Es steht ja viel geoffenbart in der göttlich inspirierten Schrift, was die zu beobachten haben, die Gott gefallen wollen. Doch ich mußte mich entschließen, nur über die augenblicklich Euch interessierenden Punkte mich zu äußern — in bündiger Zusammenfassung dessen, was ich aus der göttlichen Schrift selbst gelernt habe, wobei ich aber den leicht auffindbaren (Schrift-) Beleg für die einzelnen Forderungen aufzusuchen denen überlasse, die sich eigens mit der Schriftlesung abgeben und die in die Lage kommen, auch andere darauf aufmerksam zu machen.
Ein Christ muß einen seiner „himmlischen Berufung” würdigen Standpunkt haben und dem Evangelium Christi entsprechend leben. Ein Christ darf sich nicht aufregen, sich auch durch nichts vom Denken an Gott und dessen Gebote und Gerichte abbringen lassen. Ein Christ muß in allweg besser sein als das Gesetz erfordert; er darf nicht schwören noch lügen, nicht lästern noch schmähen, nicht streiten noch sich rächen; er darf nicht Böses mit Bösem vergelten noch zürnen. Er muß jede Art von Unbill großmütig ertragen, den Beleidiger im rechten Augenblick zur Rede stellen, doch nicht, um leidenschaftlich für sich Genugtuung zu fordern, sondern auf die Besserung des Bruders bedacht — nach dem Gebote des Herrn. Über einen abwesenden Bruder rede er nicht um ihn zu verunglimpfen, das wäre üble Nachrede, auch wenn das 52 Gesagte wahr ist. Er wende sich ab von dem, der gegen den Bruder solch üble Nachrede führt. Ein Christ darf keine Possen reißen, nicht lachen noch auch Witzereißer anhören. Er darf nicht unnütz reden noch etwas sagen, was weder zum Nutzen der Zuhörer ist noch auch dem notwendigen, von Gott uns verstatteten Bedürfnis entspricht. So sollen selbst die Arbeitenden — soweit möglich — in Stillschweigen zu arbeiten versuchen; gute Gespräche sollen bei ihnen anregen die, denen die Verwaltung des Wortes nach ihrer Bewährung anvertraut worden, damit der heilige Geist Gottes nicht betrübt werde. Wenn einer daherkommt, so darf er sich nicht (ohne weiteres) nahen oder mit einem der Brüder sprechen, bevor die, welche in allweg für eine gute Ordnung zu sorgen haben, geprüft haben, ob es Gottes Wille ist und zum allgemeinen Wohle. Der Christ darf nicht dem Weine ergeben sein, noch leidenschaftlich den Fleischgenuß lieben, darf überhaupt für keine Speise, kein Getränk eine Vorliebe haben; denn wer kämpft, beherrscht sich in jeder Beziehung. Von dem, was jeder zum Nießbrauche erhält, darf keiner etwas als sein Eigentum behalten oder auch nur aufbewahren), vielmehr muß er für alles Sorge tragen wie für Herrengut, darf nichts von dem, was auch etwa beiseite geworfen oder vernachlässigt wird, übersehen. Keiner soll sein eigener Herr sein, sondern jeder soll in allweg so denken und handeln, als wäre er von Gott verpflichtet zum Dienst gleichgesinnten Brüdern gegenüber — und zwar jeder an seinem Platze.