Eusebius von Caesarea · De martyribus palaestinae · Kapitel 10
Schon war nach so vielen Großtaten der edlen Märtyrer Christi die Glut der Verfolgung schwächer geworden und gleichsam durch ihr heiliges Blut gelöscht; schon war auch denen, die in der Thebais um Christi willen in den dortigen Bergwerken arbeiten mußten, Erleichterung und Freiheit gewährt worden; schon begannen 295wir ein wenig aufzuatmen in freier Luft, — da entbrannte der Haß des Mannes, der die Macht zur Verfolgung überkommen, aus irgend einer Veranlassung, ich weiß nicht wie es kam, aufs neue gegen uns. Auf einmal gingen wiederum überall Edikte des Maximin gegen uns durchs Land und die Statthalter in seiner Präfektur und der Praefectus praetorio trieben noch durch Bekanntmachungen, Schreiben und öffentliche Erlasse in allen Städten die Logisten und mit ihnen die Strategen und Tabularier an, das kaiserliche Edikt zur Ausführung zu bringen, das da bestimmte: Es seien mit allem Eifer die verfallenen Göttertempel wieder aufzubauen und es sei dafür Sorge zu tragen, daß allenthalben alles, Männer mit Frauen und Gesinde, ja mit den Kindern an der Mutterbrust, Rauch- und Trankopfer bringe und gewissenhaft von den Opfergaben koste; alle Waren auf dem Markte seien mit Opferwein zu besprengen und vor den Bädern seien Wärter aufzustellen, um also diejenigen, die dort sich reinigten, durch die ruchlosen Götteropfer zu beschmutzen. Infolge der Durchführung dieser Bestimmungen erfaßte die Unsrigen begreiflicherweise von neuem große Besorgnis. Aber auch die unserm Glauben ferne stehenden Heiden tadelten dieses ungewöhnliche Vorgehen als drückend und sogar maßlos. Denn auch ihnen schien es abscheulich und töricht zu sein. Ein gewaltiger Sturm erhob sich allenthalben gegen uns alle. Doch da hauchte die göttliche Kraft unseres Erlösers wiederum denen, die für sie kämpften, solchen Mut ein, daß sie, ohne von jemand hierzu veranlaßt oder gedrängt zu sein, die Drohungen der so Mächtigen verachteten. Einst opferte der Statthalter den Göttern, da scharten sich plötzlich drei Männer aus der Zahl der Gläubigen zusammen, stürmten auf ihn los und riefen ihm zu, abzulassen von seinem irrigen Tun: denn es gebe keinen andern Gott als den Schöpfer und Bildner des Weltalls. Auf die Frage, wer sie seien, bekannten sie sich mutig als Christen. Darüber noch mehr gereizt, ließ sie Firmilian sofort, ohne die Folter an ihnen zur Anwendung zu bringen, zur Enthauptung 296abführen. Der eine von ihnen mit Namen Antoninus war schon älter, der zweite hieß Zebinas und stammte aus Eleutheropolis, und der dritte führte den Namen Germanus. Ihre Hinrichtung fand am dreizehnten des Monats Dios, an den Iden des November, statt. Am gleichen Tage wie sie schied ein Weib aus der Welt, Ennathas, von Skythopolis gebürtig, ebenfalls mit der Binde der Jungfrau geschmückt. Sie hatte nicht das gleiche getan, war vielmehr mit Gewalt fortgeschleppt und vor den Richter gebracht worden, nachdem sie schon vorher Geißelung und brutale Gewalttätigkeit über sich hatte ergehen lassen müssen. Einer von den Chiliarchen, der in ihrer Nähe gestanden war, hatte sich erfrecht, sie ihr anzutun, noch dazu ohne Ermächtigung von Seiten der vorgesetzen Behörde, ein Mann, Maxys mit Namen, aber noch schlimmer als der Name sagt, überhaupt frevelhaft, seiner äußeren Erscheinung nach auffallend stark, seines ganzen Wesen nach brutal und deshalb bei allen, die ihn kannten, verrufen. Er fand seine Freude daran, die Selige völlig entkleidet, so daß sie nur noch von den Hüften bis zu den Füßen eine Bedeckung trug, sonst aber am ganzen Körper nackt war, in der ganzen Stadt Cäsarea umherführen, über alle Hauptplätze schleppen und dazu mit Riemen peitschen zu lassen. Nach so vielen Leiden zeigte sie ihre heldenmütige Standhaftigkeit auch vor dem Richterstuhl des Statthalters. Der Richter ließ sie lebendig verbrennen. Die Wut dieses Mannes gegen die Christen steigerte sich bis zur