§ 17
Außerhalb des Paradieses nun erlitten Adam und sein Weib Eva viel schmerzliches Leid und Wirrsal. Voll Trauer, Mühsal und Seufzen war ihr Wandel auf dieser Welt. Denn unter den Strahlen dieser Sonne bebaute jetzt der Mensch die Erde und diese sproßte Dornen und Disteln zur Strafe der Sünde. Dort geschah auch, was geschrieben steht: „Adam erkannte sein Weib und sie empfing und gebar den Kain und nach demselben gebar sie den Abel“. Der empörerische Engel, welcher den Menschen zum Ungehorsam verleitet und zum Sünder gemacht hatte und damit die Ursache 595 seiner Vertreibung aus dem Paradiese geworden war, begnügte sich nicht mit dem ersten Unheil, sondern wirkte ein zweites unter den beiden Brüdern. Denn er erfüllte nun den Kain mit seinem Geiste und machte ihn zum Brudermörder. So starb Abel von der Hand seines Bruders. Das war das Zeichen, daß nachmals viele bedrängt, verfolgt und ermordet würden, indem die Gottlosen die Gerechten verfolgen und morden. Das vermehrte noch den Zorn Gottes. Er verfluchte den Kain und es geschah, daß das ganze von ihm stammende Geschlecht gemäß der Herkunft dem Erzeuger ähnlich wurde. Dem Adam erweckte Gott sodann einen andern Sohn an Stelle des ermordeten Abel.
§ 18
Die Bosheit gewann nun eine sehr weite Verbreitung und erfaßte das ganze Menschengeschlecht so sehr, daß nur sehr wenige Keime der Gerechtigkeit in ihm erhalten blieben. Dem Naturgesetz widerstrebende Verbindungen wurden auf Erden eingegangen. Engel verbanden sich mit den Töchtern der Menschen. Diese gebaren ihnen Söhne, welche wegen ihrer außerordentlichen Größe Riesensprossen genannt wurden. Als Gabe brachten diese Engel ihren Weibern die Anleitung zum Bösen mit. Sie lehrten sie die Kraft der Wurzeln und Kräuter, das Färben und das Schminken, die Erfindung wertvoller Stoffe, Mittel zur Beförderung der Anmut, zum Wecken des Hasses und der Liebe, Sicherungen der Lebensdauer, Hexenbünde, jegliche Gaukelei und gottverhaßten Götzendienst. Durch die Einführung dieser Dinge in die Welt fand die Sache der Bosheit Aufschwung und Verbreitung, Die [Sache] der Gerechtigkeit aber nahm ab und verkümmerte.
§ 19
596 Als durch die Sintflut das Gericht Gottes über die Welt erging im zehnten Geschlecht nach Erschaffung der Welt, fand sich so nur noch ein Gerechter: Noe. Durch seine Gerechtigkeit fand er für sich, sein Weib, für seine drei Söhne und die Weiber seiner Söhne Rettung, geborgen in der Arche mit allen Lebewesen, welche ihm Gott in die Arche hineinzuführen geboten hatte. Während alles zu Grund ging, Menschen und sonstige Lebewesen, die auf der Erde waren, wurden sie in der Arche erhalten. Die drei Söhne des Noe waren Sem, Cham und Japhet. Ihr Geschlecht gelangte wieder zur Vermehrung, denn sie sind der Ausgang für jene Menschen, welche nach der Sintflut lebten.
§ 20
Aber auch unter diesen verfiel einer dem Fluche und nur zwei erbten den Segen wegen ihrer guten Werke. Der jüngste von ihnen, Cham genannt, hatte seinen Vater verspottet. Wegen der Schmähung und Kränkung des Vaters in der ruchlosen Sünde verworfen, verfiel er dem Fluche; und dieser ging auf sein ganzes Geschlecht über, so daß alle seine Nachkommen zu Verfluchten wurden, in der Sünde heranwuchsen und sich vermehrten. Sem jedoch und Japhet, seine Brüder, gelangten wegen ihrer Ehrerbietigkeit gegen den Vater zum Segen. Das ist der Fluch über Cham, mit welchem ihn sein Vater Noe verfluchte: „Verflucht sei Chams Kind, er sei der Knecht seiner Brüder“. Er traf auch ein über seinem Geschlechte. Es brachte viele Nachkommen hervor und sie wuchsen bis zum vierzehnten Geschlecht der Reihe nach heran. Dann wurde ihr Stamm ausgetilgt von Gott, der mit ihnen ins Gericht ging. Denn die Kanaaniter, die Hethiter, die Phereziter, die Heviter, die Amorräer, die Jebusiter, die Gergesiter, die Sodomiter, die Araber und die Bewohner 597 Phöniziens, alle Ägypter und Lydier stammen aus Chams Geschlecht. Und diese verfielen dem Fluche, weil der Fluch über die Gottlosen sich weit hinausstreckte.
