Weil wir besprochen haben, wie tief der Allerhöchste unsertwegen niederstieß, so wollen wir auch besprechen, wie er das von uns Angenommene in den Himmel erhöhte, zur Rechten des Vaters stellte und uns ein sicheres Unterpfand unseres Glaubens gab. In Folge dessen können die Glieder wegen des Hauptes sicher sein und dürfen hoffen, daß auch sie zu ihm gelangen können, der nach ihrem Glauben zur Rechten des Vaters sitzt. „Er wurde in den Himmel aufgenommen.“ Glaubet nicht, Geliebteste, daß dieses Sitzen auf menschlichen Gliedern erfolge, als sitze der Vater zur Linken, damit der Sohn zur Rechten sitze, andern verstehet unter der Rechten die Macht, die der von Gott 406 angenommene Mensch erhielt, damit er komme, um zu richten, da er früher gekommen war, um gerichtet zu werden. Deßhalb fuhr er zum Himmel empor, damit der Glaube seine Aufgabe erfülle; denn man findet, daß Dieses vom Propheten David vorhergesagt worden ist. Dieser sagt nämlich: „Die Versammlung der Völker wird dich umgeben, ihretwegen kehre in die Höhe zurück; der Herr richtet die Völker.“ Er sagt also: Weil du in der Knechtesgestalt bis zur Schmach des Kreuzes erniedriget worden bist und von Denjenigen, die dich am Kreuze sahen, Einige glaubten und Viele zweifelten, so kehre nach deiner Auferstehung von den Todten in die Höhe zurück und würdige dich über die Himmel emporzusteigen, damit die Menge des gläubigen Volkes sich durch den Glauben in Einigkeit versammle, auf daß der Glaube sie zum Schauen führe. Denn das ist die Kraft deiner Allmacht, daß du in den Gläubigen mehr vermagst, wenn deine Abwesenheit in der angenommenen Menschheit von ihnen gefühlt wird. Übrigens gehst du nach der Gegenwart deiner Majestät niemals aus den Herzen deiner Gläubigen. Sehet aber, Geliebteste, was uns Derjenige geschenkt hat, „der aufgefahren ist in die Höhe, die Gefangenschaft gefangen geführt und Gaben den Menschen ausgetheilt hat.“ Sehet, was er uns geschenkt hat. Er kam wunderbar, er wuchs wunderbar, er wirkte viele Wunder, die wir oben erwähnt haben, und er, das ewige Heil, verlieh vielen Menschen Heil. Der unsere Schwachheiten auf sich nahm, heilte viele und verschiedene Krankheiten. Auch damals war er von einer Menge Völker umgeben, die nicht der Glaube, sondern die Neugierde der Augen herbeigeführt hatte. Schließlich lobten Viele die gesehenen Wunder, Andere aber verkleinerten sie. Daher 406 stammt die Verleumdung, daß er „die Teufel in Belzebub, dem Obersten der Teufel, ausgetrieben habe.“ Obgleich er so große Wunder wirkte, wurde er verachtet; aber er wurde nicht bloß unterschätzt, sondern auch noch obendrein getödtet. Nur deßhalb sammelte er die Zahl der Auserwählten nicht durch seine eigene Gegenwart, weil Alles erfüllt werden mußte, was von ihm geschrieben stand. Denn bei jenen Vorgängen wurden dieselben von ihm selbst schon vorbereitet und die Gefangenschaft gefangen geführt. Man wartete, daß der Herr auffuhr und seine Gaben austheilte. Welche Gaben? Jene Gaben, welche die Jünger empfingen, welche Petrus empfing, durch die Petrus bestimmt wurde, für den Abwesenden zu sterben, den er in seiner Gegenwart aus Verzweiflung verläugnet hatte. Sehet, was derselbe Petrus in seinem Briefe sagt, was er aus jener Gnadengabe des hl. Geistes ergießt! „Da ihr an Denjenigen, den ihr nicht sehet, glaubt, so freuet euch mit unaussprechlicher Freude.“ Auch wir wollen uns freuen, indem wir an Jenen glauben, den wir nicht sehen, damit wir ihn gewiß sehen, wenn wir zu ihm gelangen. Er wird auch selbst kommen, aber nicht so, wie er früher gekommen ist.