Unmenschlichkeit. Nicht einmal die Gesetze der Natur achtete er und schämte sich nicht, dem entseelten Leibe der heiligen Männer das Begräbnis zu verweigern. So ließ er die 297Toten unter freiem Himmel den wilden Tieren zum Fraße vorwerfen und deshalb Tag und Nacht sorgfältig bewachen. Und tatsächlich konnte man mehrere Tage lang eine ziemliche Anzahl von Männern sehen, die sich zur Ausführung dieses tierischen und barbarischen Befehles hergaben. Sie standen, wie wenn’s eine Sache wäre, die ihre Sorgfalt verdiente, in einer gewissen Entfernung Wache, damit die Leichname nicht gestohlen würden; wilde Tiere, und Hunde und fleischfressende Vögel verschleppten die menschlichen Gebeine dahin und dorthin, und die ganze Umgebung der Stadt war mit menschlichen Eingeweiden und Knochen bestreut, so daß auch all denen, die uns sonst feindlich gegenüber gestanden waren, nie etwas so schrecklich und grauenhaft vorgekommen war. Sie bedauerten dabei nicht so fast das Unglück derer, denen solches widerfahren war, als den Frevel an ihrer eigenen und der allen gemeinsamen Natur, der darin lag. Denn ganz nahe an den Toren der Stadt bot sich ein Schauspiel, das alles übertrifft, was man beschreiben oder aus dem Munde eines Tragikers hören kann: Das Fleisch von Menschen wurde nicht nur an einem Orte verzehrt, sondern überall hin zerstreut; ja einige behaupteten, auch innerhalb der Tore ganze Knochen und Fleischstücke und Teile von Eingeweiden gesehen zu haben. Das dauerte mehrere Tage so fort, als sich ein merkwürdiges Vorkommnis ereignete. Die Luft war heiter und klar und herrlichstes Wetter am ganzen Himmel. Da fingen auf einmal die meisten Säulen in der Stadt, welche die öffentlichen Hallen trugen, an, Tropfen wie Tränen zu vergießen, und die Plätze und Straßen waren, ohne daß ein Tropfen Regen vom Himmel gefallen wäre, ich weiß nicht woher, von Wasser besprengt und durchnäßt. Allgemein verbreitete sich infolgedessen das Gerücht, die Erde habe auf geheimnisvolle Art Tränen vergossen, weil sie die Pietätlosigkeit jener Vorkommnisse nicht mehr zu ertragen vermochte, und zur Beschämung der gefühllosen und mitleidslosen Natur von Menschen hätten Steine und die unbelebte Materie über das Geschehene geweint. Wohl weiß ich, daß dieser Bericht unsern Nachkommen vielleicht als Gerede und Fabel erscheinen 298wird, aber nicht ist er’s denen, die damals Gelegenheit hatten, sich von der Wahrheit zu überzeugen.
Als zweiter nach Pamphilus schritt zum Kampfe Valens, ein Diakon aus Älia, mit ehrwürdigen grauen Haaren, schon dem Äußern nach ein verehrungswürdiger Greis. Die göttlichen Schriften kannte er wie kaum ein anderer. Er hatte sich soviel von ihnen dem Gedächtnisse eingeprägt, daß er die Handschriften nicht nachzusehen brauchte, welche Stellen auch immer er von der Schrift, die er gerade anzog, zitierte. Als dritter unter ihnen war zu bemerken Paulus aus der Stadt Jamnia, ein kühner Feuergeist, der schon vor seinem Martyrium Brennung mit glühenden Eisen ertragen und so den Bekenntniskampf gekämpft hatte. Die Genannten hatten bereits zwei volle Jahre im Gefängnisse zugebracht, als eine neuerliche Ankunft von Brüdern aus Ägypten, welche mit ihnen den Martertod finden sollten, Anlaß zu ihrem eigenen Martyrium gab. Diese hatten nämlich die nach Cilicien verwiesenen Bekenner bis vor die dortigen Erzbergwerke begleitet und waren nun auf dem Heimwege. Ähnlich wie die früher Erwähnten wurden auch sie schon an den Toreingängen der Stadt Cäsarea von den Wachen befragt, wer sie seien und 301woher sie kämen, und als sie nichts von der Wahrheit verschwiegen, wie auf frischer Tat ertappte Verbrecher festgenommen. Es waren ihrer fünf an der Zahl. Als sie auch vor dem Tyrannen, vor den sie geführt wurden, ein freimütiges Geständnis abgelegt hatten, wurden sie sofort in das Gefängnis geworfen. Am folgenden Tage, am sechzehnten des Monats Peritios führte man sie auf Befehl zugleich mit Pamphilus und seinen genannten