§ 21
Auf gleiche Weise wie der Fluch ging auch der Segen auf das Geschlecht derer über, die ihn gewonnen hatten, für jeden nach der Reihe. Zuerst von diesen wurde Sem mit den Worten gesegnet: „Gepriesen sei der Herr, der Gott Sems, und Cham soll sein Knecht sein“. Die Wirkung dieses Segens war, daß Sem besonders im Besitze der Gottesverehrung gegen den Herrn und Gott aller blieb. Dieser Segen wirkte fort und gelangte an Abraham, der aus Sems Geschlecht stammte und das zehnte Geschlecht in der Reihe darstellt. Deswegen gefiel es Gott, dem Vater aller, sich Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs nennen zu lassen. Denn bis auf Abraham erstreckte sich fortwirkend der Segen Sems. Der Segen über Japhet war dieser: „Gott möge es weit machen dem Japhet, er wohne im Hause Sems, Cham soll sein Knecht sein“. Folgendes ist seine Bedeutung: In der Fülle der Zeiten ließ Gott den vom Herrn Erwählten aus der Berufung der Heiden Segen erblühen, indem Gott die Berufung weit ausdehnte. So heißt es auch: „In alle Welt ist ihre Stimme ergangen, und bis an die Enden der Erde ihre Worte.“ Das „Weitmachen“ will ja die Berufung der Heiden sein, d. h. die Kirche. Und das: „er wohne im Hause Sems“, das bedeutet die Erbschaft von den Vätern in Jesus Christus durch Empfang des Rechtes der Erstgeburt. Gerade in der Reihe, in welcher ein jeder von 598 ihnen gesegnet wurde, empfingen sie nach der Ordnung in ihrer Nachkommenschaft die Frucht des Segens.
§ 22
Nach der Sintflut schloß Gott einen Bundesvertrag mit der ganzen Welt, insbesondere mit allen Lebewesen, mit den vernunftlosen und den Menschen. Derselbe bestimmte, daß nie mehr eine Sintflut alles vernichten solle, was auf der Welt erstanden ist. Dafür gab ihnen Gott ein Zeichen: „Wenn der Himmel von Wolken umhüllt wird, dann wird der [Regen] bogen in der Wolke erscheinen und ich werde meines Bundesvertrages gedenken; und nicht wieder werde ich alle sich regenden Lebewesen auf der Erde durch die Wasserflut vernichten“. Bezüglich der Nahrung der Menschen ließ er eine Änderung eintreten, indem er ihnen die Weisung erteilte, Fleisch zu genießen. Vom Urstammvater Adam ab bis zur Sintflut hatten die Menschen nämlich nur von Kräutern und Baumfrüchten sich genährt, Fleischnahrung jedoch war ihnen verwehrt gewesen. Da die drei Söhne des Noe zum Ausgangspunkt des Menschengeschlechts geworden waren, gab ihnen Gott den Segen zur Vermehrung und zum Wachstum und sprach: „Wachset und mehret euch, und erfüllet die Erde und herrschet über sie; Furcht und Schrecken vor euch beseele alle vernunftlosen Lebewesen und alle Vögel des Himmels; sie sollen euch zur Nahrung dienen gleich dem grünen Kraute. Allein Fleisch mit dem Blute des Lebens sollt ihr nicht essen, und euer Blut will ich zurückfordern von allen Tieren und von der Hand des Menschen. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll zur Vergeltung vergossen werden“. Denn nach Gottes Bild ist der Mensch gemacht, und das Bild Gottes ist der Sohn, nach dessen Bild der Mensch geworden ist. Deshalb erschien jener auch in der Fülle der Zeiten, um zu zeigen, wie das Abbild ihm ähnlich ist. Nach diesem Bunde mehrte sich das Menschengeschlecht, fortsprossend aus diesen dreien. Und eine Lippe, d. h. eine Sprache, war auf der Erde.
