Die Katechumenen werden beglückwünscht wegen der bevorstehenden Taufe, gelobt wegen ihrer opferwilligen Gesinnung. — Die verschiedenen Namen der Taufe; ihre Bedeutung. Durch die Taufe wird die Seele nicht bloß von Sünden gereinigt, sondern gleichsam neu geschaffen. — Jetzt schon müssen sich die Katechumenen im Kampfe mit dem Teufel üben, müssen besonders die Zungensünden und vor allen Dingen das Schwören meiden. Anleitung, wie man sich das Schwören abgewöhnt.
§ 1
O wie lieb und willkommen ist mir die Schaar meiner neuen Brüder! Ja, Brüder nenne ich euch schon vor eurer [Wieder] Geburt, und mit Freuden begrüße ich euch als meine Verwandten, noch ehe ihr geboren seid. Denn ich weiß, ich weiß sehr wohl, wie groß die Ehre, wie hoch die Würde ist, zu welcher ihr nun bald gelangen sollt; und ich weiß auch, daß Jedermann Diejenigen, die im Begriffe stehen eine hohe Stellung einzunehmen, schon vor ihrem Amtsantritt zu ehren pflegt, um sich durch die Beweise seiner Hochachtung ihr Wohlwollen für die Zukunft zu sichern. Das wollte auch ich jetzt thun. Denn ihr sollt nicht etwa bloß zu einem hohen Amte, nein zum Königthum sollt ihr gelangen, ja nicht einmal schlechthin zum König 92 thum, sondern zur Königswürde im Himmelreiche. Deßhalb bitte ich euch inständig, daß ihr meiner gedenken möget, wenn ihr in dieses Reich einzieht. Wie einst Joseph zum obersten Mundschenk sprach: „Gedenke meiner, wenn es dir wohl ergeht,“ so sage ich zu euch: Gedenket meiner, wenn es euch wohl ergeht. Das ist der Lohn, den ich mir von euch ausbitte, — nicht wie Joseph für die Deutung eines Traumes; denn ich bin nicht gekommen, um euch Träume auszulegen, sondern um euch himmlische Dinge zu erzählen, um euch die frohe Botschaft von Herrlichkeiten zu bringen, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Herz aufgestiegen sind. Solcher Art ist Das, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Joseph sprach zum Mundschenk: „Noch drei Tage, so wird Pharao dich wieder in dein Amt als Obermundschenk einsetzen.“ Ich aber sage nicht: Noch drei Tage, und ihr werdet das Mundschenkamt bei einem Könige erhalten; — sondern ich sage: Noch dreissig Tage, so wird euch — nicht Pharao, sondern — der König des Himmels in das himmlische Vaterland, in das freie Jerusalem, in die Himmelsstadt aufnehmen. Joseph sagte: „Du wirst den Becher in die Hand des Pharao geben;“ ich aber sage nicht: Ihr werdet die Becher in die Hand des Königs geben; sondern ich sage: Der König selbst wird in eure Hand den Becher geben, jenen Becher, vor dem wir in Ehrfurcht zittern, der voll großer Kraft und werthvoller ist als Alles, was geschaffen ist im Himmel und auf Erden. Die Eingeweihten wissen um die Kraft dieses Bechers. Auch ihr werdet sie bald kennen lernen. Gedenket denn meiner, wenn ihr in jenes Reich kommt, wenn ihr das königliche Gewand empfangt, wenn ihr mit dem Purpurkleide geschmückt werdet, das da eingetaucht ist in das Blut des Herrn, wenn euch jenes Diadem aufgesetzt wird, von welchem nach allen Richtungen 93 hin Strahlen ausgehen, die den Glanz der Sonne überbieten. Solcher Art sind nämlich die Geschenke, die euch der Bräutigam mitbringt. Sie sind größer als unser Verdienst, aber würdig seiner Liebe zu den Menschen. Daher preise ich euch jetzt schon glücklich, schon vor eurem Eintritte in das heilige Brautgemach. Ich preise euch glücklich, aber ich lobe auch eure treffliche Gesinnung. Denn ihr macht es nicht wie jene Leichtfertigen, welche die Taufe verschieben, bis sie in den letzten Zügen liegen. Ihr habt schon jetzt, als Diener von guter Art, dem Herrn mit großer Liebe zu gehorchen bereit, euren Nacken willig und freudig unter das Joch Christi gebeugt, die süße Last auf euch genommen und euch die leichte Bürde auflegen lassen. Deßhalb lobe ich euch. Denn mögen Jene immerhin durch ihre Taufe auf dem Todesbette dieselben Gnaden empfangen wie ihr, so ist doch ihre Gesinnung und sind bei ihnen die äussern Umstände und Zurüstungen ganz anderer Art. Sie empfangen die Taufe in ihrem Bette, ihr dagegen im