[Forts. v. 647 ] Nun also wollen wir wegen einiger in diesem Lesestück enthaltenen Fragen die Worte des Herrn und des ganzen Lesestückes selbst mehr rasch durchgehen als abhandeln. „Beim Hinweggehen sah er einen blinden Menschen“, nicht einen irgendwie blinden, sondern „von Geburt“. „Und es fragten ihn seine Jünger: Rabbi“ ― ihr wißt, „Rabbi“ ist ein Lehrer. Sie nannten ihn Lehrer, weil sie zu lernen verlangten; sie legten nämlich dem Herrn als dem Lehrer eine Frage vor: „Wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, so daß er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern“, so daß er blind geboren wurde. Was hat er da gesagt? Wenn kein Mensch ohne Sünde ist, waren dann etwa die Eltern dieses Blinden ohne Sünde? War etwa er selbst entweder ohne Erbsünde oder hatte er im Leben nichts hinzugefügt? Oder waren etwa, weil seine Augen geschlossen waren, die Begierden gar nicht wach? Wieviel Böses begehen die Blinden? Von welcher Art des Bösen enthält sich ein böses Herz, auch wenn die Augen geschlossen sind? Er konnte nicht sehen, aber er war imstande zu denken und vielleicht etwas zu begehren, was ein Blinder nicht vollbringen, was jedoch im Herzen gerichtet werden kann vom Herzenserforscher. Wenn also sowohl seine Eltern eine Sünde hatten, als auch er selbst eine Sünde hatte, warum sprach der Herr: „Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern“ als eben wegen der Sache, worüber er gefragt wurde, „daß er blind geboren wurde“? Es hatten nämlich zwar seine Eltern eine Sünde, aber nicht wegen dieser Sünde geschah es, daß er blind geboren wurde. Wenn es nun nicht wegen der Sünde der Eltern geschah, daß er blind geboren wurde, warum ist er dann blind geboren worden? Höre, wie der Meister lehrt; er sucht einen Glaubenden, um ihm das Verständnis beizubringen. „Weder dieser hat gesündigt“, sagt er, „noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbar werden“.