Gefährten vor den Richter. Zuerst waren es die Ägypter, deren unüberwindliche Standhaftigkeit er durch mannigfache Arten von Martern und durch Ersinnung von neuen und verschiedenartigen Folterungsmitteln auf die Probe stellte. Als er den Wortführer von allen die Probekämpfe hatte ausfechten lassen, fragte er ihn zunächst, wer er sei, bekam aber statt des eigentlichen Namens einen Prophetennamen zu hören; — und das geschah von Seiten aller, weil sie an Stelle der ihnen von den Eltern gegebenen Namen, die vielleicht mit dem Götzendienst zusammenhingen, sich diese beigelegt hatten. So konnte man hören, wie sie sich Elias und Jeremias und Isaias und Samuel und Daniel nannten und sich demgemäß nicht bloß durch die Tat, sondern auch durch das Tragen entsprechender Namen als „den Juden im Geiste“, also „einen echten und unverfälschten Israeliten Gottes“ zu erkennen gaben —. Firmilianus, der von dem Märtyrer diesen Namen hörte, die Bedeutung des Wortes aber nicht verstand, fragte weiter, welches denn seine Vaterstadt sei. Und abermals gab der Märtyrer eine Antwort, die zur vorigen paßte: er erklärte, Jerusalem sei seine Heimat. Er dachte dabei an jenes Jerusalem, von dem bei Paulus die Rede ist: „Das Jerusalem, das oben ist, ist die Freie und sie ist unsere Mutter“ und „Ihr seid hinzugetreten zum Berge Sion, zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem“. Das meinte er. Der 302Richter aber dachte an eine Stadt auf der Erde, die auf dem Boden stehe und gab sich viele Mühe zu ermitteln, was das für eine Stadt sei und wo sie liege, und griff dann auch zu Foltern, damit er die Wahrheit gestehe. Aber obwohl dem Märtyrer die Hände rückwärts ausgerenkt und die Füße in bestimmte neue Maschinen gepreßt wurden, blieb er dabei, die Wahrheit gesagt zu haben. Und als der Richter zu wiederholten Malen fragte, was das für eine Stadt sei, von der er rede, und wo sie liege, erklärte er immer wieder, sie sei nur die Heimat der Christen; niemand anderer als sie allein hätte ein Recht darauf und sie liege im Osten, gegen Sonnenaufgang zu. So philosophierte er nach seinen Ideen fort, ohne nur irgendwie auf die Leute rings um sich zu achten, die ihn mit Foltern quälten; er schien von den Schmerzen gar nichts zu fühlen, wie wenn er kein Fleisch, überhaupt keinen Körper hätte. Der Richter aber in seiner Verlegenheit wurde ungeduldig, weil er glaubte, die Christen hätten jedenfalls irgendwo eine den Römern feindliche Stadt gegründet, und gab sich alle Mühe, sie zu erfragen und das genannte Land im Osten ausfindig zu machen. Allein trotzdem er den jungen Mann mit Geißeln blutig schlagen und mit allen möglichen Arten von Foltern quälen ließ, mußte er sehen, daß derselbe unabänderlich auf seiner früheren Aussage bestehen blieb, und verurteilte ihn deshalb zum Tode durch Enthauptung. Soviel Dramatik hatte das Martyrium dieses Bekenners gehabt. Die übrigen ließ er ähnliche Kämpfe bestehen und sie auf die gleiche Weise töten. Er war der Sache müde geworden und hatte in der Erkenntnis, daß die Männer nur erfolglos gemartert würden, auf die Erfüllung seines Wunsches verzichtet. Sodann wandte er sich an Pamphilus und seine Gefährten. Und da er erfahren hatte, daß sie ihre unüberwindliche Hingabe für den Glauben bereits im Foltern bewiesen hatten, fragte er sie nur, ob sie wenigstens jetzt noch gehorchen wollten. Allein er erhielt von einem jeden von ihnen nur die frühere Erklärung des Bekenntnisses, wie er es während des Martyriums abgelegt, und verhängte infolgedessen über sie die gleiche Strafe wie über die vorigen. Als sie dessenthalben 303abgeführt waren, verlangte ein junger Mann von der häuslichen Dienerschaft des Pamphilus, der wie ein rechtmäßiger Sohn bei dem so großen Manne Erziehung und Bildung genossen hatte, sobald er das Urteil über seinen Herrn erfuhr, mitten aus der Volksmenge heraus mit lauter Stimme, daß ihr Leib der Erde übergeben würde. Der Richter, kein Mensch, sondern ein Tier, ja