„Ich bin“, sagt er, „der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. Jede Rebe an mir, die 906 keine Frucht bringt, wird er wegnehmen, und jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, damit sie mehr Frucht bringe“. Sind etwa der Weingärtner und der Weinstock eins? Insofern also ist Christus der Weinstock, als er sagt: „Der Vater ist größer als ich“; sofern er aber sagt: „Ich und der Vater sind eins“, ist er auch der Weingärtner. Und zwar kein solcher, wie diejenigen, welche äußerlich durch ihre Tätigkeit Dienste leisten, sondern ein solcher, der auch innerlich das Wachstum gibt. „Denn weder, der pflanzt, ist etwas, noch der begießt, sondern der das Wachstum gibt, Gott“. Aber Christus ist eben Gott, denn Gott war das Wort, daher sind er und der Vater eins; und wenn das Wort Fleisch geworden ist, was es nicht war, so bleibt es doch, was es war. Nachdem er sodann vom Vater als dem Weingärtner gesagt hatte, daß er die unfruchtbaren Reben wegnehme, die fruchtbaren aber reinige, daß sie mehr Frucht bringen, bezeichnete er auch sich selbst sofort als Reiniger der Reben und sprach: „Ihr seid bereits rein wegen des Wortes, das ich zu euch gesprochen habe“. Siehe, auch er ist Reiniger der Reben, was Sache des Weingärtners ist, nicht des Weinstockes, der auch die Reben zu seinen Arbeitern machte. Denn wenn sie auch nicht das Wachstum geben, so leisten sie doch einige Hilfe, aber nicht von dem Ihrigen: „Denn ohne mich“, sagt er, „könnt ihr nichts tun“. Höret, wie sie das selbst auch bekennen! „Was ist Apollo? Was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und wie einem jeden der Herr es verlieh. Ich habe gepflanzt, Paulus hat begossen“. Auch dies also, „wie es der Herr einem jeden verlieh“; demnach nicht von dem Seinigen. Nun aber das Folgende: „Aber Gott hat das Wachstum gegeben“, tut er nicht durch sie, sondern in eigener Person; das übersteigt die menschliche Armseligkeit, das übersteigt die Stärke der Engel und ist einzig und 907 allein nur dem Weingärtner, der Trinität, eigen. „Ihr seid bereits rein“, rein nämlich und dennoch zu reinigen. Denn wenn sie nicht rein wären, hätten sie keine Frucht bringen können, und doch reinigt der Weingärtner jeden, der Frucht bringt, daß er mehr Frucht bringe. Er bringt Frucht, weil er rein ist; und damit er mehr bringe, wird er noch gereinigt. Denn wer ist in diesem Leben so rein, daß er nicht immer noch mehr der Reinigung bedürfte? „Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns; wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er getreu und gerecht, so daß er uns die Sünden erläßt und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt“; er möge die Reinen immerhin reinigen, d. i. die Fruchtbaren, damit sie um so fruchtbarer seien, je reiner sie sind.