Wir wollen kurz den Propheten Jeremias durchgehen und ihn mehr dem Sinne als dem Wortlaut nach anführen. Er sagt: „Gehet umher an den Ausgängen Jerusalems und suchet nach in seinen Straßen, ob ihr einen Mann finden könnet, der nach Treue und Gerechtigkeit lebt, und ich werde gnädig sein seinetwegen! Wenn sie auch sagen: So wahr der Herr lebt, so schwören sie doch falsch und beeiden die Unwahrheit“. Der Herr 455 verwirft die Gaben der Sünder und übergibt den Spendern die Speiseopfer mit dem Bemerken, er habe ihren Vätern bei dem Auszuge aus Ägypten nicht geboten, derartige Opfer darzubringen. Denn nicht, weil er selbst sie wollte, sondern mit Rücksicht auf den Götzendienst hat er sie verordnet, da er es vorzog, daß die Opfer ihm statt den Dämonen dargebracht würden. Alle zogen sich vom Herrn zurück, keiner war mehr, der für das Gute eintrat und Buße tat für seine Sünden. Sie folgten ihrem eigenen Willen, wie das Roß, das drauf und dran ist, sich in den Kampf zu stürzen. Sie spannen ihre Zunge wie einen Bogen, sie lügen in allem, und die Wahrheit findet sich nicht bei ihnen. Der Herr befiehlt auch, sich in acht zu nehmen vor den Nachstellungen der Feinde und niemandem unter den Mitmenschen zu trauen. Denn der einzelne stelle dem Freunde nach, und der Bruder falle der Täuschung des Bruders zum Opfer. Dies geschieht aber nicht infolge eines in der Natur wurzelnden Fehlers, sondern freiwillig. Denn sie haben ihre Zunge für die Lüge geschult und sich der Ungerechtigkeit dienstbar gemacht. „Wenn der Äthiopier“, so heißt es, „seine Hautfarbe und der Panther sein buntes Fell ändern wird, dann werdet auch ihr, nachdem ihr das Böse gelernt habt, das Gute wieder üben können“. Die Hautfarbe der Äthiopier und das gefleckte Fell des Pardels hängen also nicht von der Natur ab, sondern sie sind Gegenstand der Unterweisung und können gelernt und gelehrt werden. Dennoch kann das Laster, wenn das Übel fest eingewurzelt ist, nur von dem fortgenommen werden, dem alle Dinge möglich sind.