Schooße der Kirche, unserer gemeinsamen Mutter; sie klagend und weinend, ihr jubelnd und frohlockend; sie stöhnend, ihr danksagend; sie betäubt von fiebern, ihr voll großer Seelenfreude. So steht hier Alles mit dem Geschenke Gottes in Einklang, dort aber bildet dazu Alles einen schreienden Mißklang. Der Täufling selbst klagt und jammert erbärmlich, weinend stehen seine Kinder umher, bei ihnen die Mutter, die sich im Übermaß der Schmerzen die Wangen mit den Nägeln zerfleischt, dann die trauernden Freunde, die Hausgenossen, in Thränen zerfließend, und was man überhaupt im Hause sieht und hört, erinnert an einen trüben, düstern Wintertag. Und könnte man erst Herz und Seele des Kranken bloßlegen, so würde man noch mehr Elend und Finsterniß antreffen. Wie das Meer durch stürmische Winde, die mit unbändiger Gewalt gegen einander brausen, nach vielen Richtungen zerspalten wird, so wird die Seele des Kranken durch die Vorstellungen von alle dem Unglück, das jetzt über ihn hereinbricht, gleichsam in viele Sorgen und Kümmernisse zerrissen. Sieht er seine Kinder an, so 94 denkt er an ihre baldige Verwaisung; schaut er auf sein Weib, so denkt er an ihre Wittwentrauer; wendet er sein Auge auf das Gesinde, so sieht er im Geiste schon das ganze Haus herrenlos und verödet; kehrt er endlich wieder zu sich selbst zurück, so gedenkt er des irdischen Lebens, und weil er davon scheiden muß, umfängt ihn wieder neue Trauer wie ein düsteres Gewölk. So ist es um die Stimmung des Täuflings bestellt. Mitten in diese Verwirrung und Trostlosigkeit tritt nun der Priester hinein. Er wird hier noch mehr gefürchtet als das tödtliche Fieber und ist den Angehörigen des Kranken noch unwillkommener als selbst der drohende Tod. Mehr als das Wort des Arztes, wenn er den Kranken ausgibt, gilt die Ankunft des Priesters als Beweis seines hoffnungslosen Zustandes. So scheint gerade Das, was zum ewigen Leben führen soll, eine Besiegelung des Todes zu werden. Und doch habe ich das Ärgste noch nicht erwähnt: während noch die Angehörigen in unruhiger Hast die nöthigen Vorbereitungen trafen, ist schon manchmal aus dem Kranken das Leben entwichen, und entseelt blieb der Leib zurück. Manche Andere blieben zwar lebend, aber was konnte es ihnen helfen? Denn wenn der Täufling die Anwesenden schon nicht mehr kennt, ihre Stimme nicht mehr hört, jene Antworten nicht mehr aussprechen kann, in denen wir den beseligenden Bund mit unserm gemeinsamen Herrn abschließen, wenn er bewegungslos wie ein Stein oder ein Stück Holz da liegt, von einer Leiche nicht zu unterscheiden, — was hilft dann die Taufe, bei dieser vollständigen Stumpfheit und Besinnungslosigkeit?
§ 2
Wer zu diesen heiligen und wahrhaft furchtbaren Geheimnissen hinzutreten will, der muß unbedingt wachen und aufmerken und muß von allen weltlichen Sorgen frei sein. Er muß es schon weit gebracht haben in der Abtödtung und Selbstbeherrschung und im willigen Gehorsam gegen Gott den Herrn. Verbannen muß er aus seinem Herzen jeglichen Gedanken, der mit den heiligen Geheimnissen Nichts zu thun hat, und muß sein Inneres voll 95 kommen ausreinigen, wie man ein Haus fegt, das den König aufnehmen soll. In dieser Weise bereitet ihr euch auf die Taufe vor; so ist es um eure Gedanken, euren Willen und Vorsatz bestellt. Den Lohn, den ihr für diese rühmliche Gesinnung verdient, erwartet von Gott dem Herrn, der Diejenigen, welche ihm treulich folgen, sogar über Verdienst belohnt. Weil es aber auch meine Pflicht ist, den Mitknechten von dem Meinigen mitzutheilen, so will ich alsbald das Meinige bieten. Aber nein, auch das ist nicht das Meinige, sondern es ist des Herrn. Denn der Apostel sagt: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als ob du es nicht empfangen hättest?