Das Folgende also mit dem Vorausgehenden verknüpfend, sagt er: “Wenn ihr mich erkannt habt, habt ihr gewiß auch den Vater erkannt“. Das ist es, was er mit den Worten sagt: „Niemand kommt zum Vater, außer durch mich“. Dann fügt er bei: „Und ihr werdet ihn von nun an erkennen, und ihr habt ihn gesehen“. Aber Philippus, einer aus den Aposteln, der das Gehörte nicht verstand, sagt: „Herr, zeige uns den Vater, und wir haben genug“, worauf der Herr erwiderte: „Solange bin ich bei euch, und ihr habt mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich sieht, sieht auch den Vater“. Siehe, er spricht einen Tadel aus, daß er solange bei ihnen war und nicht erkannt wurde. Hatte er nicht selbst gesagt: „Und wohin ich gehe, wißt ihr, und den Weg wißt ihr“, und da sie sagten, daß sie es nicht wüßten, sie überführt, daß sie es wüßten, indem er hinzufügte und sprach: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“? Wie sagt er jetzt: „Solange bin ich bei 863 euch, und ihr habt mich nicht erkannt“, da sie doch fürwahr sowohl das Ziel, wohin er ging, wie den Weg wußten, und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil sie* ihn* kannten? Allein diese Frage ist leicht zu lösen, wenn wir sagen, daß ihn einige kannten, einige nicht kannten, und unter diesen, die ihn nicht kannten, war auch Philippus, so daß also das Wort: „Und wohin ich gehe, wißt ihr, und den Weg wißt ihr“, als an jene gerichtet zu denken ist, die ihn kannten, nicht an Philippus, zu dem gesagt wurde: „Solange bin ich bei euch, und ihr habt mich nicht erkannt, Philippus?“ An diejenigen also, welche den Sohn schon kannten, ist auch jene den Vater betreffende Äußerung gerichtet worden: „Und von nun an werdet ihr ihn erkennen, und ihr habt ihn gesehen“. Denn das ist gesagt worden wegen der allseitigen Ähnlichkeit, welche zwischen ihm und dem Vater besteht, so daß von ihnen deshalb gesagt wurde, sie kännten den Vater, weil sie den ihm gleichen Sohn kannten. Also sie kannten bereits den Sohn, obwohl nicht alle, so jedenfalls einige von ihnen, zu welchen gesagt wird: „Und wohin ich gehe, wißt ihr, und den Weg wißt ihr“; denn* er* ist der Weg. Aber den Vater kannten sie nicht, darum hören sie: „Wenn ihr mich erkannt habt, habt ihr auch meinen Vater erkannt“, durch mich nämlich auch ihn. Denn ein anderer bin ich, ein anderer jener. Aber damit sie ihn nicht für ungleich hielten, sagt er: „Und von nun an werdet ihr ihn erkennen, und ihr habt ihn gesehen“. Sie sahen nämlich seinen ihm ganz gleichen Sohn, aber sie mußten darauf hingewiesen werden, so sei auch der Vater, den sie noch nicht sahen, wie der Sohn, den sie sahen. Und darauf bezieht sich, was nachher zu Philippus gesagt wird: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater“. Nicht als ob der Vater und der Sohn derselbe wäre, was der katholische Glaube an den Sabellianern, die auch Patripassianer heißen, verurteilt, sondern weil Vater und Sohn einander so ähnlich sind, daß, wer den einen kennt, beide kennt. Wir pflegen nämlich von zwei einander ganz Gleichsehenden mit denjenigen, welche einen von ihnen erblicken und wissen wollen, wie der andere ausschaut, so zu reden, daß wir sagen: Ihr habt diesen 864 gesehen, damit habt ihr auch jenen gesehen. So also heißt es: „Wer mich sieht, sieht auch den Vater“, natürlich nicht, als ob der Vater derselbe sei wie der Sohn, sondern weil der Sohn in bezug auf die Ähnlichkeit mit dem Vater durchaus in keinem Stück abweicht. Denn wenn der Vater und der Sohn nicht zwei wären, würde es nicht heißen: „Wenn ihr mich erkannt habt, habt ihr auch den Vater erkannt“. Denn gewiß, weil „niemand“, wie er sagt, „zum Vater kommt, außer durch mich, so habt ihr, wenn ihr mich erkannt habt, auch meinen Vater erkannt“, weil ich durch denjenigen, durch den man zum Vater kommt, euch zu ihm führen werde, damit ihr auch ihn erkennt. Allein weil ich ihm ganz ähnlich bin, so „werdet ihr ihn von nun an erkennen“, indem ihr mich erkennt, „und ihr habt ihn gesehen“, wenn ihr* mich* mit den Augen des Herzens gesehen habt.