wilder als ein Tier, erkannte weder die Berechtigung der Bitte an, noch übte er an dem Jüngling um seines Alters willen Nachsicht, sondern wie er auf seine Frage nur hörte, daß er sich als Christ bekenne, fuhr er, wie von einem Pfeil getroffen, in wildem Zorne auf, und befahl den Folterknechten, ihre ganze Kraft an ihm zu gebrauchen. Und wie er sah, daß er auf seinen Befehl zu opfern sich dessen weigerte, ließ er ihn, als ob es sich nicht um das Fleisch eines Menschen handle, sondern um Stein oder Holz oder sonst ein lebloses Ding, bis auf die Knochen und bis auf die tief und verborgen liegenden Eingeweide unausgesetzt zerfleischen. Trotzdem dies lange Zeit fortgesetzt wurde, mußte er schließlich das Vergebliche seiner Versuche einsehen; denn der Körper des Jünglings, der durch die Folterungen förmlich zermalmt war, blieb ohne einen Laut und ohne eine Regung des Schmerzes, fast möchte man sagen, völlig ohne Leben. Freilich, er verharrte in seiner unmenschlichen Unbarmherzigkeit und ließ den Jüngling sofort, wie er war, einem weit ausgedehnten Feuer übergeben. Und so erlangte er, der zuletzt zum Martyrium gekommen, die Erlösung vom Leibe noch vor der Vollendung seines Herrn dem Fleische nach, weil diejenigen, die sich mit den ersteren zu beschäftigen hatten, immer noch zögerten. Da konnte man nun den Porphyrius sehen, wie er nach Art eines Siegers, der in allen heiligen Kämpfen den Siegespreis sich errungen, bestaubt den Körper, strahlend das Antlitz, nach solchen Kämpfen mutigen und freudigen Sinnes den Weg zum Tode 304schritt, wahrhaftig voll des göttlichen Geistes, nach Philosophenart nur mit dem Mantel bekleidet, den er wie eine Exomis umgeworfen trug. Man konnte ihn sehen, wie er mit Ruhe und Überlegung seinen Bekannten noch für das, was er wünschte, Aufträge gab, und ihnen zuwinkte; wie er selbst am Pfahle noch die Heiterkeit seines Antlitzes bewahrte, ja als der in einer großen Entfernung rings um ihn errichtete Holzstoß von außen in Brand gesteckt worden war, bald von dieser, bald von jener Seite die Lohe mit dem Munde einzuziehen suchte und aufs mutigste bis zum letzten Atemzuge in Stillschweigen verharrte. Nur einen einzigen Laut hatte er noch ausgestoßen, als die Flamme ihn faßte: er hatte Jesus, den Sohn Gottes, um Beistand angefleht. Das war das Martyrium des Porphyrius. Derjenige, der die Nachricht von seinem Tode dem Pamphilus übermittelte, Seleukus, ein Bekenner aus dem Heere, wurde als Überbringer einer solcher Nachricht sofort des gleichen Loses gewürdigt wie sie. Denn kaum hatte er den Tod des Porphyrius gemeldet und einen der Märtyrer mit einem Kusse begrüßt, als ihn Soldaten ergriffen und vor den Statthalter führten. Und dieser ließ ihn sofort enthaupten, gleich als ob er ihn drängen wollte, die vorigen noch auf ihrer Fahrt in den Himmel zu begleiten. Er stammte aus dem Lande der Kappadozier und hatte es unter der auserlesenen Jungmannschaft im Heere und unter denen, die römische Grade bekleideten, zu nicht geringem Range gebracht. An körperlicher Jugendkraft, an Größe und Stärke übertraf er bei weitem alle seine Mitsoldaten, so daß schon sein Äußeres allgemeines Staunen hervorrief und seine ganze Gestalt um ihrer Größe und Schönheit willen verdiente Bewunderung 305fand. Er hatte sich bereits bei Beginn der Verfolgung in den Kämpfen um das Bekenntnis ausgezeichnet, indem er Geißelungen ertrug, hatte dann nach seinem Ausscheiden aus dem Heeresdienst sich der Nachfolge derer gewidmet, die den Übungen der christlichen Religion lebten, und sich wie ein Vater und Vormund als Hort und Helfer von verlassenen Waisen, hilflosen Witwen und der in Not und Elend Schmachtenden erwiesen. Begreiflich, daß er von dem Gotte, der an solchen Dingen ein größeres Wohlgefallen hat als an dem Duft und Blut der Schlachtopfer, der wunderbaren Berufung zum Martyrium gewürdigt ward. Als zehnter Kämpfer starb er mit den Vorgenannten an einem und demselben Tag, an dem, wie