§ 23
Nun brachen sie aus dem Stammland im Osten auf und kamen bei ihrem Zuge über die Gegenden in 599 das Land Sinear, welches sehr weit sich erstreckte. Dort schickten sie sich an, einen Turm zu bauen. Sie wollten sich damit eine Möglichkeit schaffen, in den Himmel hineinzusteigen und bei den nachfolgenden Geschlechtern ein Denkmal an sich selbst voll Kraft in ihrem Werke hinterlassen. Der Bau wurde mit Backstein und Asphalt errichtet, und das kühne Unternehmen schritt voran, da alle einträchtig zusammenstanden, und die einheitliche Sprache ihrem Plan und Willen dienstbaren Ausdruck und Gehör verschaffte. Damit nun ihr Werk nicht noch weiter fortschritt, teilte Gott ihre Sprache, so daß sie einander nicht mehr verstehen konnten. So kam es zur Scheidung und sie zerstreuten sich auf die Länder, indem sie je nach den Sprachen scharenweise sich zusammentaten und in solchen Gruppen beisammen wohnten. Daher rührt die Mannigfaltigkeit der Völkerschaften und die Sprachenverschiedenheit auf der Erde. Drei Geschlechter von Menschen nahmen so Besitz von der Erde. Weil aber das eine von ihnen dem Fluch verfallen war, genossen nur zwei den Segen, Zuerst empfing das Geschlecht Sems den Segen. Dieser Völkerteil wohnte im Osten und nahm das Land der Chaldäer ein.
§ 24
Im Ablauf der folgenden Zeit, d. h. im zehnten Geschlecht nach der Sintflut, ist Abraham berufen, vom Segen des Stammvaters seinen Anteil und Gott nach Gebühr zu suchen. Angetrieben vom Zug seiner Seele, durchzog er ringsum die Länder und suchte, wo er Gott finde. In Schwachheit gelang es ihm selbst nicht, das Gesuchte zu erreichen. Aber Gott erbarmte sich dessen, der allein im Verborgenen ihn suchte, und offenbarte sich dem Abraham durch das Wort gleich wie mit lichtem Strahl und gab sich so ihm zu erkennen. Vom Himmel her redete er ihn nämlich an und sprach zu ihm: „Ziehe hinweg aus deinem Lande und deinem Volke und aus dem Hause deines Vaters und gehe in das Land, das ich dir zeigen werde, um dort zu wohnen“. Obwohl er damals schon in reiferen Jahren stand als 600 Siebzigjähriger und ein Weib hatte, so zog er doch voll Vertrauen auf die himmlische Stimme mit seinem Weib zusammen aus Mesopotamien und nahm auch den Loth, den Sohn seines verstorbenen Bruders, mit sich. Im Lande, welches heute Judäa heißt, und das damals sieben Stämme aus der Nachkommenschaft des Cham bewohnten, erschien ihm dann Gott im Gesichte und sprach zu ihm: „Dir und deinen Nachkommen nach dir will ich dieses Land geben zum ewigen Besitze“. Und es war wohl seine Nachkommenschaft [zuerst] als Fremdlinge in einem Lande, das nicht sein eigen war, und mußte dienen unter Schmerzen und Plagen vierhundert Jahre; aber im vierten Jahrhundert kehrten sie [wirklich] in das dem Abraham versprochene Land zurück. Das Volk aber, das seine Nachkommenschaft geknechtet hatte, richtete Gott. Um Abraham zugleich mit der Menge auch den Ruhm seiner Nachkommenschaft kund zu tun, führte ihn Gott nachts hinaus und sagte zu ihm: „Blicke hinauf zum Himmel und schaue die Sterne des Himmels, ob du sie zu zählen vermagst; so wird deine Nachkommenschaft zahlreich sein“. Und Gott erprobte die Unerschütterlichkeit und Zuversicht seiner Seele und bezeugt es selbst durch den Hl. Geist in der Schrift, wo es heißt: „Und es glaubte Abraham und das ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet“. Als ihm dieses Zeugnis zuteil wurde, war er noch unbeschnitten. Damit nun die Vortrefflichkeit seines Glaubens durch ein Zeichen bestätigt würde, gab ihm Gott die Beschneidung, nachdem die Unbeschnittenheit das Siegel des Glaubens dessen gewesen, der in der Unbeschnittenheit war. Hernach wurde ihm ein Sohn geboren von Sarah, die 601 unfruchtbar war, Isaak, gemäß dem Versprechen Gottes; entsprechend dem Bunde, den Gott mit ihm geschlossen, gab er ihm die Beschneidung. Von Isaak wurde Jakob gezeugt; und so ging der Segen, der ursprünglich Sem gegeben worden war, auf Abraham, von Abraham auf Isaak, von Isaak auf Jakob über als Erbe des Geistes, das ihnen zugeteilt worden war. Denn Gott wurde Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs genannt. Und Jakob erzeugte zwölf Söhne, nach denen die zwölf Stämme Israels benannt wurden.
