Denn sieh, wir sprechen uns nach den göttlichen Schriften über den frommen Glauben offen aus und stellen ihn wie eine Leuchte auf den Leuchter, indem wir sagen: Von Natur wahrer und echter Sohn des Vaters 29 , eigen seiner Wesenheit, eingeborene Weisheit, wahres und einziges Wort Gottes ist dieser. Nicht ist er im Geschöpf, noch im Gebilde, sondern eigene Zeugung der Wesenheit des Vaters. Deshalb ist er wahrer Gott und wesenseins mit dem wahren Vater. Alle andern aber, zu denen er sagte: „Ich sprach, ihr seid Götter“, haben nur durch Teilnahme am Wort durch den Geist diese Gnade vom Vater. Denn er ist das Abbild der Person des Vaters, Licht vom Licht, und Kraft und wahrhaftes Bild der Wesenheit des Vaters. Dies sagt ja wieder der Herr: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“. Immer aber war und ist er, und niemals war er nicht. Denn da der Vater ewig ist, so ist wohl auch ewig dessen Wort und Weisheit. Was aber bringen uns jene aus der verrufenen Thalia vor? Sie mögen sie doch erst lesen und die Manier ihres Verfassers nachahmen, damit sie vielleicht auch von andern verspottet einsehen, in welchem Abgrund sie liegen, und dann mögen sie künftig so reden. Was aber könnten sie aus ihr vorbringen als das: Nicht immer war Gott Vater, vielmehr ist er es erst später geworden. Nicht immer existierte der Sohn; denn er war nicht, bevor er gezeugt wurde. Er ist nicht aus dem Vater, sondern auch er entstand aus dem Nichtseienden. Er ist der Wesenheit des Vaters nicht eigen; denn ein Geschöpf ist er und ein Gebilde. Und Christus ist nicht wahrer 30 Gott, sondern durch Teilnahme wurde auch er zu Gott gemacht. Nicht kennt der Sohn genau den Vater, noch sieht das Wort den Vater vollkommen, noch auch begreift und erkennt das Wort den Vater genau. Nicht ist er das wahre und einzige Wort des Vaters selbst, sondern nur dem Namen nach wird er Wort und Weisheit und der Gnade nach Sohn und Kraft genannt. Er ist nicht unveränderlich wie der Vater, sondern veränderlich von Natur wie die Geschöpfe, und es fehlt ihm das Vermögen, den Vater vollkommen zu begreifen und zu erkennen. Sonderbar jedenfalls ist die Häresie, wenn sie auch nichts Glaubwürdiges enthält, sondern immer nur vom Nichtsein am Seienden faselt und statt Lobpreisungen in einem fort Lästerungen vorbringt. Wenn man nun einen, der die Ansichten beider Teile prüfte, fragen würde, wessen Glauben er vorziehe und wessen Worte er Gottes würdig finde — doch nein, vielmehr sollen die Schmeichler der Gottlosigkeit selbst es sagen, welche Antwort sich zieme auf eine Fragestellung über Gott, — „denn Gott war das Wort“. Denn daraus wird man überhaupt erkennen, welche von den beiden vorgelegten Ansichten zu vertreten sich schicke, das „er war“ oder das „er war nicht“, das „immer“ oder das „bevor er wurde“, das „ewig“ oder das „von dem an“ und „von wann an“, daß er wahrhafter oder durch Annahme und Teilnahme und in Gedanken sei, ihn eines von den gewordenen Wesen zu nennen oder ihn mit dem Vater zu verbinden, daß er dem Wesen nach dem Vater unähnlich oder dem Vater ähnlich und 31 eigen sei, daß er ein Geschöpf sei, oder daß durch ihn die Geschöpfe geworden seien, daß er das Wort des Vaters oder ein anderer sei als dieses, und er durch jenes und eine andere Weisheit geschaffen worden sei und bloß dem Namen nach Weisheit und Wort heiße und teilnehme an jener Weisheit und später entstanden sei.