Einem wohlmeinenden Richter genügt ja freilich schon der Sachverhalt zur Feststellung der Wahrheit. Wenn wir also auch schweigen, Ihr braucht nur auf das zu achten, was geschieht. Denn diejenigen, die uns der Irrlehre bezichtigen, haben sich jetzt ganz offen der Partei der Ketzer angeschlossen. Sie, die uns wegen fremder Schriften verurteilen, setzen sich jetzt in offenen Widerspruch zu ihren eigenen Bekenntnissen, die sie uns schriftlich übergeben haben. Achtet doch auf die Manier solcher Frevler: Es ist ihre Art, sich immer an die mächtige Partei anzuschließen und die schwachen Freunde mit Füßen zu treten, den Mächtigen aber den Hof zu machen. Denn die, welche die vielbesprochenen Briefe gegen Eudoxius und seinen ganzen Anhang geschrieben und sie an alle Brudergemeinden versandt und diese beschworen haben, die Gemeinschaft mit diesen wie eine 273 Seelenpest zu fliehen, und die deshalb die ihre Absetzung betreffenden Dekrete nicht anerkannt haben, weil diese, wie sie uns damals glauben machten, von Ketzern ausgegangen waren, — eben diese haben jetzt alles vergessen und stehen mit ihnen in Verbindung. Und es bleibt ihnen kein Leugnen übrig: Denn sie haben ihre Gesinnung deutlich verraten, als sie zu Ankyra von Haus zu Haus sich um deren Gemeinschaft bewarben, weil sie von jenen noch nicht allgemein aufgenommen waren. Fragt sie doch: Wenn jetzt Basilides, der mit Ekdikius Gemeinschaft hat, orthodox ist, warum haben sie bei ihrer Rückkehr aus Dardanien dessen Altäre im Lande der Gangrener umgestürzt und ihre eigenen Tische aufgestellt? Warum verfolgen sie bis zur Stunde die Kirchen von Anasea und Zela und stellen dort eigenmächtig Priester und Diakonen auf? Wenn sie doch mit ihnen als Rechtgläubigen Gemeinschaft haben, warum verfolgen sie dann diese Leute als Ketzer? Halten sie dieselben aber für Ketzer, warum meiden sie dann nicht die Gemeinschaft mit ihnen? Leuchtet das, ehrwürdigste Brüder, nicht selbst dem Verstande eines Kindes ein, daß sie, immer ihren eigenen Vorteil im Auge, die einen zu verleumden, die andern zu empfehlen suchen? Sie sind daher auch von uns abgefallen, nicht weil sie darüber aufgebracht waren, daß wir ihnen auf ihr Schreiben keine Antwort gegeben — das soll sie nach ihrer Angabe am meisten gekränkt haben —, und daß wir die Landbischöfe, die sie an uns abgesandt haben wollen, nicht aufgenommen hätten. Doch die solches zusammenfabrizieren, werden dem Herrn Rechenschaft schulden. Es soll nämlich ein gewisser Eustathius abgesandt worden sein, der nach Übergabe eines Schreibens an die Kohorte des Statthalters drei Tage sich in der Stadt aufhielt und 274 unmittelbar vor seiner Heimreise spät abends, als ich schon schlief, auf meine Wohnung zugegangen sein soll. Als er aber hörte, ich schliefe, ging er von dannen, ohne uns am Tage darauf zu besuchen, und kehrte in seine Heimat zurück, nachdem er nur zum Schein seinen Auftrag für mich erledigt hatte. Das ist unser Verbrechen, und die Langmütigen wogen es nicht ab gegen unsere Dienste aus früheren Tagen, die wir ihnen in Liebe erwiesen, sondern gingen wegen dieses Versehens in ihrer Wut gegen uns so weit, daß sie uns, soweit es auf sie ankam, aus allen Kirchen der Welt verbannten.