§ 25
Es geschah nun, daß eine Hungersnot im ganzen Land herrschte, und nur in Ägypten noch Lebensmittel vorhanden waren. Da wanderte Jakob mit seiner ganzen Familie nach Ägypten aus. Die Zahl dieser Auswanderer betrug fünfundsiebzig. Nach vierhundert Jahren aber war die Zahl, wie die Verheißung es angekündigt hatte, auf 660 000 gewachsen. Als sie mittlerweile das Los harter Knechtschaft traf, und sie bedrängt und unterjocht seufzten und zum Gott ihrer Väter, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs flehten, führte er sie durch Moses und Aaron aus Ägypten und schlug dabei die Ägypter mit zehn Plagen. Als letzte Plage sandte er den Würgengel, der alle Erstgeburt tötete von den Menschen bis zu den Tieren, rettete aber aus derselben die Söhne Israels; hiezu zeigte er ihnen im geheimnisvollen Symbol das Leiden Christi, indem er sie fehlerfreie Lämmer schlachten ließ und ihnen im Blut derselben ein Schutzmittel der Rettung gab, das an die Häuser der Hebräer gestrichen werden mußte. Der Name dieses Geheimnisses ist [Pascha] Leiden — Ursache der Befreiung. Dann teilte er das Rote Meer und führte die Kinder Israels, mit aller Sorgfalt hindurch in die Wüste; die Ägypter aber, welche zur Verfolgung ihnen nachsetzten und in das Meer hineinjagten, gingen alle zugrunde. Das war das Gericht Gottes, vollzogen an jenen, welche ungerechterweise die Nachkommen Israels bedrängten.
§ 26
In der Wüste empfing Moses von Gott das 602 Gesetz, die zehn Gebotsworte, vom Finger Gottes auf steinerne Tafeln geschrieben. Unter Finger Gottes ist hier der Hervorgang [bzw, das, welches ausgestreckt ist] vom Vater zum Heiligen Geist verstanden; und als Gebote und Rechte das, was er den Kindern Israels zu halten auferlegt hat. Auf Gottes Befehl baute auch Moses das Zelt des Zeugnisses zum sichtbaren Gebild auf Erden von den Dingen, welche im Himmel geistiger Weise und unsichtbar enthalten sind, und zum Urbild der Kirche, zur Verheißung des Zukünftigen. Solcher Versinnbildung gemäß machte er auch die Gefäße und die Altäre und die Lade, in welche er die Tafeln legte. Als Priester stellte er Aaron und seine Söhne auf und verlieh dieser ganzen Familie das Priestertum. Dieselbe stammte aus dem Geschlechte des Levi. Auch dieses berief er nach Gotteswort ganz zur Dienstleistung im Tempel Gottes. Im levitischen Gesetze gab er ihnen die Norm, wie sie hiebei auch passend und würdig sich verhalten mußten, berufen immerdar, die Leistung des Dienstes im Tempel zu vollziehen.
