Wer nun auf das Verhältnismäßige sieht und die Handlungen, Leistungen unter Berücksichtigung der beiderseitigen Macht beurteilt, wird in den Handlungen keinen wesentlichen Unterschied finden, da jeder von beiden tut, was in seiner Macht steht. Denn wie es in der Gewalt des Menschen steht, wenn er will, das Wasser ohne Gefahr zu berühren, so ist es für Gottes Macht unendlich leichter, sich dem Tode zu nahen, ohne irgendwie Schaden zu nehmen. Deshalb müssen wir durch das Wasserbad die Gnade der Auferstehung uns erwerben, damit wir uns bewußt werden, Taufe und Auferstehung sei uns in gleicher Weise leicht zugänglich gemacht. Aber wie im menschlichen Leben eines dem anderen vorausgehen muß und ohne das eine das andere nicht eintreten kann, obschon gar oft bei einem Vergleich zwischen Anfang und Ende der Anfang im Verhältnis zum Endziel fast als nichts erscheint, (welche Ähnlichkeit besteht zwischen dem Menschen und dem zur Erzeugung des Lebewesens dienenden Samen? Und doch könnte ohne das Erste das Zweite nicht entstehen) ― so hat die wunderbare Auferstehung, obgleich sie ihrer Natur nach größer ist als die Taufe, ihre Anfänge und 73 Ursachen in dieser; denn sie kann nicht erfolgen, wenn nicht die Taufe vorausgeht.
Unmöglich also kann der Mensch ohne die im Wasserbad vor sich gehende Wiedergeburt zur Auferstehung gelangen, ich meine dies nicht im Hinblick auf die Umbildung und den Wiederaufbau unserer Bestandteile (denn hiezu muß unsere Natur infolge der inneren Notwendigkeit, die ihr Schöpfer in sie legte, auf jeden Fall gelangen, mag sie zur Gnade der Taufe kommen oder dieser Einweihung unteilhaftig bleiben), sondern im Hinblick auf die Wiederherstellung zu jenem Leben, das da voll Seligkeit, göttlicher Art und frei von jeder Trübsal ist. Denn keineswegs gelangen alle, welche durch die Auferstehung die Rückkehr in das Sein erhalten, zu dem nämlichen Leben, sondern es wird ein großer Unterschied sein zwischen denen, welche schon die Reinigung empfingen, und jenen, die derselben noch bedürfen. Die bereits hier durch die Taufe gereinigten Seelen bekommen Zutritt zu den ihnen nun verwandten guten Geistern; mit der Reinheit ist aber auch Schmerzlosigkeit verbunden; in der Schmerzlosigkeit liegt aber nach allgemeinem Zugeständnis die Seligkeit. Diejenigen Menschen hingegen, deren Leidenschaften sich verhärteten und die kein Mittel zur Reinigung der Befleckung anwandten: weder das geheimnisvolle Wasser, noch die Anrufung der göttlichen Macht, noch reumütige Besserung, müssen ebenfalls in jenen Zustand gelangen, der ihrem Wesen entspricht ― dem ungeläuterten Golde aber entspricht nur der Schmelzofen ―, damit das ihnen beigemengte Böse ausgeschieden werde und sie so später nach langen Zeitläuften für Gott noch Rettung finden. Da also eine reinigende Kraft im Wasser wie auch im Feuer liegt, so bedürfen diejenigen, welche durch das geheimnisvolle Wasser den Schmutz der Unreinheit abgewaschen haben, des zweiten Reinigungsmittels nicht mehr; jene dagegen, welche der Weihe durch das Wasser der Reinigung nicht teilhaftig wurden, müssen durch Feuer geläutert werden.Kapitel 36. Die Taufe ist ein großes Gnadengeschenk.