es scheint, durch das Martyrium des Pamphilus, entsprechend dem Verdienste dieses Mannes, ein sehr großes Tor geöffnet und so der Zugang zur Pforte des Himmelreiches ihm und damit auch andern leicht geworden war. Dem Seleukus auf dem Fuße folgte Theodulus, ein ehrwürdiger und frommer Greis, einer von den Dienern des Statthalters, den Firmilian höher als alle im Hause geschätzt hatte, teils wegen seines Alters und deshalb, weil er Vater dreier Generationen war, teils wegen der Anhänglichkeit und treuen Gesinnung, die er ihnen bewahrt. Er tat das gleiche wie Seleukus und wurde deshalb vor seinen Herrn geführt; und da er diesen noch mehr als die Vorausgehenden in Zorn brachte, mußte er das Martyrium des Leidens des Erlösers auf sich nehmen: er wurde an das Kreuz geschlagen. Als danach noch einer fehlte, um bei den genannten Märtyrern die Zwölfzahl vollzumachen, da war es Julianus, der sie ergänzen sollte. Er war eben von einer Reise heimgekehrt und hatte die Stadt noch nicht betreten, als er sogleich, wie er noch vom Wege her war, von den Vorgängen Kunde erhielt und hineilte, um die Märtyrer zu sehen; und wie er die Leiber der Heiligen auf der Erde liegen sah, umfaßte er voll Freude jeden von ihnen und küßte sie alle. Während dieses Tuns ergriffen ihn die Henker und führten ihn vor Firmilianus. Und dieser blieb sich in 306seinem Verfahren getreu und ließ auch ihn einem weit ausgedehnten Feuer übergeben. Und so wurde auch Julianus der Krone der Märtyrer gewürdigt: vor Freude hüpfte und sprang er und dankte mit lauter Stimme dem Herrn für die so große Gnade. Auch er war seiner leiblichen Abstammung nach Kappadozier, seinem Charakter nach außerordentlich fromm, treu und wahr, dabei auch eifrig in allen andern Dingen; ein Hauch des Heiligen Geistes ging von ihm aus. So geartet war die Schar der Gefährten, die da gewürdigt wurden, zugleich mit Pamphilus zum Martyrium einzugehen. Vier Tage und ebensoviel Nächte wurden auf Befehl des gottlosen Statthalters die gottgeweihten und wirklich heiligen Leiber den Tieren zum Fraße vorgeworfen; aber merkwürdig, kein wildes Tier, kein Vogel, kein Hund machte sich an sie heran; unversehrt nach Anordnung der göttlichen Vorsehung, wurden sie weggebracht, erhielten die ihnen gebührende Bestattung und wurden an dem gewöhnlichen Begräbnisplatze beigesetzt. Noch wurde der Eindruck, den ihr Geschick gemacht, in aller Leute Mund besprochen, als Adrianus und Eubulus, von einem Orte, der Batanäa heißt, zu den noch übrigen Bekennern in Cäsarea kamen; am Tore wurden sie ebenfalls nach der Veranlassung ihres Kommens gefragt; als sie die Wahrheit gestanden, wurden sie vor Firmilianus geführt. Und dieser verhängte über sie verschiedene Folterungen an den Seiten und verurteilte sie wieder nach seiner Art ohne jeden Aufschub zu den wilden Tieren. Nach zwei Tagen wurde Adrianus am fünften Tage des Monats Dystrus, am dritten Tage vor den Nonen des März, am Geburtsfeste der in Cäsarea nach altem Herkommen verehrten Tyche, einem Löwen vorgeworfen und fand danach durch Enthauptung mit dem 307Schwerte seine Vollendung. Zwei Tage später, an den Nonen selbst, also am siebenten Tage des Monats Dystrus, wurde Eubulus den wilden Tieren vorgeworfen und dann ebenso wie sein Vorgänger enthauptet. Der Richter hatte gar sehr in ihn gedrungen, zu opfern und sich dadurch die Freiheit, die sie meinen, zu gewinnen Er aber zog den herrlichen Tod für den Glauben dem vergänglichen Leben vor. Als letzter der Märtyrer in Cäsarea drückte er den Kämpfern das Siegel auf. Als erwähnenswert ist hier noch anzuführen, daß, als bald darauf die Strafe der göttlichen Vorsehung mit den Tyrannen selbst die gottlosen Statthalter traf, mit den andern auch derjenige, der die Märtyrer Christi so schlimm behandelt hatte, Firmilianus, die Todesstrafe erlitt und durch das Schwert sein Leben endete. So verliefen die Martyrien, die in Cäsarea während der ganzen Zeit der Verfolgung sich abgespielt.