[Forts. v. 905 ] Diese evangelische Stelle, Brüder, wo der Herr sich den Weinstock und seine Jünger die Reben nennt, sagt dies insofern, als er das Haupt der Kirche ist und wir seine Glieder, „der Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“. Von* einer* Natur sind nämlich der Weinstock und die Reben; darum ist er, da er Gott war, dessen Natur wir nicht teilen, Mensch geworden, damit in ihm die menschliche Natur als der Weinstock wäre, von dem auch wir Menschen Reben sein könnten. Was heißt also: „Ich bin der wahre Weinstock“? Hat er etwa diesen Zusatz „der wahre“ auf jenen Weinstock bezogen, von dem das Gleichnis hergenommen ist? So nämlich heißt er Weinstock, im bildlichen, nicht im eigentlichen Sinne, wie er auch Schaf, Lamm, Löwe, Fels, Eckstein und dergleichen heißt, wobei vielmehr wahr* die* Dinge sind, von welchen diese nicht im eigentlichen, sondern im übertragenen Sinne gebrauchten Ausdrücke entlehnt sind. Allein wenn er sagt: „Ich bin der wahre Weinstock“, so unterscheidet er sich bestimmt von dem, zu welchem gesagt wurde: „Wie hast du dich in Herbheit verwandelt, du entarteter Weinstock?“ Denn wie soll das ein wahrer Weinstock sein, von dem er erwartete, daß er Trauben brächte, er brachte aber Dornen?