Aber wenn du dem Fleische nach dem Gesetze der Sünde dienst, dann tue, was derselbe Apostel sagt: „Nicht also* herrsche* die Sünde in eurem sterblichen Leibe, daß ihr seinen Begierden gehorchet, und bietet nicht eure Glieder zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit für die Sünde dar“. Er sagt nicht: die Sünde* sei* nicht, sondern: „sie* herrsche* nicht“. Solange die 616 Sünde in deinen Gliedern sein muß, soll ihr wenigstens die Herrschaft genommen werden; es soll nicht geschehen, was sie befiehlt. Es erhebe sich der Zorn? Leihe dem Zorne nicht die Zunge zum Schmähen; gib dem Zorne nicht die Hand oder den Fuß zum Schlagen. Es würde sich jener unvernünftige Zorn nicht erheben, wenn nicht die Sünde in den Gliedern wäre; aber nimm ihm die Herrschaft, er soll keine Waffen haben, gegen dich zu kämpfen; er wird lernen, sich auch nicht zu erheben, wenn er keine Waffen mehr findet. „Bietet eure Glieder nicht als Werkzeuge der Ungerechtigkeit für die Sünde dar“, sonst werdet ihr ganz gefangen sein und nicht sagen können: „Dem Geiste nach diene ich dem Gesetze Gottes“. Denn wenn der Geist die Waffen hält, bewegen sich die Glieder nicht zum Dienste der rasenden Sünde. Es besetze die Burg der innere Befehlshaber, weil er unter einem höheren Befehlshaber, der ihn unterstützt, Hilfe leistet; er zügle den Zorn, halte die Begierlichkeit in Schranken. Es ist etwas darin, was gezügelt, es ist etwas darin, was in Schranken gehalten, es ist etwas darin, was niedergehalten werden muß. Was aber wollte jener Gerechte, der im Geiste dem Gesetze Gottes diente, als daß gar nichts da wäre, was der Zügelung bedürfte? Und das muß jeder versuchen, der nach Vollkommenheit strebt, daß eben diese Begierlichkeit, welcher die Glieder nicht zum Gehorsam dargeboten werden, täglich in dem Voranschreitenden sich mindere. „Das Wollen“, sagt er, „liegt mir nahe, das Vollenden des Guten aber nicht“. Hat er etwa gesagt: Das Gute zu* tun* liegt mir nicht nahe? Wenn er das gesagt hätte, dann bliebe keine Hoffnung übrig. Er sagt nicht: Das Gute zu tun, liegt mir nicht nahe, sondern er sagt: „Das* Vollenden* liegt mir nicht nahe“. Denn was ist die Vollendung des Guten als die Vernichtung und das Ende des Bösen? Was ist aber die Vernichtung des Bösen, als was das Gesetz sagt: „Du sollst nicht begehren“? Gar nicht „begehren“ ist die Vollendung des Guten, weil es die Vernichtung des Bösen 617 ist. Dies sagte er: „Das Vollenden des Guten liegt mir nicht nahe“, weil er nicht bewirken konnte, daß ihn nicht gelüstete; er bewirkte nur, daß er das Gelüsten zügelte, um dem Gelüsten nicht zuzustimmen und dem Gelüsten die Glieder nicht zum Dienste anzubieten. „Das Vollenden des Guten“ also, sagt er, „liegt mir nicht nahe“; ich kann nicht erfüllen, was gesagt ist: „Du sollst nicht begehren“. Was ist also notwendig? Daß du erfüllest „Du sollst deinen Begierden nicht nachgehen“. Das tue inzwischen, solange unerlaubte Begierden in deinem Fleische sind. „Du sollst deinen Begierden nicht nachgehen.“ Bleibe im Dienste Gottes, in der Freiheit Christi; diene im Geiste dem Gesetze deines Gottes. Überlaß dich nicht deinen Begierden. Wenn du ihnen folgst, vermehrst du ihre Kräfte; wenn du ihre Kräfte vermehrst, wie kannst du siegen, da du gegen dich die Feinde mit deinen eigenen Kräften nährst?