Bei vielen Königen aus dem Stamme David lesen wir, daß sie nicht wegen ihres persönlichen Verdienstes, sondern auf die Tugenden ihres Vaters David hin gerettet wurden, der wohlgefällig war in den Augen Gottes. Es wird da Asa, ein König von Juda, erwähnt, von dem geschrieben steht: „Asa handelte rechtschaffen vor dem Herrn wie sein Vater David“. Nachdem die Geschichte ihm reichlich Lob gezollt hat, heißt es zuletzt: „Aber die Höhenkultorte schaffte er nicht ab. Doch sein Herz war vollkommen vor dem Herrn alle Tage seines Lebens“. Er wird also gerecht genannt, ja sein Herz war sogar vollkommen vor dem Herrn, und doch hat er dadurch gefehlt, daß er nicht, wie Ezechias und Josias, die Höhenkultorte abgeschafft hat. — Elias, in dessen Geist und Kraft Johannes der Täufer kam, auf dessen Bitte hin Feuer vom Himmel herabfiel und des Jordans Fluten sich teilten, flüchtete aus Furcht vor Jezabel. Ermattet sank er in der Wüste unter einem Baume hin, und niedergebeugt vom Elend, 443 bat er um den Tod mit den Worten: „Es genügt mir, Herr. Nimm mein Leben, denn ich bin nicht besser als meine Väter!“ Wer könnte ihm die Gerechtigkeit absprechen? Und doch fürchtet er sich, er, ein Mann, nicht etwa ein Weib, und gerät in Gemütsverwirrung, die nicht schuldfrei sein kann, da David spricht: „Der Herr ist meine Hilfe, ich werde mich nicht vor den Anschlägen eines Menschen fürchten“. — Über Josaphat, den König von Juda, steht geschrieben: „Es war der Herr mit Josaphat, weil er auf den ersten Wegen seines Vaters David wandelte“. Hieraus läßt sich folgern, daß er mit David die anfängliche Gerechtigkeit, aber nicht die späteren Sünden gemein hatte. „Er setzte seine Hoffnung nicht auf die Baalim, sondern auf den Gott seines Vaters; er wandelte nach seinen Geboten und nicht nach den Sünden Israels. Der Herr aber befestigte das Reich in seiner Hand. Ganz Juda gab Josaphat Geschenke. Sein Geld und sein Reichtum wuchsen ins Unendliche, und er erntete reichliche Ehre. Und weil sein Herz kühn war um der Wege des Herrn willen, entfernte er auch aus Juda die Kultstätten auf den Höhen und in den Hainen“. Er war mit dem gottlosen Könige Achab verwandt. Als er nach einer Schlacht gen Jerusalem zurückkehrte, da kam ihm der Prophet Jehu, der Sohn Ananis, entgegen und sprach zu ihm: „Du leistest einem Bösewicht Hilfe und gehst Freundschaft ein mit solchen, die Gott hassen. Deshalb verdientest du wohl den Zorn des Herrn. Doch sind gute Werke an dir gefunden worden, weil du die Haine aus dem Lande Juda ausgerottet hast und dein Herz bereit war, den Herrn zu suchen“. Damit wir nicht auf den Gedanken verfallen möchten, die frühere Gerechtigkeit sei durch diese Sünde und die prophetischen Mahnworte aufgehoben worden, heißt es in der Schrift von seinem Nachkommen Ochozias, welchen Jehu in Samaria, wo er sich verborgen hatte, aufsuchen, 444 herbeiführen und töten ließ: „Sie begruben ihn, weil er ein Abkömmling Josaphats war, welcher dem Herrn von ganzem Herzen gedient hatte“. — Von Ezechias lesen wir: „Er tat, was gut war vor dem Herrn nach allem, was David, sein Vater, getan. Er rottete die Höhenkultorte aus, zerstörte die Bildsäulen, verbrannte die Haine und zertrümmerte die eherne Schlange, welche Moses verfertigt hatte“. Ferner : „Er vertraute auf den Herrn, den Gott Israels, und auf ihn folgte unter den gesamten Königen Judas keiner, der ihm gleich war, wie es auch vor ihm keinen solchen gegeben hat. Er schloß sich an den Herrn an und wandte sich nicht von ihm ab. Die Gebote, welche der Herr dem Moses aufgetragen hatte, beobachtete er. Gott war mit ihm, und in allem, was er sich vornahm, handelte er weise“. Als der Assyrerkönig Sennacherib alle Städte Judas erobert hatte, da ließ ihm Ezechias folgende Botschaft nach Lachis übermitteln: „Ich habe gefehlt, zieh ab von mir! Was du befiehlst, werde ich dir geben. Da legte der König von Assyrien dem Ezechias dreihundert Talente Silber und dreißig Talente Gold als Tribut auf. Ezechias gab alles Geld, welches sich im Hause des Herrn und in den königlichen Schatzkammern vorfand. Damals zerbrach er die Türflügel am Tempel des Herrn und die Füllungen, die er hatte mit Gold überziehen lassen, um alles dem Assyrerkönig zu geben“. Wenn seiner auch in so rühmender Weise gedacht wird, so trug er doch kein Bedenken, unter dem Drucke der Verhältnisse dem Assyrerkönig anzubieten, was er selbst dem Herrn geweiht hatte, und der Prophet verkündet ihm: „Ich will diese Stadt beschützen um meinetwillen und wegen meines Knechtes David“. Nicht deinetwegen, weil du in der oben erwähnten Weise gehandelt hast, wo doch 185 000 Mann des assyrischen Heeres durch die Hand des Engels gefallen sind.