“ Ich hatte mir nun zwar vorgenommen, euch zu allererst zu erklären, weßhalb unsere Väter gerade diese Zeit mit Ausschluß aller andern Zeiten des Jahres den Kindern der Kirche zum Empfang der Taufe angewiesen, und weßhalb sie angeordnet haben, daß ihr nach Abschluß dieser Unterweisungen vor der Taufe die Schuhe ausziehen, die Kleider ablegen und euch dann entkleidet und barfuß, nur mit dem Leibrock angethan zu den Exorzisten verfügen sollt. Denn es ist nicht ohne Bedeutung, daß sie gerade diese Zeit gewählt und den äussern Ritus so und nicht anders gestaltet haben; Beides hat seinen höhern und geheimnißvollen Sinn. Das hatte ich mir vorgenommen euch zu erklären. Allein ich sehe, daß ich zu einem andern und nothwendigern Gegenstande übergehen muß. Ich muß euch nämlich nothwendig auseinander setzen, was die Taufe ist, weßhalb sie in unsern Lebenslauf eintritt, und welche großen Gnaden sie uns vermittelt. Doch wenn es euch recht ist, wollen wir zuerst von der Benennung dieser geheimnißvollen Reinigung reden. Sie hat nicht einen bloß, sondern viele und verschiedene Namen. Diese Reinigung wird nämlich genannt: Bad der 96 Wiedergeburt. „Er hat uns gerettet,“ heißt es, „durch das Bad der Wiedergeburt und Wiedererneuerung des heiligen Geistes.“ Sie wird auch Erleuchtung genannt, und auch diesen Namen hat Paulus ihr beigelegt: „Gedenket wieder der frühern Tage, in welchen ihr, nachdem ihr erleuchtet worden, großen Leidenskampf bestanden habt.“ Und wiederum: „Denn es ist unmöglich, Diejenigen, welche einmal erleuchtet worden und gekostet haben die himmlische Gabe und dann abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Bekehrung.“ Auch Taufe wird sie genannt: „Ihr alle, die ihr auf Christum getauft seid, habt Christum angezogen.“ Begräbniß wird sie genannt: „Mitbegraben seid ihr mit ihm durch die Taufe auf den Tod.“ Beschneidung wird sie genannt: „in welchem ihr auch beschnitten worden seid mit einer Beschneidung, die nicht von Händen gemacht ist, durch Hinwegnahme des sündigen Leibes des Fleisches.“ Kreuz wird sie genannt: „Denn unser alter Mensch ist mit ihm gekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde vernichtet würde.“ Ich könnte ausser diesen noch andere Namen aufzählen; allein damit wir uns nicht die ganze Zeit hindurch bei den Namen dieses Gnadenmittels aufhalten, will ich auf den zuerst angeführten Namen näher eingehen und, nachdem ich die Bedeutung desselben erklärt habe, diese Erörterung beschließen. Ich muß indessen zu dieser Belehrung etwas weiter ausholen. Es gibt eine Art von Waschung, deren sich Jedermann bedient: das Bad im ge 97 wöhnlichen Sinne, das den Schmutz des Leibes hinwegspült. Eine andere Art von Waschung kannten die Juden, eine Reinigung nämlich, die an Werth und Bedeutung über jener bloß körperlichen Abwaschung, aber noch tief unter dem gnadenreichen Bade der Taufe steht. Auch die jüdischen Waschungen reinigten von leiblichem Schmutz, aber nur von einem solchen, der nicht bloß den Körper befleckte, sondern sich zugleich einem schwachen Gewissen mittheilte. Es gibt nämlich Mancherlei, was von Natur nicht unrein ist, aber unrein wird durch die Schwäche des Gewissens. Larven und ähnliche Schreckmittel sind nicht vermöge ihrer wirklichen Beschaffenheit zu fürchten, allein dem Kinde erscheinen sie furchtbar — wegen der Schwäche seiner Natur. So ist auch Das, was ich eben andeutete, wie z. B. die Berührung mit einer Leiche, nicht an sich etwas Unreines, aber sie macht den Berührenden unrein, wenn er ein schwaches Gewissen hat. Ich sage: es ist an und für sich nichts Verunreinigendes; Das hat uns der Urheber dieser Gesetze selbst, Moses, deutlich gezeigt; denn er nahm alle Gebeine Josephs mit — und blieb rein. Dazu stimmen die Worte des heiligen Paulus, in denen er uns über diese Art von Unreinigkeit belehrt. Von dieser Unreinigkeit nämlich, die nicht in der natürlichen Beschaffenheit der Dinge, sondern in der Schwäche des Gewissens ihren Grund hat, sagt er etwa so: „Nichts ist unrein durch sich selbst, als nur für Denjenigen, der Etwas für unrein hält.“ Siehst du, daß diese Unreinigkeit nicht in der natürlichen Beschaffenheit der Dinge, sondern in der Schwäche des Gewissens ihren Grund hat? Und wiederum sagt er: „Alles ist rein, aber böse dem Menschen, welcher zum Ärgerniß ißt.“ Das ist also der Grund der Unreinigkeit.
