Wenn nun einige eitle Fabeleien zusammenspinnen und das Wort der Schrift zur Fabel machen, indem sie sagen, er habe nur Fleisch angenommen, eine Seele aber nicht, so mögen sie auf Grund des Wortes: “Wir 123haben den Geist Christi”, gerade auf Grund dieses Wortes erwägen, daß diejenigen, welche sagten: “Wir haben den Geist Christi”, doch ihren eigenen Geist hatten und diesen nicht wohl “ausgeschwitzt” hatten. Wie nun diese ihren eigenen Geist und den Geist Christi hatten und so mit beiden erfüllt waren, so daß Christi Geist sie besser machen konnte, ihr eigener aber von der richtigen Einsicht sich leiten ließ, gerade in derselben Weise hat man sich in bezug auf Christus die Sache zu denken, daß er nämlich, der wahrlich Gott und Geist war, den Nus des Menschen zugleich mit Leib und Seele angenommen habe. Keineswegs hat er also als Mensch den menschlichen Geist zurückgewiesen, aber er lenkte ihn und leitete ihn und machte ihn besser. Gerade so wie er das Fleisch angenommen hat, ohne jedoch der Herrschaft des Fleisches zu verfallen, so wurde er auch von dem menschlichen Geiste, den er angenommen, nicht regiert. Im Gegenteil verwickeln sich diejenigen, welche dieses meinen, noch in große Schwierigkeiten und Widersprüche. Denn blättere in der Schrift vor und zurück; sie spricht laut genug schwere Anklagen nicht gegen den Geist, sondern gegen das Fleisch. “Des Fleisches Früchte”, sagt der Apostel, “sind Buhlschaft, Unlauterkeit, Üppigkeit und dergleichen”, und: “Die im Fleische leben, können Gott nicht gefallen”, oder: “Das Fleisch begehrt wider den Geist”. Über den Geist hingegen heißt es: “Lobsingen will ich im Geiste, 124lobsingen im Sinne”, und; “Mein Geist ist fruchtbar oder unfruchtbar”. In diesen Stellen soll unter Geist verstanden werden, was die Schrift sonst “Herz” zu nennen pflegt, welches gleichsam der Herr des ganzen Menschen und der Lenker desselben ist, welches Gutes und Böses unterscheidet und das Gute, was wir getan, billigt. Denn "der Geist prüft die Reden, wie des Essers Gaumen den Geschmack. Der Nus ist nämlich allerdings das Unterscheidende im Menschen, aber noch nicht das Entscheidende, solange er nicht sich nach einer bestimmten Richtung leiten läßt.