Sehet nun zu, daß wir nicht diesem zufolge verurteilt werden, nachdem wir versichert haben: Wir widersagen (ἀποτάσσομεν) dem Satan, und: Wir schließen uns (συντάσσομεν) dir an, Christus! Richtiger indes dürfte man dies ein Bündnis nennen als einen Schuldbrief. Denn ein Schuldbrief hat die Wirkung, daß man für die Abzahlung der schuldigen Summe haftbar wird. Dieses Verhältnis aber trägt den Charakter eines Bündnisses; es enthält keine Strafbestimmung und besagt 321 nicht: wenn dies geschieht oder nicht geschieht. So sprach Moses, als er das Blut des Bundes umhersprengte damit verhieß auch Gott das ewige Leben. Dieses alles ist Bündnis: dort zwischen Herr und Knecht, hier zwischen Freund und Freund. Dort heißt es sogleich mit einer Drohung: „An welchem Tage du davon issest, wirst du sterben“; hier findet sich nichts Derartiges. Gott ist dabei, und hier ist Nacktheit und dort ist Nacktheit; allein dort wurde der Mensch nach der Sünde nackt, weil er gesündigt hatte; hier dagegen wird er nackt, um von der Sünde befreit zu werden. Damals zog der Mensch die Herrlichkeit aus, mit der er bekleidet war; jetzt zieht er den alten Menschen aus, und zwar ehe er ins Taufbad steigt, so leicht zieht er ihn aus wie die Kleider. Er wird gesalbt wie die Wettkämpfer, die in die Arena treten; nicht wie die Priester des Alten Bundes bloß am Haupte, sondern in viel größerem Maße. Dort wurde nur das Haupt, das rechte Ohr und die Hand gesalbt, um den Priester zu Gehorsam und zu guten Werken anzuspornen; hier dagegen wird der ganze Leib gesalbt. Denn da kommt der Mensch nicht bloß, um sich unterrichten zu lassen, sondern um zu ringen und sich unablässig im Kampfe zu üben. Eine neue Schöpfung findet hier statt. Sobald er nämlich seinen Glauben an ein ewiges Leben bekennt, bekennt er eine neue Schöpfung. — (Auf einmal wird er wiedergeboren, nicht wie der erste Mensch, der allmählich gebildet wurde, sondern auf der Stelle.) Gott nahm Staub von der Erde und bildete den Menschen; nunmehr aber nimmt er dazu nicht mehr Staub, sondern den Hl. Geist. Durch diesen wird der Mensch gebildet, durch diesen ausgestaltet, gleichwie Christus selbst im Schoße der Jungfrau. — Der Priester sagt nicht: im Paradies, sondern: im Himmel. Denn du darfst nicht glauben, daß er auf Erden wohne, 322 weil er die Erde unter den Füßen hat. Dort zum Himmel ist er versetzt worden; dort geschieht dies inmitten der Engel. Dort oben nimmt Gott deine Seele auf, dort oben wandelt er sie um und stellt dich neben seinen königlichen Thron. — Der neue Mensch wird gebildet im Wasser, empfängt aber an Stelle der Seele den Geist. — Nachdem er aber gebildet ist, führt Gott nicht die Tiere vor ihn hin, sondern die Dämonen und den Fürsten derselben und spricht: „Tretet auf Schlangen und Skorpione!“ Da heißt es nicht: „Lasset uns den Menschen machen nach unserm Ebenbild und Gleichnis!“, sondern wie? „Er gab ihnen Macht, Kinder Gottes zu werden, (die nicht aus dem Geblüte,) sondern aus Gott geboren sind.“ — Sodann wird er dich, damit du nicht auf die Schlange hörest, sogleich lehren zu sprechen: „Ich widersage dir“, was gleichbedeutend ist mit: Ich will von dir nichts hören. Damit sie dich aber nicht durch andere fange, so folgen darauf die Worte; „und deiner Pracht und deinem Dienste und deinen Engeln“. — Gott hat (dem wiedergeborenen Menschen) nicht mehr die Aufgabe gestellt, das Paradies zu hüten, sondern im Himmel zu wandeln. Denn unmittelbar nachdem er aus dem Taufbade gestiegen ist, spricht er diese Worte: „Vater unser, der du bist in dem Himmel, dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden!“ — Das Kind fällt nicht aufs Angesicht; du siehst keinen Baum, keine Quelle, sondern alsbald umfängst du den Herrn selbst, nimmst seinen Leib in dich auf, vereinigst dich auf das innigste mit jenem Leibe, der im Himmel thront, wo dem Teufel der Zutritt unmöglich ist. Da gibt es kein Weib, an das er sich heranschleichen und das er als den schwächeren Teil verführen könnte. Denn da ist, wie die Schrift sagt, „nicht Mann noch Weib“. Wenn du nicht zu ihm herabsteigst, so kann er den Ort, wo du 323 bist, nicht erreichen. Du befindest dich ja im Himmel; der Himmel aber ist dem Teufel unzugänglich. Der Himmel hat keinen Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen, sondern nur den Baum des Lebens. Da wird nicht mehr das Weib aus deiner Seite genommen, sondern da sind wir alle eins aus der Seite Christi. Wenn diejenigen, die von Menschen gesalbt worden sind, nichts von Schlangen zu leiden haben, so wirst auch du nichts befahren, sobald du gesalbt worden bist, auf daß du imstande seiest, die Schlange zu bewältigen und zu ersticken, „zu treten auf Schlangen und Skorpione“.
Allein der Größe der empfangenen Gnaden entspricht auch die Größe der uns drohenden Strafe. Wer des Paradieses verlustig geworden ist, darf nicht im Angesichte des Paradieses wohnen, noch können wir dahin zurückkehren, von wo wir vertrieben worden sind. Sondern was erwartet uns nachher? Die Hölle und der Wurm, der nie stirbt. Doch Gott verhüte, daß jemand von uns dieser Strafe verfalle! Wir wollen vielmehr in tugendhaftem Lebenswandel uns bestreben, nur seinen heiligen Willen zu tun! Suchen wir Gott wohl zu gefallen, damit wir imstande seien, der Züchtigung zu entgehen und der ewigen Güter teilhaftig zu werden; durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater gleichwie dem Heiligen Geiste Herrlichkeit, Macht und Ehre sei, jetzt und allezeit und in alle Ewigkeit. Amen.
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