§ 3
Solche Befleckungen wurden durch die jüdischen Waschungen beseitigt. Ganz andere durch das gnadenreiche 98 Bad der Taufe: diese befreit von der wirklichen Unreinigkeit, die Leib und Seele mit vielen Makeln befleckt. Durch die Taufe werden nicht Diejenigen, die etwa todte Leiber berührt, sondern Diejenigen gereinigt, die Werke des Todes verübt haben. Mag der Täufling vordem ein wollüstiger Mensch, ein Hurer oder Götzendiener gewesen sein, mag er sich irgend einer andern Schlechtigkeit und sogar aller denkbaren Frevel schuldig gemacht haben, wie sie nur unter den Menschen vorkommen: er wird gleichwohl, nachdem er in diesen heiligen Schwemmteich hineingestiegen ist, reiner als der Glanz der Sonne aus diesen geweihten Wassern hervorgehen. Haltet Das, was ich hier sage, nur nicht für rednerische Übertreibung! Zum Beweise vernehmet, was Paulus über die Kraft und Wirkung dieses Bades sagt: „Täuschet euch nicht! Weder Götzendiener, noch Hurer, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Knabenschänder, noch Habsüchtige, noch Säufer, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben.“ Was hat aber dieser Ausspruch, wendet ihr vielleicht ein, mit dem eben Gesagten zu schaffen? Beweise uns, was hier in Frage steht: ob nämlich die Kraft der Taufe von aller dieser Ungerechtigkeit reinigt. So höret denn, was jetzt folgt: „Und das waren Einige von euch; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt im Namen unseres Herrn Jesu Christi und in dem Geiste unseres Gottes.“ Ich versprach euch also zu zeigen, daß man durch die Taufe rein von aller Sünde wird; jene Worte des heiligen Paulus beweisen aber noch mehr: daß man nämlich nicht bloß rein, sondern auch 99 heilig und gerecht wird. Denn er sagt nicht bloß: ihr seid abgewaschen, sondern er setzt hinzu: ihr seid geheiligt und gerechtfertigt worden. Was könnte wunderbarer sein, als daß eine wahre und wirkliche Gerechtigkeit zu Stande kommt ohne Mühe und Schweiß, ohne gute Werke? So verhält es sich in der That mit diesem Geschenk der göttlichen Liebe: es macht uns gerecht ohne Mühe und Schweiß. Kann nicht ein Schreiben des Königs, können nicht wenige Buchstaben von seiner Hand einem Gefangenen die Freiheit schenken, wenn auch unzählige Anklagen gegen ihn erhoben sind, und einen andern sogar zu den höchsten Ehrenstellen befördern? Ebenso und noch viel eher kann der heilige und allmächtige Geist Gottes uns von allen Sünden reinigen, uns reichlich mit Gerechtigkeit ausstatten und uns mit zuversichtlichem Vertrauen erfüllen. Wenn ein Feuerfunke mitten in das unermeßliche Meer hineingeworfen wird, so wird er sofort erlöschen und verschwinden, verschlungen von den gewaltigen Wogen; so wird auch alle menschliche Bosheit, wenn sie in den Brunnen dieser geweihten Wasser versenkt wird, schneller und leichter als jener Feuerfunke hinweggerafft und verschlungen.
Wenn nun aber, fragt man, in diesem Bade uns alle Sünden nachgelassen werden, warum wird es denn nicht Bad des Sündennachlasses oder Bad der Reinigung, sondern Bad der Wiedergeburt genannt? Weil es die Verzeihung und Reinigung von Sünden nicht in irgend einer dürftigen und unvollkommenen, sondern in einer so vollkommenen Weise bewirkt, als ob wir neu geboren würden. In der That, wir werden durch die Taufe neu geschaffen, neu hergestellt. Wir werden nicht von Neuem aus Erde gebildet, sondern wir gehen neu geschaffen aus einem andern Elemente, aus dem Wasser, hervor. Das Gefäß wird nicht abgewaschen, sondern vollständig umgeschmolzen. Ein Gefäß, das bloß abgewaschen wird, mag noch so sorgfältig gereinigt werden, es behält doch Spuren seiner frühern Beschaffenheit und Zeichen der vormaligen Beflecktheit; ist es 100 aber in den Schmelzofen zurückgekehrt und in der Gluth des Feuers erneuert, dann hat es alle Flecken verloren und strahlt einen Glanz aus, als wäre es eben erst ganz neu aus dem Ofen hervorgegangen. Hat uns der Künstler eine goldene Bildsäule, an welcher Staub, Rauch, Rost und Alter ihre befleckenden Spuren hinterlassen haben, wieder neu umgeschmolzen, dann wird er sie uns ganz rein und glänzend wieder abliefern. Das ist ein Gleichniß. Unsere Natur ist bemakelt von dem Roste der Sünde, ist wie von Rauch geschwärzt in Folge unserer Vergehungen und hat die Schönheit verloren, die ihr Anfangs durch Gottes Schöpfung eigen war. Nun aber wird sie von ihm neu umgeschmolzen; das Taufwasser ist der Schmelzofen, der sie aufnimmt, die Gnade des heiligen Geistes das Feuer, von dem sie ergriffen wird; und dann gehen wir hervor als vollkommen neue Menschen, strahlend in einem Glanze, der das Licht der Sonne in die Schranken fordern könnte. Den alten Menschen hat der Herr zertrümmert und einen neuen geschaffen, der es dem frühern an hellem Glanz zuvorthut.
