Nachdem um das J. 319 Alexander wegen des sich erhebenden Arianismus eine Synode in Alexandrien gehalten, auf derselben den Arius und seine damaligen Anhängerl (11 Priester und Diakonen) ausgeschlossen hatte, berichtet er hierüber in einem encyklischen Schreiben an alle katholischen Bischöfe; dasselbe hat uns Sokrates (H. E.1. I. c. 6) aufbewahrt; daß auch P. Silvester ein solches erhielt, bestätigt P. Liberius im Briefe an den Kaiser Constantinus. Gewiß ist es nun, daß P. Silvester diesen Brief beantwortet und daß er überhaupt bezüglich des Arianismus und anläßlich des Concils von Nicäa viele Briefe erhalten und geschrieben hat, von denen wir leider gar Nichts mehr besitzen. 81
In den Acten des römischen Concils vom J. 378 wird berichtet, daß sich die versammelten Bischöfe an die Kaiser Gratianus und Valentinianus wandten, damit sie die Vertheidigung des von den Anhängern des Afterpapstes Urficinus schwer verleumdeten rechtmäßigen Papstes Damasus anhören mögen, und begründen ihre Bitte damit, daß auch P. Sylvester, als er von den Gottesräubern angeklagt wurde, seine Sache bei Kaiser Constantin vertheidiget habe. Coustant (p. 348) meint nun, dabei sei nicht an eine Klage der Dontisten zu denken; denn als Traditor sei Sylvester zugleich mit Marcellinus, Marcellus und Melchiades von den Donatisten erst im J. 411 beschuldigt worden, und hätten sie ihn bei Lebzeiten dieses Verbrechens angeklagt, so hätte er sich leicht aus den Acten beim Kaiser vertheidigen können; allein wer die unermüdliche Anklage- und Appellationswuth, möchte ich sagen, der Donatisten von einer Synode zur andern, zum Präfecten, zum Kaiser bedenkt, wird nicht für unmöglich halten, daß auch hier eine Klage der Donatisten zu Grunde lag. Sonst kann man eben gar Nichts angeben.
In dem von Angelo Mai edirten Werke des Leontius gegen die Monophysiten wird unter anderen Aussprüchen der hl. Kirchenväter und Lehrer auch folgender Satz aus den (Schriften) Sylvesters, Bischofs von Rom, gegen die Juden angeführt: 82
Von den zwei in Einem und demselben vereinigten Naturen verfiel zwar die eine der Schmach, die andere aber erwies sich über alles Leiden erhaben.
Hiezu bemerkt Card. Mai: „Beachten wir das verlorengegangene und ganz unbekannte Werk des hl. Papstes Sylvester; mit Recht also zählte ihn Leontius (de sectis act. IV. 4.) unter die Lehrer und Väter der Kirche.„ — Jedenfalls findet hierin die oben erwähnte angebliche Disputation mit den Juden ihre Erklärung.
In dem gleichfalls von ihm edirten Spicilegium Romanum (tom. III. p. 700) gibt Mai nachträglich zu obigem Fragmente den Titel: „Aus der Entgegnung gegen die Juden“ und bringt aus einem arabischen Codex folgendes Bruchstück:
Sylvester, einer von den ersten Bischöfen Roms, sagt in der Disputation mit den Juden über unseren Erlöser Jesus Christus:
Wenn Jemand am Mittage, bei Sonnenschein, einen Baum fällen wollte, würde da nicht die Axt den Baum treffen, da er ganz von der Sonne umkleidet ist? Gewiß, sagt Noë. Hierauf fügte Silvester hinzu: Ist es möglich, daß die Sonne getroffen oder gefällt wird, da sie doch die Axt und den Baum gänzlich umgiebt ? So also ist in Christus, der Leib zwar der Baum, die Axt das Leiden, die Sonne die Gottheit. Es litt also Christus, ohne daß die Gottheit wegen des Leidens irgend eine Verminderung erlitten hätte.