hat“ ― und gewiß ist das Leben, das er hat, nichts anderes, als was* der* ist, der es hat ― „so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbst zu haben“, da dieser dasselbe Leben* ist, das er in sich hat. Werden aber etwa auch wir das Leben, das 862 er ist, sein, wenn wir in jenem Leben, d. h. in ihm, zu sein anfangen? Gewiß nicht, weil er dadurch, daß er das Leben ist, das Leben hat und selbst das ist, was er hat, und weil er, was das Leben in ihm ist, selbst in sich ist, wir aber nicht das Leben selbst, sondern nur Teilhaber des Lebens sind und so dort sein werden, daß wir, was er ist, nicht in uns sein können, sondern daß wir, die wir nicht selbst das Leben sind, ihn* zum Leben haben, der da sich selbst zum Leben hat, da er selbst das Leben ist. Kurz, er ist selbst in sich auf unveränderliche Weise, und er ist im Vater auf unzertrennliche Weise; wir aber sind, da wir in uns selbst hatten sein wollen, in uns selbst betrübt worden, woher jenes Wort: „In mir selbst ist meine Seele betrübt“; und ins Schlechtere verwandelt, konnten wir auch das, was wir waren, nicht bleiben. Indem wir aber durch ihn zum Vater kommen gemäß seinem Worte: „Niemand kommt zum Vater, außer durch mich“, wird uns, sofern wir in ihm bleiben, niemand weder vom Vater noch von ihm trennen können.