§ 4
Auf diese Zertrümmerung und geheimnißvolle Reinigung wies einst der Prophet hin in den Worten: „Wie ein Gefäß des Töpfers wirst du sie zertrümmern.“ Daß nämlich hier von Gläubigen die Rede ist, erhellt deutlich aus dem Vorhergegangenen. „Du bist mein Sohn,“ heißt es dort, „ich habe dich heute gezeugt. Verlange von mir, und geben werde ich dir die Völker zu deinem Erbtheil, und zu deinem Besitz die Enden der Erde.“ Siehst du? er redet von der aus der Heidenwelt hervorgehenden Kirche und von der Verbreitung des Reiches Christi über die ganze Erde. Dann heißt es weiter: „Du wirst sie weiden mit ehernem Stabe (diese Worte deuten nicht auf eine drückende, sondern auf eine kraftvolle Herrschaft); wie ein Gefäß des Töpfers wirst du sie zertrümmern.“ Seht, darin ist eine 101 geheimnißvolle Hinweisung auf die Taufe enthalten. Es werden nämlich nicht einfach und schlechthin thönerne, d. h. aus Thon gebrannte, sondern Gefäße des Töpfers zum Vergleich herbeigezogen. Nun merket wohl auf! Die aus Thon gebrannten Gefäße, sind sie einmal zertrümmert, können nicht wieder hergestellt werden, weil sie für immer im Feuer hart geworden sind. Die Gefäße des Töpfers aber sind [noch] nicht gebrannt, sondern erst aus Lehm geformt. Daher können sie, wenn sie einen Fehler haben, durch die Kunst des Meisters leicht zu einer andern Gestalt verarbeitet werden. Wo daher in der heiligen Schrift ein solches Mißgeschick bezeichnet werden soll, das nicht wieder gut zu machen ist, da redet sie von thönernen, d. h. gebrannten, und nicht von Gefäßen des Töpfers. Als Gott z. B. dem Propheten und den Juden kund machen wollte, daß er die Stadt einem Elend ohne Hoffnung überantwortet hatte, da gebot er dem Propheten, einen thönernen Krug zu nehmen, ihn vor dem Angesicht des ganzen Volkes zu zertrümmern und dabei zu verkünden: So wird die Stadt zerstört und zertrümmert werden. Wenn er ihnen aber die Hoffnung auf eine bessere Zukunft eröffnen will, dann führt er den Propheten in die Werkstätte eines Töpfers und zeigt ihm dort ein Gefäß aus weichem Thon, das eben unter den Händen des Töpfers entsteht, — also nicht ein schon gebranntes Gefäß. Das Gefäß fällt zu Boden, und der Herr spricht: „Wenn dieser Töpfer das Gefäß, das zur Erde siel, wieder aufhebt und neu herstellt: werde ich dann nicht weit eher euch wieder aufrichten, nachdem ihr gefallen seid?“
Allerdings vermag Gott nicht bloß Jene, welche noch den Gefäßen aus weicher Erde gleichen, zu erneuern durch 102 das Bad der Wiedergeburt, sondern selbst Diejenigen, welche die Kraft des heiligen Geistes empfangen haben und dann wieder zum Falle gekommen sind, auf dem Wege der strengen Buße zur ersten Vollkommenheit zurückzuführen. Doch — euch über die Buße zu belehren, dazu ist jetzt nicht die rechte Zeit. Möchte auch nie der Tag erscheinen, an dem diese Arznei für euch nothwendig würde! Möchtet ihr immerdar den Glanz und die Schönheit, womit ihr jetzt bekleidet werden sollt, unversehrt bewahren! Damit ihr sie stets bewahret, will ich nun auch ein Weniges über das christliche Leben zu euch reden. Ihr seid jetzt noch in der Schule des Kampfes, wo eine Schlappe dem Kämpfer keine Gefahr bringt. Denn da kämpft man noch gegen Freunde und Genossen und darf an dem Lehrmeister selbst die Fechterkünste üben. Ist aber einmal die Zeit der öffentlichen Kampfspiele gekommen, sind alsdann die Schranken geöffnet, haben die Zuschauer hoch oben ihre Sitze eingenommen, und ist der Kampfrichter zur Stelle: dann heißt es entweder unterliegen und sich mit Schimpf und Schande zurückziehen, weil man träg und gleichgiltig gewesen, oder aber Siegeskränze und Kampfpreise erringen, weil man Fleiß und Mühe nicht gescheut hat. Ähnlich ist es mit euch. Diese dreissig Tage sind für euch gleichsam eine Schule des Ringens und Kämpfens, sie sind eine Zeit der Übung. Lernen wir schon jetzt den bösen Feind besiegen! Denn gegen ihn sollen wir nach der Taufe den Kampf aufnehmen, mit ihm kämpfen und ringen. Machen wir uns daher jetzt schon mit seinen Nachstellungen bekannt! Lernen wir, woher seine Bosheit kommt, an welchem Punkte er uns mit Erfolg angreifen und leicht schädigen kann, damit wir nicht etwa zur Zeit des Kampfes Erfahrungen machen, auf die wir ganz unvorbereitet sind, damit wir nicht bei der Aussicht auf ganz ungewohnte Kämpfe in Schrecken und Verwirrung gerathen, damit wir vielmehr, nachdem wir schon unter uns den Kampf geübt und alle listigen Anschläge des Teufels kennen gelernt haben, voll Muth den Streit mit ihm beginnen.
