Hieronymus · Über den Tod Paulinas; an Pammachius (Epistula 66) · Kapitel 10
160Magst du lesen oder schreiben, wachen oder schlafen, immer möge dir des Amos Hirtenhorn im Ohre klingen; diese Kriegstrompete soll deine Seele in Alarm versetzen. Begeistert von dieser Liebe suche auf deinem Lager den, nach welchem deine Seele verlangt, und sprich vertrauensvoll: „Ich schlafe, aber mein Herz wacht“. Wenn du ihn gefunden hast, so halte ihn fest und entlasse ihn nicht! Und wenn er, während du für kurze Zeit eingeschlummert bist, deinen Händen entglitten sein sollte, dann verzweifle nicht sofort! Gehe hinaus auf die Straßen, beschwöre die Töchter Jerusalems, und du wirst ihn finden ruhend am Mittag, müde, liebestrunken, vom Tau der Nacht befeuchtet, unter den Scharen seiner Genossen, unter verschiedenen Wohlgerüchen, unter den Apfelbäumen des Paradieses! Dort reiche ihm deine Brüste, damit er trinke aus der weisen Brust! Er möge ruhen in mitten seines Erbes, wo ihm zuteil werden Silberflügel einer Taube und ein Inneres glänzend wie Gold. Jener kleine Knabe, der sich von Butter und Honig nährt, der unter Bergen geronnener Milch aufgezogen worden ist, wächst rasch zum Jüngling heran, beraubt schnell die Feinde in dir, plündert eiligst Damaskus und besiegt Assyriens König.