Ich habe mir vorgenommen, eurer Heiligkeit den Grund der Geheimnisse der vergangenen Nacht und des euch soeben übergebenen Symbolums zu erklären, wenn Jener es mir verleiht, der mildreich gibt und es nicht vorrückt; 379 „denn er ist reich gegen Alle, die ihn anrufen.“ Er kann unsere Absicht fördern und euer Gebet für uns wohlgefällig aufnehmen. Empfanget daher nach eurem gläubigen Verlangen das Wort Gottes als die euch angemessene Speise; der Herr wirke euch daraus Gedeihen! Ihr seid zwar durch das Sakrament der Taufe noch nicht wieder geboren, aber durch das Zeichen des Kreuzes seid ihr im Schooße der hl. Mutter der Kirche schon empfangen worden. Es mache sich also diese Mutter daran, die Kinder, die sie trägt, durch geeignete Speisen zu nähren, um sich nach ihrer Geburt darüber zu freuen, daß sie solche aufgenommen habe, welche die geistige Nahrung verdienen. Was ist in euch, Geliebteste, gefeiert worden? Was ist mit euch gegen die bisherige Gewohnheit in dieser Nacht geschehen, daß ihr einzeln aus geheimen Orten vor die ganze Gemeinde geführt wurdet, und daß dort mit euch, während ihr den früher zu eurem Verderben aufgerichteten Nacken beugtet und mit bloßen Füßen auf eurem Bußgewande knietet, die Prüfung vorgenommen und der stolze Teufel durch Anrufung des demüthigen und doch hoch erhabenen Christus aus euch vertrieben wurde? Ihr alle wäret daher demüthig und betetet 380 demüthig unter Psalmengesang und Aussprechen der Worte: „Prüfe mich Gott und durchschaue mein Herz.“ Er hat geprüft und erforscht die Herzen seiner Knechte, er hat sie mit seiner Furcht berührt, er hat den Teufel durch seine Macht in die Flucht geschlagen und seine Familie von dessen Herrschaft befreit. Hiebei wurde der Arme nicht anders als der Reiche und der Herr nicht anders als der Knecht geprüft; denn wir alle kommen auf demselben Wege ins Leben. Und wenn Alle auf demselben Wege in dieses gebrechliche und hinfällige Leben kommen, wie viel mehr zu jenem unsterblichen und ewigen?
Nachdem also die Familie des Erlösers gereiniget war und den Gesang des Heiles gesungen hatte, empfing sie gegen das Gift der alten Schlange das Heilmittel des Symbolums, damit der Erlöste, wenn etwa der Widersacher, der Teufel, auf neue Nachstellungen sinnt, demselben mit dem Geheimnisse des Symbolums und mit der Fahne des Kreuzes entgegentrete. Es soll der Christ, über dessen Unterdrückung der ruchlose Teufel früher boshaft triumphirt hatte, in dieser Waffenrüstung leicht den Sieg erringen. Hauptsächlich deßhalb ist der Teufel unser Gegner geworden, weil er Diejenigen frei sieht, die er früher gefangen hielt, weil er Jene gesund erblickt, die er mit seinen Geschoßen verwundet und niedergeworfen hatte, weil er Jene mit Unsterblichkeit bekleidet sieht, die er durch Verführung zur Ungerechtigkeit ausgeplündert hatte, und weil „seine Mäusefallen zerbrochen und wir frei geworden sind. Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.“ Wenn aber unsere Hilfe im Namen des Herrn ist, so laßt uns dem Teufel, seiner 381 Pracht und seinen Engeln widersagen! Das habt ihr gehört, und das habt auch ihr gelobt, daß ihr widersaget dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln. Sehet, Geliebteste, dieß euer Gelöbniß bringet ihr an den englischen Hof; denn die Namen der Gelobenden werden nicht von einem Menschen, sondern von einer höhern himmlischen Macht ins Buch des Lebens eingetragen.
Beste Rekruten Gottes, tapfere Soldaten Christi! Indem ihr die Waffen der Sakramente ergreifet, kündiget ihr dem Teufel den Krieg an; indem ihr seinen Werken widersaget, fordert ihr seine Wuth um so heftiger gegen euch heraus. Aber ein Streiter Christi fürchte sich nicht; denn ihr werdet mit Christus selbst bekleidet werden, um durch ihn euern Widersacher, den Teufel, schnell zu besiegen! Mir welchen Waffen kämpft dieser? Zwei sehr starke Arten von Waffen hat er, gegen die jeder Streiter Christi wachsam und tapfer Stand halten muß, wenn er zu triumphiren wünscht und die Macht des Teufels überwältigen will. Was sind das für zwei Arten von Waffen? Lust und Furcht. Die Einen gewinnt er durch Lust, und die Andern bricht er durch Furcht. Auch unsere Schlachtreihe ermanne sich und ziehe die geistigen Waffen! Gegen die Furcht des Teufels diene die heilige Furcht des Herrn, die währet für und für. Gegen die Lust der schändlichsten Ergötzung mangle uns nicht das Vertrauen zum Gebete! Und warum fürchtet sich 382 ein Christ, da er zu einem solchen Gebete, zu einer solchen Zuversicht und zu solchem Vertrauen ermahnt wird, daß er sagt: „Der Herr ist mein Helfer, und ich werde meine Feinde verachten“? Ihr wisset jedoch, Geliebteste, daß der Teufel mehr Gefangene macht durch Lust als durch Furcht. Denn warum stellt er täglich die Mausefalle der Schauspiele, den Wahnsinn der Parteileidenschaften und schändlichen Vergnügungen auf, als um durch diese Ergötzlichkeiten die Verlorenen wieder zu fangen und sich über die Wiedergewinnung der Entkommenen zu erfreuen?