Da antworteten die Juden: „Du gibst Zeugnis von Dir selbst, Dein Zeugnis ist nicht wahr“. Sehen wir zu, was sie zu hören bekommen, hören auch wir, aber nicht wie jene; sie geringschätzig, wir gläubig; sie begierig, Christus zu töten, wir dahin strebend, durch Christus zu leben. Vorläufig trenne diese Verschiedenheit unsere Ohren und unsere Geister, und wir wollen hören, was der Herr den Juden antwortete: „Jesus antwortete und sagte zu ihnen: Obwohl ich von mir Zeugnis gebe, so ist mein Zeugnis doch wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe“. Das Licht zeigt sowohl anderes als sich selbst. Du zündest eine Lampe an, z. B. um einen Rock zu suchen, und das brennende Licht hilft dir, daß du den Rock findest; zündest du etwa eine Lampe an, um das brennende Licht zu sehen? Denn ein brennendes Licht ist geeignet, sowohl anderes, was in Finsternis gehüllt ist, aufzudecken, als auch sich selbst deinen Augen zu zeigen. So unterschied auch Christus der Herr zwischen seinen Gläubigen und den feindlichen Juden, wie zwischen Licht und Finsternis, wie zwischen denen, die er mit dem Strahle des Glaubens durchleuchtete, und jenen, deren geschlossene Augen er umleuchtete. Denn auch unsere Sonne bescheint sowohl des Sehenden wie des Blinden Gesicht; wenn beide zusammen dastehen und das Gesicht gegen die Sonne kehren, so werden sie im Fleische beleuchtet, aber nicht beide werden in dem Sehvermögen erleuchtet; der eine sieht, der andere sieht nicht; beiden ist die Sonne gegenwärtig, aber der gegenwärtigen Sonne ist einer abwesend. So ist auch die Weisheit Gottes, das Wort Gottes, der Herr Jesus Christus überall 538 gegenwärtig, weil die Wahrheit, weil die Weisheit überall ist. Es versteht einer im Morgenland die Gerechtigkeit, es versteht ein anderer im Abendland die Gerechtigkeit; ist etwa eine andere die Gerechtigkeit, die jener versteht, eine andere, die dieser versteht? Körperlich sind sie getrennt, und auf das nämliche ist die Sehkraft ihrer Geister gerichtet. Die Gerechtigkeit, die ich hier sehe, wenn es Gerechtigkeit ist, dieselbe sieht ein durch beliebig viele Orte dem Fleische nach von mir getrennter und im Lichte der Gerechtigkeit mit mir verbundener Gerechter. Also das Licht gibt sich selbst Zeugnis; es öffnet die gesunden Augen und ist sich selbst Zeuge, damit das Licht wahrgenommen werde. Aber was fangen wir mit den Ungläubigen an? Ist es etwa ihnen nicht gegenwärtig? Auch ihnen ist es gegenwärtig; aber sie haben nicht die Augen des Herzens, womit sie es sehen könnten. Vernimm über sie den aus dem Evangelium selbst genommenen Ausspruch: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt“. Also der Herr spricht und er spricht die Wahrheit: „Obwohl ich von mir selbst Zeugnis gebe, so ist mein Zeugnis doch wahr, weil ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe“. Damit wollte er den Vater verstanden wissen, dem Vater gab der Sohn die Ehre. Der Gleichwesentliche ehrt den, von dem er gesandt wurde; wie sehr muß der Mensch den ehren, von dem er erschaffen wurde?