Athanasius von Alexandrien · De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria · Kapitel 16
Was aber die Arianer in einem Briefe an den Bischof Alexander, seligen Andenkens, geschrieben haben, ist Folgendes.
240 Unserm seligen Vater und Bischofe Alexander wünschen wir Priester und Diakonen Freude in dem Herrn.
Unser Glaube, den wir von den Vorfahren empfangen, und den wir auch von dir gelernt haben, seliger Vater! ist dieser. Wir erkennen Einen Gott, welcher allein ungeboren, allein ewig, allein ohne Anfang, allein wahrhaftig, allein unsterblich, allein weise, allein gut, allein mächtig, Richter Aller, Verwalter, und Lenker, unveränderlich und unwandelbar, gerecht und gut, der Gott des Gesetzes, der Propheten und des neuen Bundes ist. Dieser zeugte vor ewigen Zeiten den eingebornen Sohn, durch den er auch die Zeiten und das Uebrige gemacht hat; er zeugte ihn aber nicht dem Scheine nach, sondern in Wahrheit nach seinem eigenen Willen, und rief ihn als unveränderlich und unwandelbar in das Daseyn als ein vollkommenes Geschöpf Gottes, aber nicht wie Eines aus den Geschöpfen; als Geschöpf, aber nicht wie Eines aus den übrigen Geschöpfen; nicht wie Valentinus den Sohn für einen Ausfluß des Vaters hielt; nicht wie Manichäus den Sohn als einen Theil der Wesenheit des Vaters erklärt; nicht wie Sabellius, indem er die Einheit theilte, ebendenselben Sohn und Vater 241 zugleich nannte; aber auch nicht wie Hierakas ihn als Licht vom Lichte, oder eine in zwei Theile gespaltene Leuchte vorgestellt hat; nicht als solchen, welcher, da er früher war, nachher geboren, oder zum Sohne nachgeschaffen worden wäre, wie auch du selbst, seliger Vater! mitten in der Kirchengemeinde und in der Versammlung sehr oft diejenigen, welche dieses behauptet hatten, verworfen hast; sondern er ist, wie wir gesagt haben, nach dem Willen Gottes vor den Zeiten und vor den Jahrhunderten geschaffen worden, indem er Leben und Seyn von dem Vater erhielt, und ihm der Vater seine Ehre mittheilte. Denn der Vater beraubte sich, als er ihm die Erbschaft aller Dinge übergab, desjenigen nicht, was er Ungeschaffenes besitzt; denn er ist die Urquelle aller Dinge. Daher gibt es drei Substanzen (Personen, Hypostasen). Und zwar ist Gott, als der Urheber aller Dinge, ganz allein ohne Anfang. Der Sohn aber ist ohne Zeit von dem Vater geboren, und vor den Zeiten geschaffen und gegründet worden, war aber nicht, ehe er geboren wurde; er ist aber vor allen Dingen ohne Zeit geboren, und allein von dem Vater ausgegangen. Denn er ist nicht ewig, oder gleichewig, oder zugleich nicht geboren 242 mit dem Vater; auch hat er das Daseyn nicht zugleich mit dem Vater, wie Einige von Dingen behaupten, welche auf etwas Anders sich beziehen, indem sie zwei nichtgeborne Prinzipe einführen; sondern Gott ist, wie die Einheit und der Anfang aller Dinge, so auch vor allen Dingen. Daher ist er auch vor dem Sohne, wie wir auch von dir, da du mitten in der Gemeinde predigtest, vernommen haben. In wie ferne er also von Gott das Seyn, und die Ehre und das Leben hat, und ihm alle Dinge übergeben sind, in so fern ist seine Urquelle Gott. Er ist aber über ihm, als sein Gott und weil er vor ihm ist. Denn wenn er, weil es heißt: „Aus ihm,“ und: „Aus seinem Schooße,“ und: „Ich bin von dem Vater ausgegangen und gekommen,“ als ein Theil seiner Einen Substanz, und gleichsam als Ausfluß von Einigen gedacht wird; so wird der Vater nach dieser Ansicht zusammengesetzt, theilbar, veränderlich und ein Körper seyn, und der unkörperliche Gott wird, so viel bei ihnen steht, die Eigenheiten des Körpers erdulden. Dieses ist nun ein Theil von dem, was die Arianer aus ihrem ketzerischen Herzen ausgespien haben.