103Er droht uns zu schädigen auf allen Punkten, besonders aber zum Falle zu bringen mittelst unserer Zunge, mittelst der Rede. Denn Nichts leistet ihm bei seinem Bestreben uns zu hintergehen und zu verderben, so gute Dienste, als eine ungezügelte Zunge, ein unbewachter Mund. Daher unsere vielen Niederlagen, daher unsere schweren Schulden. Wie leicht man durch die Zunge in Sünden geräth, wird uns mit den Worten gelehrt: „Viele sind durch das Schwert gefallen, aber nicht so Viele als durch die Zunge.“ Wie gefährlich ein solcher Fall ist, wird uns von demselben Manne erklärt: „Besser ein Fall vom Dache, als ein Fall durch die Zunge.“ Damit soll etwa Dieß gesagt sein: Besser ist es, zu fallen und dabei die Glieder zu zerquetschen, als Reden zu führen, welche die Seele zu Grunde richten. Derselbe weise Mann begnügt sich nicht damit, uns auf diese Sünden aufmerksam zu machen, sondern er mahnt uns auch, sehr vorsichtig zu sein, damit wir nicht etwa hinterlistiger Weise zum Falle gebracht werden. Er sagt nämlich: „Mache für deinen Mund eine Thür und Riegel, nicht als sollten wir buchstäblich Thüren und Riegel für ihn anfertigen, nein, aber wir sollen mit großer Vorsicht den Mund geschlossen halten für thörichte Reden. Und an einer andern Stelle der heiligen Schrift gibt der Prophet uns zu verstehen, daß wir zu unsern Bemühungen und vor unsern Bemühungen der Gnade von oben bedürfen, um dieses Ungethüm, die Zunge, in Schranken zu halten. Er erhebt nämlich die Hände zu Gott dem Herrn und betet: „Die Erhebung meiner Hände [sei wie] ein Abendopfer. Stelle, o Herr, eine Wache an meinen Mund und ein Festungsthor vor meine Lippen!“ Und Derselbe, dessen Mahnung ich eben angeführt habe, sagt wiederum: „Wer wird mir eine Wache geben für meinen Mund, und für meine Lippen ein Siegel der Klugheit?“
104Siehst du, wie Jeder von ihnen diese Sünden fürchtet und beklagt, guten Rath dagegen gibt und um strenge Bewachung seiner Zunge betet? Weßhalb hat uns aber, fragt man dagegen, Gott der Herr dieses Glied im Anfange gegeben, wenn es so großen Schaden anrichtet? Weil es auch von großem Nutzen ist und, wenn wir behutsam und eifrig sind, bloß Nutzen und keinen Schaden stiftet. Höre zum Beweise die Worte desselben Mannes, den ich eben zitirt habe: „In der Gewalt der Zunge ist Leben oder Tod.“ Christus lehrt Dasselbe, wo er sagt: „Aus deinen Worten wirst du verurtheilt, und aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden.“ Die Zunge liegt gleichsam zwischen beiden Gegensätzen in der Mitte: du hast freie Wahl, sie zum einen oder zum andern zu gebrauchen. Es ist mit der Zunge wie mit dem Schwerte: wenn du das Schwert gegen den Feind schwingst, wird es dir ein Mittel, dein Leben zu retten; führst du aber den Hieb gegen dich selbst, dann wird nicht das Eisen an sich, sondern dein Vergehen die Ursache deines Todes. Laßt uns ebenso von der Zunge denken! Sie ist ein Schwert, das zwischen den Gegensätzen in der Mitte liegt. Schärfe sie zum Bekenntniß deiner Sünden, und führe nicht mit ihr einen Hieb gegen deinen Bruder! Deßhalb hat Gott sie durch eine doppelte Schutzwehr, durch den Zaun der Zähne und das Gehege der Lippen abgeschlossen, damit sie nicht leichtfertiger und achtloser Weise ungeziemende Reden vorbringe. Drinnen zügele sie! Will sie sich Das nicht gefallen lassen? Dann laß die Zähne an ihr durch Beissen den Dienst eines Folterknechtes versehen, und bringe sie so mit Hilfe der Zähne zum Gehorsam; denn es ist besser, daß sie für ihre Sünden von den Zähnen gebissen werde, als daß sie einst brenne und nach einem Tropfen Wasser schmachte — und keine Linderung finde.
