Doch nein! Das ist in Wahrheit nicht der Grund für die Spaltung. Vielmehr glaubten sie, dem Euzoius erst dann zu gefallen, wenn sie sich von uns lossagten. So kamen sie auf jene Vorwände, um mit dem Kampfe gegen uns bei diesen eine Empfehlung zu haben. Diese schmähen auch jetzt über das nizänische Glaubensbekenntnis und nennen uns Homousiasten, weil wir in jenem Symbol den eingeborenen Sohn mit Gott dem Vater wesensgleich bekennen, nicht als ob die eine Wesenheit in zwei verschwisterte geteilt wäre — das sei ferne! So etwas kam der hl. und gottgeliebten Synode nicht in den Sinn —, sondern, weil auch der Sohn als das gedacht werden muß, was der Vater der Wesenheit nach ist. Eben diese Auslegung gaben uns jene mit dem Ausdrucke: „Licht vom Lichte ”. Das nizänische Glaubensbekenntnis ist aber dasjenige, das von ihnen aus dem Westen gebracht wurde, und das sie der Synode von Tyana übergaben, von der sie auch aufgenommen wurden. Doch haben sie für ihre derartigen Wandlungen einen schlauen Kunstgriff: Sie gebrauchen nämlich die Worte des Glaubensbekenntnisses, wie es die Umstände erfordern — nach Art der Ärzte, welche die Arzneien bald so, bald anders, je den vorliegenden Krankheiten entsprechend zurechtrichten. Das Abscheuliche an dieser Sophisterei brauche ich aber Euch doch nicht erst aufzuzeigen; Ihr müßt es auch so einsehen. Der Herr wird Euch ja Einsicht geben, zu erkennen, welches die rechte 275 Lehre ist und welches die verkehrte und verdrehte. Wenn man nämlich bald dieses, bald jenes Glaubenssymbol niederschreiben und mit der Zeit verändern muß, dann ist falsch der Ausspruch dessen, der da sagte: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.” Sind aber diese Worte wahr, dann soll Euch niemand täuschen mit leeren Redensarten. Sie verleumden uns nämlich, daß wir über den Hl. Geist eine neue Lehre vortragen. Fragt also, welches die Neuerung sei! Denn wir bekennen, was wir überkommen haben, daß der Tröster mit dem Vater und dem Sohne auf einer Linie steht und nicht zur Kreatur zählt. Wir glauben an den Vater, Sohn und Hl. Geist und werden getauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Wir trennen darum niemals den Tröster von der Verbindung mit dem Vater und dem Sohne. Denn unser vom Hl. Geiste erleuchtete Verstand schaut zum Sohne auf und betrachtet in ihm wie in einem Bilde den Vater. Wir ersinnen also keine Namen aus uns selbst, sondern nennen ihn Hl. Geist und Tröster und wollen ihm nicht die gebührende Ehre absprechen. Das ist in voller Wahrheit unsere Lehre. Wer uns deshalb anklagt, der möge uns anklagen; wer uns deshalb verfolgt, der möge uns verfolgen! Wer den Verleumdungen wider uns Glauben schenkt, der mache sich auf das Gericht gefaßt. „Der Herr ist nahe”; wir sind unbesorgt.