Eusebius von Caesarea · De martyribus palaestinae · Kapitel 6
Zu derselben Zeit und in denselben Tagen mußte auch in Tyrus ein junger Mann, namens Ulpianus, schreckliche Mißhandlungen und fürchterliche Geißelungen ertragen und wurde sodann zugleich mit einem Hund und einer Aspis, der giftigen Schlange, in eine rohe Rindshaut eingenäht, in das Meer geworfen; aus diesem Grunde glaubten wir berechtigt zu sein — im Zusammenhang mit dem Martyrium des Apphianus — auch ihn zu erwähnen. Das Schicksal des Apphianus teilte bald darauf Ädesius, sein Bruder nicht nur im Herrn, sondern auch der leiblichen Abstammung nach: er hatte den gleichen Vater. Oftmals hatte er seinen Glauben bekannt, lange Zeit die Leiden des Kerkers getragen und war durch den Spruch des Statthalters in die Bergwerke von Palästina gesandt worden. Dabei hatte er allezeit in ärmlichem Philosophenmantel ein philosophisches Leben geführt. Schließlich kam er nach Alexandrien. Er sah, 286wie der dortige Richter Christen aburteilte und sie gegen alles Recht behandelte, wie er bald angesehene Männer verschiedenfach misshandelte, bald durchaus ehrbare Frauen und reine Jungfrauen Bordellhaltern zu schmachvoller Entehrung übergeben ließ. Und da ihn diese Dinge unerträglich schienen, wagte er die gleiche Tat wie sein Bruder. Festen Schrittes trat er vor den Richter und überhäufte ihn in Worten und Tätlichkeiten mit Schimpf und Schande. Die verschiedenen Folterqualen, die darauf über ihn verhängt wurden, ertrug er aufs mannhafteste und fand schließlich wie sein Bruder den Tod im Meere. Dieser Vorfall spielte in der geschilderten Weise, wie schon bemerkt, kurze Zeit später.