105Es werden nun mit der Zunge Sünden von mancherlei Art begangen: Schmähungen, Gotteslästerungen, schändliche Reden, Verleumdungen, Schwüre, Meineid.
§ 5
Um aber euer Gedächtniß nicht durch gleichzeitige Behandlung aller dieser Sünden zu überladen, will ich euch für jetzt nur ein Gebot vorhalten, nämlich daß ihr euch vor dem Schwören hüten sollt. Zuvörderst aber versichere ich euch, daß ich über einen andern Gegenstand nicht zu euch reden werde, so lange ihr das Schwören nicht meidet. Und ich meine hier nicht bloß das falsche, sondern auch jenes Schwören, welches die Wahrheit und Gerechtigkeit nicht verletzt. Es wäre Thorheit, wenn ich zum Vortrage neuer Lehren übergehen wollte, ohne daß ich euch die früher behandelten gehörig hätte einprägen können. Pflegen doch selbst die Schulmeister die Knaben nichts Neues zu lehren, bis sie überzeugt sind, daß das Alte fest im Gedächtnisse haftet. Wollte man anders verfahren, Das hieße Wasser schöpfen in ein durchlöchertes Faß. Damit ihr mir also nicht den Mund schließet, gebt euch in diesem Punkte recht viel Mühe. Die Sünde, von der ich rede, ist gefährlich, und zwar sehr gefährlich. Sehr gefährlich ist sie darum, weil Niemand sie für gefährlich hält, und gerade darum fürchte ich sie so sehr, weil Niemand sie fürchtet. Darum ist die Krankheit unheilbar, weil sie keine Krankheit zu sein scheint. Wie das Reden im Allgemeinen keine Sünde ist, so hält man auch das Schwören nicht für Sünde und begeht daher diese Sünde mit großer Kühnheit und Gleichgiltigkeit. Wenn Jemand es tadelt, dann erfolgt sogleich helles Gelächter und arges Gespött, das aber nicht dem Schwörenden gilt, der sich den Tadel zugezogen hat, sondern Demjenigen, der ihn durch den Tadel von dieser Krankheit zu heilen sucht. Deßhalb muß ich über diesen Gegenstand viel und ausführlich reden. Denn ich will eine tief eingewurzelte Gewohnheit ausrotten und ein alt gewordenes Übel vertilgen: ich meine nicht bloß das falsche, sondern auch selbst das Schwören ohne Verletzung der „Wahr 106 heit und Gerechtigkeit“. Aber Dieser und dagegen, ein sehr anständiger Mann, ein Mann von großer Mäßigung und Frömmigkeit! — berufe dich doch nicht auf diesen anständigen, gemäßigten Mann geistlichen Standes! Mag es meinetwegen Petrus oder Paulus sein oder auch ein Engel aus Himmel, ich lasse mich durch das Ansehen der Person in meinem Urtheil nicht wankend machen. Denn das über das Schwören, das ich euch vortrage, stammt vom Könige selbst und nicht von einem Knechte her. Wenn aber ein königliches Schreiben verlesen wird, dann tritt die Autorität der Knechte gänzlich zurück. Kannst du behaupten, daß Christus das Schwören befohlen hat, oder daß Christus das Schwören nicht bestraft? Beweise es, und ich will mich eines Bessern belehren lassen. Wenn er es aber so entschieden verbietet, und wenn er dieser Sünde so eifrig entgegenzuwirken sucht, daß er dem Schwörenden seinen Platz in der Gesellschaft des Bösen anweist (denn er sagt:) Was darüber ist, nämlich über das Ja und Nein, ist vom Teufel): was soll es bei so bewandten Umständen bedeuten, daß du dich auf Diesen oder Jenen berufst? Bei dem Richterspruch Gottes werden nicht die lockern Grundsätze unserer Mitknechte, sondern die Vorschriften seines Gesetzes den Ausschlag geben. Ich habe es geboten, sagt er, du mußtest gehorchen und dich nicht auf Diesen oder Jenen berufen und dich nicht um fremde Sünden kümmern. David, dieser große Mann, hat sich eines schweren Vergehens schuldig gemacht; sag an, ist die Sünde deßhalb ohne Gefahr für uns? Daher müssen wir uns gegen die Sünde sichern, und an den Heiligen nur ihre Tugenden nachahmen. Treffen wir aber [bei den Heiligen] auf Nachläßigkeit und Übertretungen, dann müssen wir diese sorgfältig meiden. 107 Denn wir haben nicht den Mitknechten, sondern dem Herrn Rechenschaft abzulegen; vor ihm müssen wir uns verantworten über unser ganzes Leben. Laßt uns also für dieses Gericht uns gerüstet halten. Mag der Übertreter jenes Gebotes noch so groß und bewundernswerth sein, er wird trotzdem unter allen Umständen die Strafe zu erleiden haben, welche auf diese Übertretung gesetzt ist. Denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person.
