Diejenigen, welche von Grübelei sich enthielten, wurden ihrer Leidenschaften Meister und stimmten ihre Seelen zur Ruhe, um zu glauben, ohne sich mühsam anzustrengen. Die Pharisäer stritten unter sich, wer denn wohl Dieser (Christus) sei, und wessen Sohn er sei. Je mehr sie über die Wahrheit grübelten, desto tiefer fielen sie von ihr ab. Diese hängt ganz am Glauben. Indem sie vorwitzig forschend die Wahrheit suchten, verloren sie dieselbe durch ihr Suchen. — Der Hauptmann zeigte eine so erhabene Gesinnung, daß Gott selbst über ihn erstaunte. Er ehrte Jesum durch den Glauben und ließ ihn nicht ins Haus eintreten. Aus Ehrfurcht wehrt’ er ihm den Eintritt; aus Ehrfurcht forsche nicht über ihn! Den sichtbaren Eintritt ihm verwehren kannst du nicht mehr; allein enthalte dich mit tiefer Ehrfurcht vom Untersuchen über ihn, damit er vor den Wächtern in 72 der Höhe deinen Glauben rühme! Vergleiche miteinander den Hauptmann, der glaubte, und den Thomas, der betasten und erforschen wollte! Jenen rühmte sein Herr hoch, diesen aber tadelte sein Meister. Ward nun dieser (Thomas nämlich) gescholten, weil er es gewagt zu untersuchen und dann erst zu glauben: welch strengen Tadel ruft Derjenige hervor, der zuvor forschen und dann erst glauben will!