§ 1
Als daher unter diesem Clemens eine nicht unbedeutende Spaltung zwischen den Brüdern zu Corinth entstanden war, schrieb die Kirche zu Rom einen sehr kräftigen Brief an die Corinthier, indem sie Diese zum Frieden vereinigte und ihren Glauben erneuerte und ihnen die jüngst von den Aposteln erhaltene Überlieferung verkündete, welche da prediget einen Gott, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde, den Bildner des Menschen; welcher (Gott) die Sündfluth geschickt und den Abraham berufen hat, welcher (sein) Volk aus dem Lande Ägypten herausgeführt, welcher mit Moses geredet, welcher das Gesetz gegeben und die Propheten gesendet, welcher das ewige Feuer dem Teufel und seinen Engeln bereitet hat. 177
Zum Heile genügt die Liebe des Menschen zu Gott. Denn es ist ein Beweis eines dankbaren Gemüthes, Liebe zu bewahren gegen den, welcher der Urheber unseres Daseins ist, durch welche (Liebe) wir auch für ein anderes, nie alterndes Leben erhalten werden.
Desselben. Gott versuchte den Abraham, nicht weil er nicht wußte, wer er sei, sondern damit er ihn der Nachwelt zeige und einen solchen (Mann) nicht verberge und zur Nachahmung seines Glaubens und seiner Standhaftigkeit ermuntere und überrede, auch die Liebe zu den Kindern gegen die Erfüllung eines göttlichen Gebotes hintanzusetzen; weßhalb er es so anordnete, daß dessen Geschichte niedergeschrieben werde.
Es verwirre euer Herz nicht, daß wir die Ungerechten im Uberfluß und die Diener Gottes in Noth sehen. Denn keiner der Gerechten erhielt die Frucht (seiner Werke) schnell, sondern er erwartet sie. Denn wenn Gott den Lohn der Gerechten sogleich austheilen würde, so würden wir Handel treiben und nicht Frömmigkeit, nicht nach Frömmigkeit, sondern nach Gewinn verlangend. 178
Wer die gegenwärtigen Dinge wahrnimmt, begreift, daß auch das, was Einige für angenehm halten, nicht verschieden und ferne von dem sei, was gehaßt wird. Vielmehr hat gar oft Reichthum mehr geschadet als Armuth und Gesundheit mehr Leid verursacht als Krankheit. Und überhaupt wird Ursache und Gegenstand aller traurigen und (eifrig) geflohenen (Erlebnisse) die Suchtnach angenehmen und erwünschten Dingen.
Es ist nicht gerecht, daß, wenn der Geber verlassen wird, die Gaben den Undankbaren verbleiben.
Es ist ein Unterschied zwischen Wahrheit und Gewohnt heit; denn die Wahrheit wird zwar, aufrichtig gesucht, gefunden; die Gewohnheit aber, welche immer angenommen wird, sei sie eine wahre oder falsche, befestiget sich ohne Unterschied durch sich selbst. Denn woran Jemand von Jugend an sich gewöhnt, dem bleibt er gerne ergeben. Denn was Einer in Folge der mit dem Alter kommenden Einsicht haßt, das wird er wegen der langjährigen Angewöhnung 179 des Bösen zu thun gezwungen, weil er als furchtbaren Gefährten die Sünde übernommen hat.
§ 7
(7.) Aber auch schon früher sagte Clemens: Es lebt Gott und der Herr Jesus Christus und der heilige Geist.
Selig Jener, welcher geschlossene Augen aufgethan und den durch schweren Athem vertriebenen Geist durch das Erwachen wieder erhalten hat.Das war (so viel als) am Boden liegen, nicht auf den Füßen stehen, die Wahrheit nicht haben. Die Auferstehung aber ist die Erkenntniß des Vaters und die Erscheinung des Sohnes, durch welche er die Erkenntniß offenbarte. Selig der Mann, welcher erkennt die Gabe des Vaters durch den Ausgang des allheiligen Geistes.Selig, wer es erkennt und erfaßt, daß der 180 heilige Geist ein Geschenk von ihm (dem Vater) ist und er hat dasselbe in der Gestalt einer Taube gegeben; denn dieses Thier besitzt Unschuld und ist ohne Galle. Der sündenlose Vater schenkte den Geist sündenlos, frei von Zorn und Bitterkeit, vollkommen, unbefleckt, welchen er aus seinem Schooße aussandte, damit er die Welten ordne und die Erkenntniß des Unsichtbaren verleihe. Das also ist der heilige und wahrhafte Geist, welcher von ihm ausgegangen und seine Kraft und sein Wille ist, welcher erschienen ist zur Vollendung seiner Herrlichkeit. Die ihn empfangen, werden mit dem Zeichen der Wahrheit und vollkommener Gnade bezeichnet.
Damit wir auch das Dasein haben durch seinen Willen, die wir nicht waren, bevor wir erschaffen wurden; und damit wir, erschaffen, die wegen uns erschaffenen Güter genießen. Deßhalb sind wir Menschen und besitzen Verstand und Vernunft, welche wir von ihm erhalten haben. 181
§ 10
Und der große Apostel Clemens (erhielt) von dem heiligen und ersten Oberhaupte Petrus (den Auftrag): „Du aber wirst, sagte (Petrus), binden, was gebunden, und lösen, was gelöst werden muß. Du wirst den Strauchelnden nicht binden sondern den, welchen du nach unseren Gesetzen (binden mußt), Jenen nemlich, welcher die Gesetze übertritt und sie nicht liebt.
§ 11
Bei Clemens, dem Schüler und Zuhörer Petri, liest man: Die Monogamie ist zwar der Natur und dem Gesetze gemäß; die Bigamie aber ist nach dem Versprechenungesetzmäßig, nicht wegen der Verbindung, sondern wegen der Lüge; dieTrigamie ist ein Zeichen von Unmäßigkeit. Die über die dreifache Ehe aber eingegangene ist offenbare Unzucht und entschiedene Unenthaltsamkeit.
§ 12
Es geziemt sich, daß die Ehren(plätze) der Priester 182 und der anderen den Kirchen dienenden Geistlichen von dem Platze der Laien getrennt erscheinen. Deßhalb sei es keinem Laien gestattet, an jenem Orte, wo die Priester und übrigen Geistlichen stehen, welcher Presbyterium heißt, während der Meßfeier zu verweilen, damit Jene frei und ehrerbietig ihr heiliges Amt verwalten können. 183