Wie und auf welche Weise können wir uns nun vor dieser Sünde in Acht nehmen? Ich muß euch nämlich nicht bloß beweisen, daß es eine große Sünde ist, sondern auch guten Rath geben, wie ihr euch davon befreit. Du hast ein Weib, du hast einen Knecht, du hast Kinder, einen Freund, einen Angehörigen, einen Nachbar — gib ihnen allen den Auftrag, in diesem Punkte über dich zu wachen. Aber die Gewohnheit, sagt ihr, hat eine gar zu große Gewalt. Sie bringt uns leicht zum Falle, ist schwer zu überwinden und stürzt uns oft in die Sünde gegen unser Wissen und Wollen. Was folgt daraus? Je besser du die Macht der Gewohnheit kennst, desto mehr bemühe dich, die böse Gewohnheit abzulegen und dir die entgegengesetzte gute Gewohnheit anzueignen. Dann wird eine große Veränderung mit dir vorgehen. Während du jetzt trotz deiner Bemühungen, trotz deiner Wachsamkeit und angelegentlichen Sorgfalt in Folge jener bösen Gewohnheit häufig zum Falle kommst, wirst du einstens, wenn du dich einmal zu der entgegengesetzten guten Gewohnheit bekehrt hast, zur Gewohnheit nämlich: nicht zu schwören, nie gegen deinen Willen nie durch Nachläßigkeit in die Sünde des Schwörens zurückfallen können. Denn die Gewohnheit ist in der That eine Sache von großem Belang; sie wird gleichsam zur zweiten Natur. Damit wir uns also nicht immerfort abzumühen brauchen, laßt uns zur entgegengesetzten Gewohnheit übergehen! Erbitte dir von allen deinen Angehörigen, von allen deinen täglichen Gefährten die Gunst, daß sie dir zur Meidung des Schwörens mit 108 Rath und Ermunterung beistehen und dich bei jedem Rückfalle zurechtweisen. Wenn sie dich in dieser Weise überwachen, so werden sie darin auch selbst einen Sporn und Antrieb zum Guten haben. Denn wer einen Andern wegen des Schwörens zurechtzuweisen hat, der wird selbst nicht so leicht in diesen Abgrund hineinstürzen. Ein tiefer Abgrund — das ist das viele Schwören in der That, und zwar nicht bloß, wenn es wegen einer Kleinigkeit, sondern auch, wenn es wegen sehr wichtiger Dinge geschieht. Und wir! Wenn wir Gemüse kaufen, wenn wir um zwei Pfennige streiten, wenn wir den Knechten zürnen und drohen, — jedes Mal rufen wir Gott zum Zeugen an! Du würdest dich nicht unterstehen, irgend einen anständigen Mann, der etwa ein kleines Amt bekleidet, um solcher Dinge willen auf dem Markte als Zeugen herbeizurufen, und wenn du es thätest, würdest du deinen Muthwillen büßen müssen, — und den König des Himmels, den Herrn der Engel ziehst du als Zeugen hinzu, wenn du von Waaren, wenn du von Geld, wenn du von irgend welchen gleichgiltigen Dingen redest! Das ist doch nicht zu ertragen! Wie sollen wir uns also dieser bösen Gewohnheit entledigen? Wir müssen uns mit jenen Wächtern umgeben, die ich eben genannt habe, wir müssen uns zur vollständigen Durchführung unserer Besserung eine bestimmte Zeit festsetzen und müssen uns eine Strafe auflegen für den Fall, daß wir nach Ablauf dieser Frist noch nicht gebessert sind. Wie lange Zeit wird uns dazu nothwendig sein? Diejenigen, welche recht wachsam und vorsichtig und für ihr Seelenheil unablässig besorgt sind, werden meines Erachtens nicht mehr als zehn Tage nöthig haben, um sich von dieser bösen Gewohnheit des Schwörens vollständig zu befreien. Für den Fall aber, daß wir nach den zehn Tagen wieder auf dem Schwören betroffen werden, wollen wir uns eine Strafe und zwar eine recht strenge auflegen und eine Buße für dieses Vergehen genau bestimmen. Was soll das für eine sein? Das will ich nicht mehr bestimmen, ihr sollt den Richterspruch selbst fällen. Laßt uns in solcher Weise die 109 Angelegenheiten unserer Seele besorgen! Laßt uns so nicht bloß gegen das Schwören, sondern auch gegen die andern Sünden ankämpfen und uns für etwaige Rückfälle nach bestimmter Frist strenge Strafen auflegen! Dann werden wir reinen Herzens zu unserm Herrn hinübergehen, von Feuer der Hölle verschont bleiben und voll zuversichtlichen Vertrauens vor dem Richterstuhl Christi stehen. Das möge uns allen zu Theil werden durch die Gnade und Erbarmung unseres Herrn Jesu Christi! Ihm und zugleich dem Vater und dem heiligen Geiste sei Ehre in alle Ewigkeit. Amen.
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