Die hl. Kirche, welche die bindende Kraft dieses Sakramentes ausschließlich besitzt, ist Mutter und Jungfrau von keuschem Leibe und fruchtbar an Nachkommenschaft, sie, die oben geschilderte Braut nährt in frommer Anhänglichkeit die Söhne, die sie Gott dem Vater als würdig übergeben will. Als gute Söhne liebet eine solche Mutter, als gute Söhne verlasset sie nicht, die euch täglich sucht; vergeltet ihr Gleiches mit Gleichem und liebet die Liebende. Sie ist groß und liebreich, edel und fruchtbar an königlicher 422 Nachkommenschaft! Lasset sie nicht durch die Beleidigungen und die Nachstellungen schlechter Söhne und grundverderbter Sklaven zerreissen, führet die Sache euerer Mutter, vertretet ihre hocherlauchte Würde! Ein schlechter Sklave verhöhne nicht die Herrin, ein häretischer Arianer verspotte nicht die Kirche! Er ist ein Wolf, erkennet ihn. Er ist eine Schlange, zertretet ihr den Kopf! Er schmeichelt, aber er täuscht; er verspricht viel, aber er betrügt. „Kommet,“ sagt er, „ich werde euch schützen, ich werde euch die nothwendige Nahrung verabreichen, ich will eure Blöße bekleiden, ich will euch Geld geben und für Jeden eine tägliche Gabe festsetzen.“
O böser Wolf, o ruchlose Schlange, o nichtswürdiger Knecht! Die Herrin trittst du mit Füßen, die wahre Mutter bekämpfest du, du bläst Christus aus und taufst einen Katholiken wieder, und was noch das Schlimmste an deiner Kunst ist, du unterdrückst die Einen durch Gewalt, um sie zu verderben, und die Andern kaufst du um Geld, um sie zu tödten. Deßhalb also, Häretiker, bekleidest du einen Nackten, um ihn, der mit Christus bekleidet ist, zu berauben? Deßhalb speisest du einen Hungernden, um der Seele die himmlische Nahrung zu entreissen? Deßhalb zahlst du Geld, 423 damit dir jene Menschen Christus zum Wiedertaufen verkaufen, wie ihn Judas den Juden zum Kreuzigen verkaufte? „Dein Geld sei mit dir zum Verderben.“ Schlechteres thust du, Häretiker, als der Jude that. Obgleich der Jude Christus mit Geld erkaufte, um ihn zu tödten, so durchbohrte er doch nur einmal die Seite des am Kreuze Hängenden, den ganzen Leib aber bewahrte er unversehrt. Du hingegen kaufst ihn täglich um Geld, um die verschiedenen Glieder des im Himmel Sitzenden zu zerreißen. Ihr aber, Geliebteste, die ihr von Anfang an von den Brüsten der hl. Mutter, der Kirche, genährt und von ihr bis zur festen Speise gebracht worden seid, bleibet in ihr . Wenn einer ihre Zucht oder eine Rüge mit Unwillen ertrug und zornig hinwegging, so erkenne er sie dennoch als Mutter und kehre gerne zu ihr zurück. Diese nimmt ja auf, was sie sucht, und freut sich, daß der verlorene Sohn bekehrt worden sei. Wenn sie aber über die Bekehrung eines verlorenen Sohnes große Frende hat, so preist sie doch ohne Unterlaß die würdevolle Beständigkeit jener Söhne, die bei ihr verbleiben. 427