§ 27
Als sie dem Lande, welches Gott dem Abraham und seinen Nachkommen verheißen hatte, nahe gekommen waren, wählte Moses je einen Mann aus jedem Geschlechte und sandte sie aus, das Land, seine Städte und seine Bewohner auszukundschaften. Damals offenbarte Gott dem Moses den Namen, der allein Rettung zu bringen vermag, sofern an ihn geglaubt wird; und Moses vertauschte nun den Namen des einen der Abgesandten, des Osee, Sohnes des Nawe [Nun], und nannte ihn Jesus; in der Kraft dieses Namens sandte er sie voll Vertrauen, sie unversehrt wieder zu empfangen, weil sie in dem Namen geführt wurden, der gegeben worden war. Wie jedoch die Abgesandten von ihrer Wanderung und Besichtigung mit ihrer Auskunft zurückkehrten und 603 Weintrauben mitbrachten, da flößten einige von den zwölf Abgesandten dem ganzen Volke bange Furcht ein, Sie sagten, daß große und ummauerte Städte da wären, Söhne von erdgeborenen Riesen würden in denselben wohnen, und es sei deshalb unmöglich, das Land zu besetzen. Alles Volk klagte daraufhin voll Kleinmut, als ob nicht Gott da wäre und ihnen Kraft geben und ihnen alles unterwerfen könnte. Und sie setzten das Land herab, als sei es nicht gut einzunehmen und als sei es nicht ratsam, wegen eines solchen Landes sich in Gefahr zu begeben. Zwei von den zwölf Gesandten jedoch, Jesus, der Sohn des Nawe [Nun], und Kaleb, der Sohn des Jephone, zerrissen ihre Kleider wegen dieses unheilvollen Vorfalles und bestürmten das Volk, sich nicht entmutigen und das Vertrauen nicht sinken zu lassen. Gott habe alles in ihre Hand gegeben und das Land sei außerordentlich gut. Doch das Volk ließ sich nicht beruhigen, sondern blieb hartnäckig bei seinem Mißtrauen. Da gab Gott ihrem Weg eine andere Richtung, ließ sie umherirren und züchtigte sie in der Wüste mit seinen Heimsuchungen. Soviel Tage die Kundschafter bis zur Rückkehr gebraucht hatten, es waren deren vierzig — ebensoviele Jahre behielt er sie in der Wüste, für den Tag ein Jahr rechnend. Wer immer von ihnen erwachsen und urteilsfähig gewesen war, behandelte er wegen ihres Mißtrauens als unwürdig, das Land zu betreten. Zwei allein [durften es beziehen], weil sie für die Verheißung gezeugt hatten, Jesus, der Sohn des Nawe, uud Kaleb, der Sohn des Jephone, und jene, welche damals erst Kinder gewesen waren, und zwischen rechts und links noch nicht unterscheiden gekonnt hatten. Das ganze kleingläubige Volk starb in der Wüste. Einer um den andern sank dahin unter der gerechten Strafe für ihren Kleinmut. Die Kinder, welche im Verlauf der vierzig Jahre heranwuchsen, füllten die durch den Tod gerissenen Lücken aus.
§ 28
Mit Ablauf der vierzig Jahre kam das Volk in die Nähe des Jordan. Es sammelte sich und schlug gegenüber von Jericho sein Lager auf. Zu dieser Zeit 604 berief Moses die Gemeinde und faßte vor ihr alles noch einmal zusammen. Er erzählte die Wundertaten Gottes bis zu diesem Tage und gab den in der Wüste Herangewachsenen Unterweisungen und Anleitung, wie sie Gott fürchten und seine Gebote beobachten sollten. So gab er für sie gleichsam ein neues Gesetz, das er dem ersten beifügte. Dasselbe wurde Deuteronomium genannt; es sind in ihm viele Weissagungen enthalten über unseren Herrn Jesus Christus und über das Volk, über die Berufung der Heiden und über das [Gottes] reich.
§ 29
Auch Moses hatte seine Lebensbahn vollendet. Es erging das Wort Gottes an ihn: „Steige hinauf auf diesen Berg um zu sterben. Denn du sollst dieses Volk nicht in das Land hineinführen.“ Und er starb nach dem Worte des Herrn. Jesus, der Sohn des Nawe [Nun], wurde sein Nachfolger. Dieser teilte den Jordan und führte das Volk in das Land hinüber. Nach Niederwerfung und Vernichtung von sieben Völkerschaften, die in ihm wohnten, teilte er dem Volke das irdische Jerusalem zu, wo [künftig] David König war und sein Sohn Salomon. Dieser baute dem Namen Gottes den Tempel nach dem Urbild des Zeltes, welches einst von Moses als Sinnbild der himmlischen und geistigen Dinge her gestellt worden war.
§ 30
Hierher wurden von Gott im Hl. Geist die Propheten gesandt. Sie mahnten das Volk und wandten es zum allmächtigen Gott ihrer Väter zurück. In ihnen erstanden die Herolde der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus, des Sohnes Gottes. Denn sie zeigten an, daß sein Leib aus dem Geschlechte Davids sprossen werde, damit er dem Fleische nach in langer Stammfolge ein Sohn Davids sei, welcher ein Sohn Abrahams gewesen war, dem Geiste nach aber der Sohn Gottes, der aus dem Vater hervorgegangen war, gezeugt vor der Schöpfung der ganzen Welt.