Ephräm der Syrer · Proben katholischer Polemik aus des hl. Ephräm Reden gegen die Ketzer. · Buch 13 · Kapitel 6
6. Berufung der Heiden aus Liebe.
Weil ihr Weinstock bitterer war als jener von Sodoma und ihre Trauben bitterer als die von Gomorrha, so war 293 Derjenige gewiß nicht böse, welcher ihren Rebstock entwurzelte; denn mit Recht war dieser des Untergangs würdig. Aus Liebe pfrofte er den Zweig der Bittern auf die Zweige der Süßigkeit. Wenn nun der Bittere, da er mitten unter Süßigkeit weilte, wohl bezwungen werden konnte, der Saft seiner Bitterkeit aber dennoch hervorsprang und aufstieg, um den süßen Geschmack zu verdecken: wie und was wäre er allein geworden? Es schweige die Zunge, daß er nicht (besser werden) konnte! Gott kann ja die Nägel, die sie in ihn hineinschlugen, in seinen Gliedern abkürzen.
231Die Bibelstellen, worauf sich diese Worte beziehen, sind Gottes Klagen über das Volk Israel in V. Mos. 32, 32. Klagl. Jerem. 4, 6. Ezech. 16, 47. 48. Die Stelle kann übrigens auch so übersetzt werden: „Weil die Bitterkeit ihres Weinstocks vom Weinstocke Sodoms u. s. w. herkommt,“ und Dieß entspricht genau den Worten bei V. Mos.
232Vergleiche die Anmerkung 3 und 5 zu Nr. 5.
233D. i. wenn Gott ihm nicht Gelegenheit gegeben hätte, milder und süßer zu werden.
234Diese dunklen Worte bedeuten etwa: „Gottes Sohn kann den Bittern, dem jüdischen Volke, die Schuld seiner Kreuzigung barmherzig nachlassen und es zur Bekehrung bringen.“ Dieser Sinn paßt zu dem unmittelbar vorhergehenden Satze. Die lateinische Übersetzung lautet: „Quid? Num Deum dedecebat, clavos, quibus ipse sufixus fuerat, in tortorum membra congerere?“ Der Verfasser derselben [liest] d’nacre, während mir scheint dancare lesen zu sollen.